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Green City: Frankfurt bewirbt sich

Skylineblick vom Lohrberg aus, © Stadt Frankfurt am Main
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Klimaschutz, saubere Luft, Parkanlagen, eine schadstofffreie Umwelt und nachhaltige Ideen für eine lebenswerte Stadt: Dies sind Attribute, mit denen man zur „Grünen Hauptstadt Europas“ gekürt werden kann. Frankfurt bewirbt sich für das Jahr 2014 um den Titel. Als einzige deutsche Stadt tritt es gleich gegen mehrere europäische Hauptstädte an: Paris, Brüssel, Kopenhagen, Wien und Ljubljana. Auch andere starke Wirtschaftsmetropolen wie Rotterdam und Turin stellen sich dem Wettbewerb.

The winner is … Frankfurt am Main? Ob Frankfurt zur „Grünen Hauptstadt Europas 2014“ gekürt wird, wird eine EU-Jury in einem zweistufigen Wettbewerb entscheiden und das Ergebnis im Juni 2012 verkünden. Bis dahin bleibt noch einiges zu tun. Wer „Green City“ werden will, muss dauerhaft hohe Umweltstandards gesetzt haben und sich auch für die Zukunft anspruchsvolle Ziele setzen. Die Preisträger der vergangenen Jahre waren Stockholm (2010) und Hamburg (2011). Für das Jahr 2012 sind Vitoria-Gasteiz im Baskenland und für 2013 Nantes in Frankreich ausgewählt. Frankfurt konzentriert sich bei seiner Kandidatur auf vier Themen, in denen es Stärken hat, sich aber auch großen Herausforderungen stellt: „Wirtschaft und Konsum“, „Nachhaltige Mobilitätskultur“, „Planen und Bauen im verdichteten Stadtraum“ und „Klima und Freiflächen“. Die Stadt will damit auch über den Wettbewerb hinaus die Weichen Stellen für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

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Palmen am Main, Dünen im Grüngürtel

Damit begonnen hat Frankfurt bereits vor 20 Jahren, indem die Stadt den Grüngürtel unter Schutz gestellt hat und dem europäischen Klimabündnis beigetreten ist. Der Grüngürtel ist weltweit einer der größten zusammenhängenden innerstädtischen Grünräume. Kein Wunder also, dass er von der UN schon als Vorzeigeprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung ausgezeichnet wurde. Auch die jüngsten Auszeichnungen Frankfurts als „Klimaschutzkommune 2010“ und als „Biodiversitätskommune 2011“ zeigen, dass bereits viel erreicht wurde. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, das Frankfurt noch vor wenigen Jahrzehnten als Inbegriff der „unwirtlichen Stadt“ galt. Etwa die Hälfte des Stadtgebiets besteht nunmehr aus Grün- und Freiflächen, der größte Teil davon steht unter Schutz. Und wer genau hinschaut, entdeckt Palmen am Main, Dünen im Grüngürtel, Wildnis am Alten Flugplatz, alte Stadtparks, viele Spielplätze und große Waldflächen. Auf Picknickdecken und Liegestühlen an den neu gestalteten Mainufern genießen die Frankfurter den Blick auf die Hochhäuser, und das im Sommer oft bis spät in die Nacht.

Lebenswerte Stadt

Aber eine „Green City“, das meint mehr als Wiesen und Parks in der City, der Titel zielt vielmehr umfassender auf Lebensqualität in der Stadt. Fragt man die Bürgerinnen und Bürger, hat die sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. In Umfragen ist die Zahl derer konstant gestiegen, die sagen, dass sie gerne in Frankfurt leben. Nicht nur die „vielen Parks und Grünanlagen“, auch der ÖPNV oder die Abfallbeseitigung erhalten Bestnoten. In Sachen Luftqualität wird ebenfalls eher Zufriedenheit geäußert; und tatsächlich ist die Belastung mit Luftschadstoffen insgesamt in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Jedoch ist der Ausstoß einiger Schadstoffe wie Stickstoffdioxid und Feinstaub immer noch zu hoch - hier wirkt sich die Lage Frankfurts an einem Verkehrsknotenpunkt aus. Um die Einhaltung der Grenzwerte zu erreichen, wurde 2008 eine Umweltzone im Stadtgebiet eingerichtet, die jetzt ab 1. Januar nur noch mit grüner Plakette befahren werden darf. Zugenommen hat indes der Verkehrslärm: in den letzten Wochen sogar dramatisch, ausgelöst durch den neuerlichen Ausbau des Flughafens. Um die Belastung zu erfassen, hat das Umweltamt seit Januar 2007 insgesamt sechs städtische Fluglärmmessstationen in Betrieb genommen, deren Ergebnisse im Internet zur Verfügung stehen.

