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14.12.2018

Genüsse, Altstadt und ein Mord – Frankfurter Büchertipps zum Weihnachtsfest

(ffm) An nass-kalten Winterabenden mit einem Buch im Sessel: In und aus Frankfurt gibt es immer wieder etwas Neues. Bücher mit Bezug zur Mainmetropole vermitteln jungen, alten und jung gebliebenen Frankfurtern und allen, die es werden wollen, Wissenswertes, Skurriles, Amüsantes, Abseitiges und Spannendes aus vergangenen Zeiten bis hin in die Gegenwart Frankfurts. Hier sind die Buchempfehlungen des Hauptamt und Stadtmarketing – zum Verschenken oder Behalten.

Buchcover 'Die Neue Altstadt. Band:1 Die Entstehung, Band:2 Das Quartier' von Matthias Alexander (Hg.), Bücherzettel Winter 2018, © Societäts Verlag, Frankfurt
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Die neue Altstadt: Entstehung und Gestalt

(ts) Frankfurts Stadtführer im Dauereinsatz: jeder will sie sehen und erklärt bekommen, und so sind zurzeit vier, fünf Besuchergruppen gleichzeitig in der neuen Altstadt keine Seltenheit. Wie war es dort eigentlich früher, vor dem Krieg? Wie ist dieses Projekt zustande gekommen und zum Erfolg geführt worden? Neu sind alle Häuser, aber welche sind wirklich rekonstruiert, welches sind – wie es bei den Fachleuten heißt – „schöpferische Neubauten“? Welche Bedeutung hatten die einzelnen Gebäude?

Zwei opulent illustrierten Bänden beleuchten Entstehung und Gegenwart der neuen Altstadt unter verschiedenen Aspekten. Band eins umreißt die Geschichte der historischen Altstadt und schildert, wie der politische Weg vom Abriss des Technischen Rathauses bis zum Entschluss zum Wiederaufbau verlaufen ist, welche Quellen für die Rekonstruktionen verfügbar und welche Konzepte für das Projekt maßgebend waren. Der zweite Band stellt die einzelnen Häuser oder Baugruppen im Detail vor, erläutert die Überlegungen der Architekten bis hin zur Farbplanung und stellt auch in vielen Bildern den Kontrast alt und neu vor.

Bei den Autoren handelt es sich sämtlich um Personen, die das Projekt als Architekten, Planer, Historiker oder langjährige journalistische Beobachter begleitet haben, woraus eine gelungene Mischung aus Sachkenntnis und Unmittelbarkeit resultiert. Wer sich das eine, umfassende Werk zur neuen Altstadt zum Lesen und Nachschlagen in das Regal stellen will, ist hier richtig.

Matthias Alexander (Hg.): Die Neue Altstadt Band:1 Die Entstehung, Band:2 Das Quartier, zusammen 448 Seiten, Societäts-Verlag, 50 Euro

Dreidimensionaler Gang über den Krönungsweg

(ts) Über den Krönungsweg zogen die Kaiser nach ihrer Wahl vom Rathaus Römer zur Inthronisation in den Dom. An diesen wenigen hundert Metern liegen einige der repräsentativsten und historisch interessantesten Gebäude der neuen Frankfurter Altstadt. Zu jedem von ihnen liefern die beiden Autorinnen eine Beschreibungen und Abbildungen, die auch den Standort des Bauwerks auf dem Plan angeben. Dann fängt die Arbeit aber erst an, denn beim Lesen soll es hier nicht bleiben. Man entnimmt die Bastelbögen, drückt die vorgestanzten Bauteile heraus, fügt alles zusammen und kann die fertigen Häuser auf dem ebenfalls beigefügten Plan installieren – und dann fehlt nur der gekrönte Kaiser für den Krönungsweg.

