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19.09.2019

Kaffee-To-Go geht auch nachhaltig

Der #MainBecher geht an den Start – FES etabliert stadtweites Mehrweg-Pfandsystem

(ffm) Kaum eingeschenkt, schon ausgetrunken und weggeworfen – der Einmalbecher To-Go ist zu einem Symbol für einen Konsum geworden, der auf unsere Umwelt und Ressourcen keine Rücksicht nimmt. Auch in Frankfurt verstopfen jährlich geschätzt 25 Millionen Einwegbecher die öffentlichen Papierkörbe der Stadt oder verschmutzen den öffentlichen Raum. Die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) begegnet den veränderten Konsumgewohnheiten jetzt mit einem neuen Service: einem stadtweiten Pfandsystem samt Mehrwegbecher, dem #MainBecher. Das Unternehmen knüpft damit an ein erfolgreiches Pilotprojekt der gemeinnützigen Initiative Cup2gether an.

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Sandra Mann
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„Die Stadt Frankfurt gibt jedes Jahr rund 50 Millionen Euro für die Reinhaltung von Straßen, Plätzen und Grünflächen aus“, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig am Donnerstag, 19. September, bei der öffentlichen Präsentation. „Als Aufsichtsrätin der FES bin ich stolz, dass mit dem #MainBecher ein weiterer Service für Frankfurterinnen und Frankfurter angeboten wird, der Abfallvermeidung in den Fokus rückt. Denn die Vermeidung von unnötigem Abfall muss unser Ziel sein.“ Besonders freue sie sich, dass es gelungen ist, einen Becher zu finden, der komplett aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und zudem kompostierbar ist, sagte die Stadträtin. „Wir wollten unbedingt ein wirklich grünes System haben. Wenn es einen Becher gibt, der aus einem Abfallprodukt der Papierherstellung von einem kleinen Unternehmen in der Region produziert wird, ist er der Richtige für uns.“

Der #MainBecher funktioniert im Gegensatz zu anderen Systemen fast bargeldlos. Nur einmal, zum Start, müssen die mobilen Kaffeetrinker für drei Euro eine Pfandmarke erwerben. Die kleine Holzmünze passt bequem in den Geldbeutel und kann bei den Systemteilnehmern gegen den #MainBecher ein- oder ausgelöst werden. Angeboten wird der Becher zunächst in der Größe 0,4 Liter; eine kleinere Version 0,3 Liter ist ab November verfügbar. Ein Deckel in FES-blau für zwei Euro ist nicht Teil des Pfandsystems, kann aber über die Systemteilnehmer ebenfalls in Kürze miterworben werden. Eine Übersicht aller Systemteilnehmer ist auf der Internet-Seite http://www.mainbecher.de zu finden. In Kürze wird außerdem eine App fürs Smartphone bereitgestellt.

Optisch ist der Becher in neutralem Grau gehalten. Befragungen haben ergeben, dass dies die am meisten akzeptierte Farbe ist. Aufgedruckt sind in Weiß der Frankfurt-Adler, das #MainBecher-Logo mit Skyline sowie – unten klein – der FES-Slogan „Keiner macht das so wie wir“. „Der Name und die Frankfurt-Motive auf dem Becher sollen bewusst den Lokalpatriotismus ansprechen“, erläutert FES-Geschäftsführer Dirk Remmert. „Wir wollen damit deutlich machen, dass dieser Becher und das Pfandsystem in Frankfurt für die Frankfurterinnen und Frankfurter erdacht und entwickelt wurden. Wem Frankfurt am Herzen liegt, der kommt am #MainBecher nicht vorbei.“

Das Unternehmen hat für das Projekt #MainBecher zwei Mitarbeiter angestellt. Marketing-Kampagne und Akquise laufen seit Ende August auf Hochtouren. Das Interesse ist hoch. Für den #MainBecher gewonnen wurden bereits drei Aral-Tankstellen, die Kantine der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen sowie diverse weitere Cafés und Kioske. Gespräche mit weiteren namhaften Anbietern stehen vor dem Abschluss. Mit Hilfe des FES-Sponsoringpartners Löwen Frankfurt ist zudem eine Tür zu den großen Sportveranstaltungen in Frankfurt aufgestoßen.

FES stemmt die finanziellen Aufwendungen zum Start aus dem eigenen Marketing-Budget. Aus diesem werden seit jeher Aufklärungs- und Präventionsangebote im Kontext der Müllvermeidung finanziert. Das System #MainBecher ist nicht auf Gewinn ausgelegt. Einnahmen können generiert werden durch den Verkauf des #MainBecher an Sponsoren, die ihren Becher mit eigenem Logo bedrucken lassen können. „Das könnte für viele Unternehmen zum Beispiel ein attraktives Weihnachtsgeschenk an ihre Mitarbeiter sein“, sagte Remmert. Um die Wirksamkeit des Pfandsystems nachzuweisen, gibt FES außerdem eine Sortieranalyse der öffentlichen Papierkörbe in Auftrag. Studien zufolge beträgt der Volumenanteil von To-Go-Bechern darin bis zu 15 Prozent.

Wegbereiter für den #MainBecher war die Initiative Cup2gether, die im vergangenen Jahr bereits zahlreiche Cafés in den Stadtteilen Bornheim, Nordend und Ostend sowie über 1000 Bürger für das Modell gewinnen konnte und auf diese Weise das breite Interesse an einem Pfandsystem dokumentierte. „Für uns schließt sich mit dem heutigen Tag ein Kreis“, sagten die Geschäftsführerinnen Marlene Haas und Claudia Schäfer. „Wir sind froh und dankbar, dass sich unser Projekt auf diese Weise verstetigt und mit der FES jetzt in die ganze Stadt getragen wird. Auch möchten wir an dieser Stelle Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank danken, der wie die Umweltdezernentin an die Umsetzbarkeit und Aktualität eines solchen Umweltprojektes für Stadtteile, Cafés und Händler glaubte und dieses Engagement förderte. Wir freuen uns auch für die vielen engagierten Gastronomen und Konsumenten, denen jetzt endlich eine nachhaltige Alternative geboten werden kann.“

Haas und Schäfer werden FES weiterhin beraten. Die Initiative richtet ihre Aktivitäten zugleich neu aus: In den Fokus wollen Haas und Schäfer jetzt stärker als bisher auch Stadtteil- und Vereinsfeste sowie die Beratung weiterer Städte in der Rhein-Main-Region nehmen.

Stellvertretend für die bisher gewonnenen Systemteilnehmer beschrieb Helge Seidel, Betreiber der Aral-Tankstelle auf der Friedberger Landstraße, warum der #MainBecher für ihn und seine Kunden einen Mehrwert bietet. „Tankstellen sind Mobilitätsdienstleister par excellence, insofern sind To-Go-Verpackungen für uns ein großes Thema. Schätzungsweise 120 Einmalbecher gehen bei uns jeden Tag über die Theke. Mit dem Pfandbecher von Cup2gether und jetzt dem #MainBecher habe ich die Chance gesehen, ein Statement für bewussten Konsum zu setzen. Das Interesse unserer Kunden ist da, das hat schon der Pilotversuch gezeigt.“