Taunusanlage, © Stefan Cop
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Die Skyline wird grün

Besonders aktiv ist die Stadt beim Energiesparen: In Deutschland hat sie es zur Passivhaus-Hauptstadt gebracht. Nachhaltiges Bauen ist keine Vision, sondern in Frankfurt bereits Realität - dies beweisen die Ergebnisse des "Green-Building-Wettbewerbs". Die prämierten Bauwerke - ob es Wohnhäuser sind, Schulen oder Bürogebäude - zeigen jedes Jahr, wie faszinierend nachhaltige Architektur sein kann. Auch das Markenzeichen der Stadt, die Skyline, wird grün. So hat die Deutsche Bank den Energieverbrauch ihrer kürzlich sanierten Doppeltürme um mehr als die Hälfte und den Verbrauch von Wasser um über 70 Prozent gesenkt. Und das neue Gebäude der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Westarkade, zählt weltweit zu den Bürogebäuden mit den höchsten Ökostandards. Hocheffizient sind auch die fünf Heizkraftwerke und 200 dezentrale Blockheizkraftwerke, die über die Hälfte der Energie für die Stadt produzieren. Frankfurt ist außerdem bundesweit die erste Stadt, die Stromsparen mit einer Geldprämie belohnt.

Mehr Wohnraum in der Innenstadt

Auf einem guten Weg zur grünen Stadt ist Frankfurt auch seit langem mit der Hinwendung zum Fluss, der Umwandlung von Hafenanlagen in neue, grüne Stadtviertel und mit der Entwicklung neuer Wohngebiete durch Verdichtung in der Innenstadt. In den letzten zehn Jahren ist die Einwohnerzahl Frankfurts um knapp sechs Prozent gewachsen, die Zahl der Beschäftigten um neun Prozent. Intelligente Lösungen sind da gefragt, die zusätzlichen Wohnraum schaffen, nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in der Stadt, und die dabei sozial und ökologisch sind. Zu den Leitprojekten gehört zum Beispiel die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim, ein Wohngebiet aus den 70er-Jahren, das in die Jahre gekommen ist und mit einer nicht ganz einfachen Sozialstruktur zu kämpfen hatte - und jetzt energieeffizient saniert wird. Ein weiteres Leitprojekt ist der geplante Kulturcampus auf dem alten Universitätsgelände: Er soll zum Standort für Künstler und zugleich zum Modellquartier für Energieeffizienz werden. „Damit treten wir den Beweis an, dass die Energiewende aus der Kommune heraus gelingen kann“, sagt Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth.

Mann liest in Karte, sitzt im Grünen, © Stefan Cop
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Lebendiger öffentlicher Raum

Eine „Green City“ bietet Lebensräume für Mensch und Natur. Sie nutzt die Chancen umweltverträglichen Wirtschaftens und bietet Unterstützung für alle, die sonst im schnellen Takt der Stadt den Anschluss verlieren würden. Sie ist ein lebendiger öffentlicher Raum, der Begegnungen ermöglicht. Es steht außer Frage: Green City werden, das verlangt viel von der Stadt - das gesamte Wissen und kreative Potenzial von Bürgerschaft, Unternehmen und Verwaltung. Vielleicht heißt es dann im Juni 2012: „The winner is: Frankfurt am Main!“