Beschreibungen und Bastelanweisung sind in deutscher und englischer Sprache gehalten, so dass auch der internationale Teil der Frankfurter Stadtgesellschaft sich am Nachbau dieses neuen Viertels seiner Wahlheimat versuchen kann. Und auch unter denen soll es nicht nur Kinder geben, die an solchen Basteleien Freude haben …

Susanne Scheffels/Silke Wustmann: Der Krönungsweg. Das Herz der neuen Frankfurter Altstadt: Stadtführung mit 7 Bastelbögen, 40 Seiten, Henrich 2018, 14,95 Euro

Buchcover 'Alles außer Sex! Essen, Trinken und andere Hobbys' von Werner D'Inka und Rainer M. Gefeller, Bücherzettel Winter 2018, © Societäts Verlag, Frankfurt
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Informationen über Genüsse: ein Genuss

(ts) Wo könnte eine Tour durch die kulinarischen Genüsse Frankfurts besser starten als an dem Ort, wo man deren Rohstoffe in bester Qualität erwerben und sich ganz nebenbei auch eine Einführung in die Frankfurter „Kunst der dreisten Sprüche“ angedeihen lassen kann? So steht ein Gang durch die Kleinmarkthalle am Beginn dieser Kollektion von Interviewreportagen zu nicht allem, aber vielem, was man in und um Frankfurt herum oder von dort aus in der weiten Welt zur Leidenschaft machen kann: Sei es der Fußball, gediegene Fahrzeuge auf der Hanauer Landstraße, aber auch Ausflüge in die Umgebung, bei denen der Wein auf Schloss Vollrads oder das legendäre Bier des Klosters Kreuzberg den Aufhänger zu Gesprächen bieten. So lassen sich auch Hintergründe beleuchten und schnell andere Themen aufgreifen und vertiefen. Optisch angereichert sind die Texte mit Werken des Karikaturistenduos Greser & Lenz, die auch in einem der Interviews zu Wort kommen.

Das genussfreudige Autorenteam aus zwei langgedienten Frankfurter Journalisten verbindet in diesem Band eine Fülle von Information, Begegnungen mit Menschen, die etwas zu erzählen und sagen haben, verpackt in ein luftig geschriebenes Lesevergnügen – und zeigt so ganz im Vorbeigehen, was wirklicher Qualitätsjournalismus seinen Lesern noch immer zu bieten vermag. Beschlossen wird der Band denn auch mit dem Porträt einer Person aus der Welt des guten Geschmacks, die es gar nicht gibt … Aber lesen Sie selbst!

Werner D’Inka/Rainer M. Gefeller: Alles außer Sex! Essen, Trinken und andere Hobbys, 192 Seiten, Societäts-Verlag 2018, 16 Euro

Bunt wie ein geschmückter Weihnachtsbaum

(ts) Der Autor, ebenso langjähriger wie kenntnisreicher Frankfurt-Berichterstatter, ist tief ins Archiv seines Verlages gestiegen, hat Frankfurter Stadtgrößen aus Vergangenheit und Gegenwart nachgespürt, Gespräche und Interviews geführt, Literarisches ausgegraben. Geschichte und Geschichten, Splitter und Anekdoten, Gereimtes und Philosophisches, aber auch Kulinarisches zur Weihnacht in Frankfurt kann man entweder von vorn nach hinten lesen, ebenso gut aber einfach nur blättern, hier und da hängenbleiben und je nach Zeit, Lust und Laune kürzer oder länger schmökern.

Lohnendes finden wird man immer: Goethes Erinnerung an Weihnachten in Frankfurt, ein Gespräch mit einem Stadthistoriker über das typisch Frankfurterische an Weihnachten und die Weihnachtsgeschichte „uff Frankfodderisch“, das Rezept für die typischste aller Frankfurter Leckereien, die Bethmännchen, dürfen ebenso wenig fehlen wie Gereimtes von Friedrich Stoltze, ein Weihnachtsbrief von Wilhelm Busch, Gedanken von Arthur Schopenhauer, Weihnachtsansprachen Frankfurter Oberbürgermeister in schwierigen Zeiten, dazwischen immer wieder eingestreut kurze Zeitungsmeldungen weihnachtlicher Aktualitäten, erfreulicher wie unerfreulicher Art. Denn anders als der Titel vermuten lässt, waren es auch nicht immer und für jeden Tage des Wohlgefühls: Notzeiten in Krieg, Nachkrieg und Wirtschaftskrisen haben auch die Festtage nicht ausgespart, etwas Vernünftiges zu Essen und eine geheizte Stube waren zu Zeiten oft schon das größte Geschenk. Und ein Blick in die Wetterstatistiken zeigt, dass „Weiße Weihnachten“ am Main zumeist nicht den Weg vom Wunschzettel in die schmuddelige Wetterwirklichkeit nahmen. Aber dafür hat man ja dann dieses Buch.

