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Frische Luft für frisches Denken

Ein Projekt für bessere Luftqualität in Schulen

„Der Schutz der Gesundheit der Kinder in unserer Stadt liegt mir besonders am Herzen, deswegen starten wir mit dem Projekt ‚Frische Luft für frisches Denken‘ eine neue Lüftungsoffensive in Schulen“, erklärt Stadtrat Stefan Majer, Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt am Main. „Frische Luft ist nicht nur zum Denken wichtig, sondern fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder insgesamt.“

Ein guter Indikator für schlechte, verbrauchte Luft ist der Kohlendioxidgehalt der Luft. Bereits im 19. Jahrhundert hatte der Chemiker und Hygieniker Max von Pettenkofer eine Konzentration von 1000 ppm (Volumenteile pro Million Volumenteile) als akzeptablen Bereich für die Innenraumluft in Schulen benannt und dessen Einhaltung beziehungsweise Unterschreitung gefordert. Diese 1000 ppm, der sogenannte „Pettenkofer-Wert“ gilt noch heute.

„Leider wird dieser Kohlendioxidgehalt in Klassenräumen in der Regel erheblich und über längere Zeit überschritten. Bei einer größeren Untersuchungsserie unseres Gesundheitsamtes in 26 Schulen hatten die Kinder in den Klassen nur zu einem Drittel gute Luft, das heißt unter 1000 ppm CO2. In der Hälfte der Zeit betrug die Luftqualität 1000-2000 ppm und in 15 Prozent der Zeit lag sie über 2000 ppm, das heißt in einem Bereich, der als hygienisch inakzeptabel einzustufen ist“, berichtet Prof. Ursel Heudorf, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes und fährt fort: „Die Kinder atmen Kohlendioxid ständig aus, das muss hinausgelüftet werden – durch die gute alte Pausenlüftung.“ Am besten werde die Pausenlüftung noch ergänzt durch ein kurzes Lüften zur Hälfte einer Schulstunde.

Tatsache ist: Es wird in Schulen nicht genug gelüftet, auch in den Pausen nicht. Deswegen hat das Gesundheitsamt in Abstimmung mit der Unfallkasse Hessen das Projekt „Frische Luft für frisches Denken“ vorgeschlagen. Die Unfallkasse Hessen hatte bereits vor einigen Jahren in einer größeren Untersuchung zeigen können, dass mit zunehmenden Kohlendioxid-Werten im Klassenraum nicht nur die Aufmerksamkeit der Kinder abnimmt und der Lärmpegel zunimmt, sondern dass parallel auch die Pulsrate der Lehrerinnen und Lehrer steigt, als Indikator für Stress. Längerfristiger Stress kann zu Gesundheitsstörungen führen. Vor diesem Hintergrund hat das Gesundheitsamt Frankfurt am Main Plakate und ein Faltblatt entwickelt, die die Schulen auf die Bedeutung einer guten Lüftung hinweisen/aufmerksam machen sollen. Im Faltblatt wird erklärt, wann, warum und wie gelüftet werden soll. Auch die richtige Lüftung in Passivhausschulen wird ausführlich vorgestellt.

Titelseite Faltblatt
 

Das Faltblatt informiert auch über die Angebote des Gesundheitsamtes und des Amtes für Bau und Immobilien für die Lufthygiene in Schulen. Stadtrat Majer ruft dazu auf, diesen Service zu nutzen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes kommen gerne mit ihrem Messgerät in die Klassen, sodass die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern selbst im Experiment erleben können, wie rasch der Kohlendioxidgehalt in einem vollen Klassenraum ansteigt – und wie rasch er durch Lüften effektiv abgesenkt werden kann.“ Auch CO2-Ampeln können ausgeliehen werden. Weitere Partner und Unterstützer sind das Stadtschulamt und das staatliche Schulamt.

Stadträtin Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung, begrüßt das Projekt für eine bessere Luftqualität ausdrücklich und lobt die gute Kooperation zwischen den Dezernaten III, V und XI und den zuständigen Ämtern Bau und Immobilien, Stadtschulamt und Gesundheitsamt. „Die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie den Unterrichtenden ist uns wichtig und wird hier in einer Verantwortungsgemeinschaft vorbildlich wahrgenommen.“

Auch Stadtrat Jan Schneider, der für Bau und Immobilien zuständige Dezernent, unterstützt das Projekt: „Förderlich ist die regelmäßige Frischluft nicht nur für die Agierenden in den Schulen, sondern auch für die Gebäude selbst, um Schimmel an der Bausubstanz durch zu hohe Luftfeuchtigkeit im Raum zu vermeiden. Insbesondere Passivhausschulen oder Schulen, die nach der neuen Energieeinsparverordnung errichtet wurden, erfordern von ihren Nutzern ein anderes Lüftungsverhalten, da sie über eine besonders dichte Gebäudehülle und meist über eine Lüftungsanlage verfügen. Weil die Lüftung in der Regel aus energetischen Gründen nur im Winter eingeschaltet ist, sollten im Sommer regelmäßig Lüftungen vorgenommen werden.“ Und er fährt fort: „Beim Lüften gilt grundsätzlich: Lieber kurz und häufig lüften als dauerlüften! Falsch ist ein Dauerlüften bei gekipptem Fenster, da der Luftaustausch hierbei minimal ist. Am besten öffnet man gegenüberliegende Fenster. Durch das sogenannte querlüften entsteht ein Luftstrom, der schnell die verbrauchte Luft nach draußen transportiert. Wer keine gegenüberliegenden Fenster und Türen hat, lüftet etwas länger, aber am besten trotzdem mittels Stoßlüftung.“