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Innenrestaurierung St. Leonhardskirche

Leonhardskirche, Innenrestaurierung, © Uwe Dettmar
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Baugeschichte

Die St. Leonhardskirche ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Stadt Frankfurt am Main. Äußerlich eine spätgotische Hallenkirche, überrascht im Inneren das weitgehend erhaltene Mauerwerk einer romanischen Kirche. Ursprünglich handelt es sich um eine dreischiffige Basilika mit zwei achteckigen Apsidentürmen, die heute noch das Erscheinungsbild der Kirche prägen. Im zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude nur vergleichsweise wenige Schäden.
Urkundlich belegt ist die Schenkung des Grundstückes durch Kaiser Friedrich II im Jahr 1219. Die Kirche war als Pilgerkirche konzipiert, die auf Reisen nach Santiago de Compostela und nach Jerusalem von Bedeutung war. In diesem Zusammenhang sind auch die beiden ursprünglichen Portale zu sehen, die noch heute als Engelbertportal und als Pilgerportal im Inneren der Kirche besichtigt werden können. Eine kunsthistorische Bewertung bestätigt anhand der Befunde der Bauplastik einen Baubeginn Anfang des 13. Jahrhunderts. Belegt ist auch die Chorweihe eines neuen Chores nach dem Entwurf von Baumeister Madern Gerthener im Jahr 1434. Dieser Chor bildet heute den Ostabschluss der Kirche. Zwischen 1508 und 1520 wurde das Kirchenschiff zu einer 5-schiffigen Hallenkirche umgebaut.
Im 18. Jahrhundert hatte die Kirche ihre ursprüngliche Nutzung verloren und diente als Vorratslager, was mit dem Verlust fast aller Ausstattungsstücke einherging. Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg verhinderte zu Beginn des 19. Jahrhunderts des Abriss des Gebäudes und ließ in der Folge die Kirche wieder herrichten. Die in diesem Zuge vorgenommene Fußbodenerhöhung um rund 0,90m hat alle Säulen- und Pfeilerbasen an den Portalen, Pfeilern und Wandflächen verschüttet.

Sanierungskonzept

Die im 18. Jahrhundert vorgenommene Auffüllung wird im Zuge der derzeitigen Sanierung entfernt, damit der spätgotische Kirchenraum wieder seine ursprünglichen Proportionen erhält. Nach dem Ausbau des alten Fußbodens erfolgten als Voraussetzung für den Einbau einer neuen Heizungs- und Lüftungsanlage von August 2011 bis Februar 2012 umfangreiche archäologische Grabungen in der Kirche. In ca. 2,40m Tiefe unter dem letzten Fußboden wurde das ursprüngliche Fußbodenniveau der romanischen Vorgängerkirche erreicht. Neben bisher unbekannten Vorgängerbauten sowohl nach Süden als auch im Bereich der Sakristei wurde auch der ursprüngliche romanische Chor der Kirche freigelegt. Die Grabungsarbeiten erbrachten herausragende Ergebnisse wie zum Beispiel hochwertig bearbeitete und erhaltene romanische und gotische Werksteine der Pfeilerbasen, Mauerzüge, Treppenanlagen und Altarfundamente. Mithilfe der Fundstücke können die einzelnen Bauphasen der Kirche stärker differenziert und um zahlreiche neue Erkenntnisse ergänzt werden.
In der ausgebauten Auffüllung wurden außerdem zahlreiche mittelalterliche Fundstücke, wie Spolien und gotische Figuren, darunter ein sogenannter „Atzmann“, gefunden und gesichert. Vor allem im südlichen Seitenschiff, aber auch in der nördlichen Vorhalle und im Kirchenschiff wurden aus der Verfüllung 22 mittelalterliche Grab- und Altarplatten geborgen. Diese Fundstücke dokumentieren die verlorene Ausstattung, einige werden nach ihrer Restaurierung wieder in die Kirche zurückkehren. Siebzig im Zuge der Sanierung geborgene Bestattungen werden in der Kirche wieder angemessen beigesetzt.

Bauherr

Dezernat III-Kirchliche Angelegenheiten

Projektleitung

Hochbauamt Frankfurt

Planung und Bauleitung

gf von Soden & Müller, Northeim vor der Rhön

Bauzeit

05/2011 - 05/2017