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Dalbergzeit und Freie Stadt

Frankfurt wird Großherzogtum und Fürstenstadt

Mit der Auflösung des Alten Reiches durch Napoleon verliert Frankfurt seine Reichsunmittelbarkeit. Im Rheinbundvertrag von 1806 wird Frankfurt dem letzten Mainzer Erzbischof Karl von Dalberg zugesprochen und 1810 zum Großherzogtum erhoben. Fürstprimas Dalberg regiert die Stadt, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts circa 35.000 Einwohner zählt, mit Hilfe einer fürstlichen Behörde. Er erweist sich als aufgeklärt-fortschrittlicher Herrscher, der in seiner kurzen Regierungszeit unter anderem die Leibeigenschaft und Frondienste abschafft, die städtische Verwaltung ebenso wie das Schul- und Bildungssystem reformiert, staatliche Volksschulen einrichtet und eine medizinische Hochschule gründet. Doch mit der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ist auch Dalbergs Herrschaft beendet. Das Großherzogtum Frankfurt wird wieder abgeschafft.

Frankfurt wird Freie Stadt

1815 wird Frankfurt gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses Freie Stadt. Als solche schließt sie sich mit den drei anderen Freien Städten sowie 35 deutschen Staaten zum Deutschen Bund zusammen. Dessen oberstes Gremium, der Bundestag, erhält seinen Sitz in Frankfurt. Ein Jahr später, 1816, wird die neue, freistädtische Verfassung, die "Konstitutionsergänzungsakte", erlassen. Mit ihr werden die Vorrechte der alten Geschlechter abgeschafft. Doch am Einfluss des Bürgertums auf die Stadtpolitik ändert sich wenig. Anstelle der Patrizier sitzen nun reiche Bürger im Rat. Wieder führen politische Benachteiligungen zu Spannungen und Unruhen. 1833 versuchen freiheitlich gesinnte Studenten unter dem Ruf "Es lebe die Freiheit! Freiheit und Gleichheit! Revolution!" die Haupt- und Konstablerwache in Frankfurt zu stürmen. Doch das Linienregiment schlägt die Aufständischen nieder. Der Versuch, eine allgemeine Revolution zu entfachen und den Bundestag zu stürzen, ist somit gescheitert.
Wenn auch liberale Tendenzen zu dieser Zeit politisch einen Rückschritt erfahren, erlebt die Stadt gesellschaftlich ihre Blütezeit. Die Bundesversammlung bringt Glanz in die Stadt. Bundestagsdiplomatie und städtische Oberschicht zeigen ein ausgeprägtes Repräsentationsbedürfnis. Dies verbindet sich mit einem großzügigen Mäzenatentum, was zur Gründung zahlreicher kultureller und sozialer Einrichtungen führt. Unter anderem verfügt 1816 der Kaufmann und Bankier Johann Friedrich Städel, seine Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und ein Kunstinstitut zu eröffnen.
Die wirtschaftliche Lage Frankfurts im 19. Jahrhundert wird zum Teil durch die Gründung des Preußisch-Deutschen Zollvereins und der restriktiven Gewerbepolitik der Stadt beeinträchtigt. Die Frankfurter Messen sinken um 1830 zu reinen Jahrmärkten herab. 1836 hofft man durch den Beitritt zum Zollverein wenigstens den Handel wieder anzukurbeln. Die Gewerbefreiheit führt der Senat allerdings erst 1864 ein.

Alte Börse am Paulsplatz, Foto von 1936, © Stadt Frankfurt am Main, Institut für Stadtgeschichte
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Frankfurt steigt zum europäischen Finanzplatz auf

Eine wichtigere Rolle als Handel und Gewerbe spielt in der freistädtischen Zeit das Bankwesen. Schon 1402 gibt es in Frankfurt die erste Wechselstube. Ab 1546 werden in der Mainstadt Münzen geprägt und eine erste amtliche Kursnotierung - die Geburtsstunde der Frankfurter Börse - ist für das Jahr 1585 datiert. Im 19. Jahrhundert steigt Frankfurt dann zum führenden europäischen Finanzplatz auf. Die Söhne des 1812 gestorbenen Meyer Amschel Rothschild, der seine Karriere als Münzhändler und Geldwechsler begann, gründen Filialen in London, Paris, Wien und Neapel. In Frankfurt konkurriert die Familie mit dem Bankhaus Bethmann. Doch nicht nur Banken im Familienbesitz beherrschen Frankfurts Finanzwelt zu dieser Zeit. 1854 entsteht mit der "Frankfurter Bank" die erste Gesellschaftsbank. 1820 wird an der Frankfurter Börse die erste Aktie gehandelt. 1879 bezieht die Börse ihr neues Domizil am Börsenplatz, wo sie auch heute noch zu finden ist. Ihre Führungsrolle als zentraler Bank- und Börsenplatz muss Frankfurt nur einmal - nämlich im 2. Weltkrieg - an die Reichshauptstadt Berlin abgeben, um sie nach 1945 bis in unsere Zeit wieder zu übernehmen.

Die erste Nationalversammlung tagt in der Paulskirche

Am 22. Februar 1848 wird in Frankreich die Republik ausgerufen. Die Revolution erfasst ganz Europa. Deutsche Demokraten fordern eine Nationalversammlung. In Frankfurt hört man den Aufruf "Das Volk ist reif zur Deutschen Republik". Am 5. März beruft man die Abgeordneten aller deutschen Lande nach Frankfurt. Vom 31. März bis 3. April 1848 tritt hier ein Vorparlament zusammen, um die Grundlagen einer deutschen Parlamentsverfassung zu beraten. Am 18. Mai eröffnen die Abgeordneten in der Paulskirche die erste deutsche Nationalversammlung. Das Parlament wählt ein provisorisches Reichsoberhaupt und erarbeitet eine Reichsverfassung mit den "Grundrechten für das deutsche Volk". Im März 1849 wird diese Verfassung verabschiedet. Sie scheitert jedoch an den deutschen Großmächten, den Fürsten, denen an einem einheitlichen Nationalstaat nicht gelegen ist.