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Fassade zum Römerberg

Römerfassade zum Römerberg © Stadt Frankfurt am Main<br />
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Zur jüngsten Restaurierung der Römerfassade

Mit dem Erwerb der beiden Häuser „Römer“ und „Goldener Schwan“ wurde vor 600 Jahren der Grundstock für eines der international bekanntesten deutschen Rathäuser gelegt. Schrittweise kamen in den folgenden Jahrhunderten weitere angrenzende Gebäude ( u. a. die Häuser „Löwenstein“ und „Wanebach“, „Frauenstein“ und „Salzhaus“, „Alt-Limpurg“ und „Silberberg“) hinzu, die heute alle unter dem Oberbegriff Römer zusammengefasst sind. Im Laufe der Zeit wurden die einzelnen Bürgerhäuser für die Zwecke der städtischen Verwaltung im Inneren mehrfach und eingreifend umgebaut. Doch auch das äußere Erscheinungsbild, insbesondere das der einst drei eher schlichten Stufengiebelfassaden zum Römerberg, genügte am Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr den Repräsentationsbedürfnissen der mächtigen, prosperierenden Handels- und Industriestadt Frankfurt am Main. Mit der Neugestaltung der Fassaden dieser drei Häuser („Alt-Limpurg“, „Römer“ und „Löwenstein“) nach einem Entwurf von Max Meckel, 1896-1900, hat der Römer – nach damaliger Auffassung – ein seiner nationalgeschichtlichen Bedeutung adäquates Erscheinungsbild erhalten.

Während Meckel die Fassaden der drei Gebäude individuell ausbildete, legte er das Hauptgewicht der dekorativen Ausgestaltung auf den Außenbau des namensgebenden Hauses „Römer“. So erhielt beispielsweise der „Kaisersaal“ einen marktseitig vorgelagerten Balkon auf wappengeschmückten Konsolen, mit einer prächtigen Brüstung in spätgotischen Formen. Zwischen den Festsaalfenstern wurden vier nahezu lebensgroße Kaiserfiguren und über dem Zifferblatt der Uhr ein aufwendig gestalteter Maßwerkbaldachin angeordnet. Unmittelbar unter dem Schlussstein der Giebelstaffel thronte das mächtige Frankfurter Stadtwappen.

Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg hatten auch im Bereich des Römer-Ensembles verheerende Schäden zur Folge. Die Häuser brannten vollkommen aus. Neben den beiden spätgotischen Gewölbehallen der Häuser „Römer“ und „Goldener Schwan“ blieb allerdings ein Großteil der massiven Fassaden der Häuser ,,Alt-Limpurg“, „Römer“ (hier war allerdings der obere Giebel komplett verloren) und „Löwenstein“ weitgehend unversehrt. Im Zuge des Wiederaufbaus der Frankfurter Innenstadt war der Römer in den Jahren 1951-53 eine der herausragenden Aufgaben auf dem Gebiet des Profanbaus. Während der Innenausbau der Gebäude weitgehend im Stil der 1950er Jahre erfolgte, wurden insbesondere die Fassaden der drei Stufengiebelhäuser unter Verwendung von Teilen der überkommenden Substanz hergerichtet.

Frauenstein und Salzhaus
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Bemerkenswert ist auch der Umgang der Nachkriegszeit mit den beiden zerstörten, einst bedeutenden historischen Fachwerkhäusern „Frauenstein“ und „Salzhaus“. Der Anfang der 1950er Jahre als giebelständiges Doppelhaus ausgeführte Neubau weckt durch sein feingliedriges Raster der Stahlbetonkonstruktion Assoziationen an die Fachwerkbauweise der verlorenen Vorgängerbauten und zeigt gleichzeitig selbstbewusst die moderne Bauweise. Obwohl der Mosaikdekor der Wandfelder zweifellos kein adäquater Ersatz für die prächtigen Fassaden der historischen Gebäude sein kann und will, so stellt das Doppelhaus doch eine eigenständige Leistung innerhalb der Wiederaufbauplanung nach dem Krieg dar. Sie birgt Erinnerungswerte und schafft doch etwas Neues. Aus der historisch verkleideten Erdgeschosszone erwächst im Obergeschoss die sichtbare Stahlbetonkonstruktion. Deren System verschmilzt mit dem monumentalen Wandbild von Wilhelm Geißler „Phoenix aus der Asche“ zum Paulsplatz hin zu dem zentralen Frankfurter Mahnmal zum Gedenken an Kriegszerstörung und Wiederaufbau.

Der Entschluss im Rahmen der jüngsten Sanierungsarbeiten zu einer Farbgebung, die sich am Erscheinungsbild des Römers zur Zeit nach seiner Wiederherstellung 1951-53 orientiert, hatte vor allem für den Bereich der Bauplastik gestalterische Konsequenzen. Neben umfangreicheren Restaurierungsarbeiten an der Maßwerkbrüstung des Balkons mussten die 1975 stark farbig gefassten Wappen und Kaiserstatuen behutsam gereinigt und - wie 1952/53 - im Naturstein-Ton überstrichen werden. Anschließend erhielten die Figuren ihre ehemalige Vergoldung im Bereich von Insignien bzw. „Edelmetall“-Accessoires zurück. Die Ornamentvergoldung von Naturstein spiegelt eine ästhetische Auffassung der Nachkriegszeit wider, wie sie sich beispielsweise in zahlreichen Geschäftshäusern am Römerberg und in der Braubachstraße heute noch zeigt.
Der Römer ist am Außenbau immer dem Zeitgeschmack angepasst worden, wie die mehrfachen Umgestaltungen seit 1900 eindrucksvoll belegen. Die nunmehr ausgeführte Fassadengestaltung spiegelt freilich heutige ästhetische Auffassungen wider; zugleich würdigt sie als Annäherung an die Gestaltung der frühen 1950er Jahre die Leistungen des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dr. Stefan Timpe
Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main