Peter Lückemeier: Frankfurter Weihnacht. Ein Wohlfühlbuch, 184 Seiten, Societäts-Verlag 2018, 18 Euro

Buchcover 'Ein Viertelstündchen Frankfurt, Band 2' von Meddi Müller und Marcel Dax (Hg.), Bücherzettel Winter 2018, © Charles Verlag, Frankfurt
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Viel Frankfurt in fünfzehn Minuten

(ts) Zum zweiten Mal haben sich bekannte Frankfurter Autorinnen und Autoren wie Krimi-Macher Nicola Hahn, Sibylle Nicolai und Daniel Holbe, Journalisten wie HR-Moderator Tim Frühling und Chef-Wetterfrosch Thomas Ranft Gedanken gemacht über ihre Stadt und wie sie deren unterschiedliche Facetten und ihre Kunst, scheinbar Unvereinbares miteinander zu vereinen, ihren Lesern nahebringen können.

Da der Frankfurter oft genug von außerhalb kommt, kann man erfahren, wie man vom Rheinländer zum Frankfurter werden kann, ohne in der Stadt selbst zu wohnen, lauscht einem Dialog zwischen Goethes Mutter Aja und einer jungen Frankfurterin unserer Tage, kann sich an Frankfurter Skandale erinnern und einen Streifzug durchs Rotlichtviertel des Mittelalters unternehmen, wo das horizontale Gewerbe quasi als städtische GmbH betrieben wurde und sich – zum Ausgleich sozusagen – durch den Dom führen lassen und die Entwicklung von Frankfurts größtem und zugleich kontroversesten Arbeitsplatz, dem Flughafen verfolgen. Höchst unterschiedliche Stilformen wie Essay, Kurzgeschichte, fiktives Gespräch, Satire, flotte Reportage und Sachtext, alle in einer Viertelstunde oder schneller zu lesen, gestalten die Lektüre ebenso abwechslungsreich wie vergnüglich.

Die Texte der zehn Beiträge zeigen, dass ein Frankfurt jenseits des Klischees der angeblich kalten Finanzmetropole bei seinen Bewohnern nicht nur kopfnickende Anerkennung, sondern sehr wohl auch Zuneigung, ja Begeisterung zu wecken vermag – und es ein oder gar das Frankfurt sowieso nicht gibt.

Meddi Müller/Marcel Dax (Hg.): Ein Viertelstündchen Frankfurt Bd. 2., 177 Seiten, Charles-Verlag 2018, 12,50 Euro

Frankfurter Industrie- und Familiengeschichte

(ts) Mit der Suche nach einem Teil des Familienerbes beginnt für den Autor im Städel und im Frankfurter Bürgeramt eine Recherche in die Geschichte der deutsch-jüdischen Unternehmerfamilie Wertheim, die mit Gründung und Betrieb der größten und modernsten Nähmaschinenfabrik Deutschlands einen wesentlichen, aber fast vergessenen Beitrag zum Aufstieg Frankfurts zur Industriemetropole geleistet hat.

Joseph Wertheim, Gründer des Familienimperiums, wandert 1854 als 20-Jähriger nach Amerika aus und arbeitet als Mechaniker in der Nähmaschinenfirma Singer. Nach ein paar Jahren kehrt er auf Bitten seiner Familie ins heimatliche Rotenburg an der Fulda zurück, wo diese eine Textilmanufaktur betreibt. Von dort geht er nach Frankfurt, wo er seine Jugendliebe heiratet und eine eigene Nähmaschinenfabrik gründet. Im Verlauf ihres rasanten Aufstiegs entstehen Zweigniederlassungen in Australien und Spanien, die von Familienangehörigen geleitet werden. Wertheim selbst gehört in Frankfurt zum sozial engagierten Großbürgertum, fördert das Krankenversicherungswesen und den Bau von Arbeiterwohnungen und sitzt dreizehn Jahre lang im Stadtparlament. Nach seinem Tod 1899 führt die Familie das Unternehmen zunächst erfolgreich fort, kann sich jedoch dem Strudel von Antisemitismus, Weltkrieg, Wirtschaftskrise, dem Crash von 1929 und dem Aufstieg des Nationalsozialismus nicht entziehen; die plündern das Familienvermögen, einige Mitglieder kommen im Holocaust um. Am Ende bleibt nur das spanische Unternehmen übrig, das den Bürgerkrieg der dreißiger Jahre unter Leitung des Wertheim-Sohns Karl übersteht und 1943 mit der italienischen Feinmechanikfabrik Olivetti fusioniert.

