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22.10.2019

Auf einzelne Schicksale aufmerksam machen

Bürgermeister Uwe Becker bei der Verlegung der Stolpersteine für Familie Einhorn, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Holger Menzel
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(ffm) Am Dienstag, 22. Oktober, hat der Künstler Gunter Demnig in Frankfurt gemeinsam mit Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker neue Stolpersteine verlegt. Damit erinnern dann mehr als 1500 Stolpersteine in Frankfurt am Main an die Opfer des NS-Regimes.

„Bei über sechs Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden und weiterer Millionen Opfer des Nationalsozialismus schaffen es die Stolpersteine, auf einzelne Opfer und deren Schicksal hinzuweisen“, sagt Becker. „Unsere Stadt hat sich in der Zeit des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte unwürdig gezeigt und somit auch Schuld an Leid und Tod vieler Frankfurterinnen und Frankfurter, die mitten unter uns gelebt haben. Die kleine goldenen Gedenktafel erinnert an die Opfer und mahnt uns täglich, dass wir eine gemeinsame Verpflichtung haben für unsere Werte, unsere Rechtsstaatlichkeit und Demokratie einzutreten. In unserer offenen und toleranten Gesellschaft dürfen Ausgrenzungen, Hass und Antisemitismus keinen Platz haben.“

Die quadratischen Tafeln mit einer Kantenlänge von 96 auf 96 Millimeter und einer Höhe von 100 Millimetern sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet. Auf den Stolpersteinen sind Name, Geburtsjahr und die Daten von Vertreibung oder Deportation und Ermordung eingraviert. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in den Gehweg eingelassen. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Das Projekt hat Gunter Demnig im Jahr 1992 begonnen. Im Oktober 2018 verlegte er in Frankfurt am Main den insgesamt 70.000. Stein. Bisher sind in 24 europäischen Ländern sowie 1200 deutschen Städten und Gemeinden Stolpersteine verlegt worden. Sie sind somit das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Die Stolpersteine sollen an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnern: an Juden, Sinti und Roma, aber auch an Homosexuelle, die Zeugen Jehovas, an die Opfer der Euthanasie-Morde und an Menschen, die als vermeintlich „Asoziale" verfolgt wurden sowie Menschen, die politischen oder religiös motivierten Widerstand leisteten.

In der Obermainstraße 6 wurden am 22. Oktober insgesamt sieben Steine zur Erinnerung an die jüdische Familie Einhorn verlegt. Sabine Einhorn wurde Opfer der Euthanasie-Morde, das Schicksal ihres Ehemanns ist unbekannt. Drei Kinder wurden deportiert und ermordet, zwei konnten mit Kindertransporten nach England und in das heutige Israel fliehen.