Eigentlich ein Sachbuch, liest sich das einfühlsam geschriebene Werk fast wie ein Roman. Der Leser wird förmlich in die Familie hineingezogen und erlebt aus deren Perspektive das Auf und Ab der Gründerzeit, Wirtschafts- und Gesellschaftsleben der Mainmetropole wie auch den Zerfall dieser Ordnung in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit.

Carlos Guilliard: Das verschollene Erbe der Wertheims. Die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie, 336 Seiten, Lübbe 2018, 20 Euro

Buchcover 'Am Limit. Kommissar Schakk Bekker ermittelt im Schatten des Doms' von Peter Jackob, Bücherzettel Winter 2018, © Societäts Verlag, Frankfurt
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Eine Leiche verschwindet

(ts) Dass ein Läufer beim Training zusammenbricht und stirbt, kommt bisweilen vor. Dass seine Leiche aber auf mysteriöse Weise aus der Rechtsmedizin verschwindet, eher selten. Gleichzeitig steht ein internationaler Doping-Kongress an der Universität Mainz an, vor dessen Beginn einer der Top-Redner ebenfalls das Zeitliche segnet. Als eine der Spuren das Mainzer Ermittlerteam nach Frankfurt führt, fliegt ihnen dort obendrein noch ein mögliches Tatfahrzeug samt Verdächtigem um die Ohren…

Unversehens müssen Kommissar Schakk – rhein-mainisches Regionalsprech für Jacques – Bekker und seine Kollegen ein weltweit verwickeltes Knäuel aus Doping und Leistungsmanipulation entwirren, in dem der Preis eines Menschenlebens für ein paar Hundertstelsekunden weniger auf der Aschenbahn nicht zu hoch ist. Ein aktuelles Problem mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit sorgt für ebenso spannende wie vergnügliche Unterhaltung und Vorfreude auf die Fassenacht, die auch ihren Auftritt hat.

Peter Jackob: Am Limit. Kommissar Schakk Bekker ermittelt im Schatten des Doms, 240 S., Societäts-Verlag 2018, 14 Euro

Wie der Pokal zurück nach Frankfurt kam

(mb) Am 20. Mai befand sich ganz Frankfurt im Ausnahmezustand. Die Eintracht hatte am Abend zuvor im Berliner Olympiastadion vollbracht, was nur die Kühnsten sich zu hoffen getraut hatten: Der DFB-Pokal war nach 96 nervenaufreibenden Minuten gegen den scheinbar übermächtigen Gegner aus München wieder in Frankfurter Händen. Nach 30 Jahren ohne Titel kehrte die siegreiche Frankfurter Elf endlich wieder mit einem Pokal dorthin zurück, wo sie die Siege mit ihren Fans zu feiern pflegt: den Rathausbalkon auf dem Römerberg.

Der Bildband zum epochalen Triumph der Adlerträger kommt vom Verein selbst und liefert Perspektiven, die nur die Fotografen der Frankfurter Eintracht hatten. Die letzten Tage und Stunden vor dem Finale, die herausragende Leistung gegen die Bayern, der teils noch ungläubige Jubel nach dem Schlusspfiff bis hin zur Rückkehr in die Heimat, als Zehntausende Frankfurts Straßen und Plätze bevölkerten.
Herausgekommen ist mit „Die Rückkehr des Pokals“ ein bildgewaltiges Werk, das Fans noch lange die Erinnerungen an ein denkwürdiges Wochenende zurückrufen wird. Gespickt mit Zitaten, die jetzt schon Teil der Frankfurter (Sport-)Geschichte sind.

Eintracht Frankfurt Fußball AG (Herausgeber): Die Rückkehr des Pokals, 336 Seiten, 39,95 Euro

Moritz Bäuml (mb) und Thomas Scheben (ts)