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08.11.2013

Schön sein mit Ecken und Kanten

Die 'Brigitte' genannte nackte Schöne, von Ferry Ahrlé bemalt mit Frankfurter Motiven, zeugt auf einem Plakat aus den Sechziger Jahren davon, dass 'Lust auf Frankfurt machen' seit Gründerzeiten das Presse- und Informationsamt antreibt, © Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt
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Mit 50 Jahren: Das Presse- und Informationsamt will weiter Lust auf Frankfurt machen

Statt einer Jubiläumsfeier lädt das Presse- und Informationsamt in das Treppenhaus am Römerberg 32 ein. Plakate, Fotos und Grafiken führen in einer kleinen Zeitreise durch fünf Jahrzehnte. Sich selbst schenkt das Amt ein „Kommunikationslabor“ – eine Diskussionsrunde mit Experten über die Zukunft einer transparenten, bürgerfreundlichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Frankfurt am Main (pia) Ein Amt wird 50 – na und? Wenn das PIA, so der Frankfurter Rufname für das städtische Presse- und Informationsamt, ausnahmsweise sich selbst zum Thema macht, ist keine Nabelschau zu erwarten. „Ein kurzer Blick zurück in die Zeitgeschichte – ein weiter Blick nach vorn in die Zukunft städtischer Kommunikation“, so will Leiter Nikolaus Münster den Geburtstag seines Amtes feiern. Und lädt nicht ein zur Jubelfeier, sondern zur Zeitreise: im eigenen Haus. Da ist sie wieder - die junge Frau in weiter Schlaghose und „oben ohne“. So wirbt sie in den 70er Jahren für den Frankfurter U-Bahn-Bau. Auch die ‚Brigitte‘ genannte nackte Schöne, von Ferry Ahrlé bemalt mit Frankfurter Motiven, zeugt davon, dass „Lust auf Frankfurt machen“ seit Gründerzeiten die „PIAner“ antreibt. In der Treppenhausgalerie stapeln sich bunte Poster und Grafiken aus fünf Jahrzehnten. Sie sind zur Ausstellung arrangiert und sollen zeigen „was Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt immer auszeichnete: nah am Zeitgeist sein, dicht und aktuell informieren, Tabus nicht scheuen, unterhaltsam sein, neueste Methoden nutzen, den Bürgerdialog fördern“.

Eine junge Frau in weiter Schlaghose und „oben ohne“ wirbt Ende der 60er Jahre auf einem Plakat für den Frankfurter U-Bahn-Bau, © Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt
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Trends und Themen setzen

Heute kommt man allerdings ohne nackte Frauen als Bildmotive aus – vielmehr hat Münster mit seinem rund 20-köpfigen Team längst den Reiz der Ecken und Kanten der Stadt entdeckt, während seiner 22-jährigen Amtszeit vielfach Trends und Themen gesetzt. Und Türen geöffnet: Da lädt ein Plakat mit Dutzenden verschiedener Schlüssel zu den Tagen der offenen Tür ein. Die 1961 in Frankfurt erfundene Veranstaltung wurde als „Einblick ins Rathaus“ zur modernen Infotainment- und Dialogbühne städtischer Ämter und kommunaler Gremien, die die Bürger dazu einlädt, ihre Stadt persönlich kennenzulernen.

Bunte gezeichnete Hochhäuser auf lichtblauem Grund: mit dem Plakat „Frankfurt oben“ lud das PIA im 1996 erstmals ein, die Frankfurter Hochhäuser von innen zu entdecken. Hunderte Bürger drängelten sich um die Karten. Ein Imagewandel kündigte sich an, die Skyline wurde schick. Aber Frankfurt bietet mehr: Mit der „Linie 11“ folgten die Besucher einer Straßenbahnlinie durch Frankfurter Stadtteile von Ost bis West und erkundeten skurrile Orte ebenso wie versteckte Naturschönheiten. Das Plakat derersten „Bahnhofsviertelnacht“ lädt ein paar Jahre später zur Entdeckungstour zu Fuß ein: Seit 2008 stellt das PIA ein dynamisches Quartier in den Fokus der Öffentlichkeit, in dem sich Kulturen mischen und Probleme ballen – und dem städtische Fördermaßnahmen neue Chancen eröffnen.

Aufzieh-Modelle des 'Römertelefons', das vom Presse- und Informationsamt ins Leben gerufen wurde und 1969 seinen Betrieb aufnahm, © Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt
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Posten, zwitschern, chatten

Nah dran sein an Themen aus der Stadtverwaltung, die Medien und die Bürger umfassend informieren, sie in den Dialog einbinden, Kritik aufnehmen und fruchtbar machen – das Presse- und Informationsamt kennt seinen öffentlichen Auftrag und will ihm mit jeweils aktuellen Kommunikationsformen gerecht werden. Münster ist sich einig mit seinem Vorgänger im Amt, Joachim Peter, der das PIA 28 Jahre lang führte: „Unabhängig von den politischen Mehrheitsverhältnissen verstehen wir uns als Dienstleister für den gesamten Magistrat und als Kommunikationsvermittler zu den Bürgerinnen und Bürgern.“ Waren es früher die Informationsveranstaltungen des Magistrats in den Stadtteilen so sind es heute Online-Foren wie zum ‚Bürgerhaushalt‘ oder zum Integrationskonzept, die vom PIA betreut wurden. Längst erfolgt die tägliche Information an die Medien, früher ‚Tagesdienst‘ genannt, per Newsletter.

Bilder und Videos ergänzen das geschriebene Wort – sie erreichen die Bürger direkt per Internet und passen so in die gewandelte Kommunikationslandschaft. Da wird auf Facebook gepostet, es wird getwittert, gechattet und telefoniert – das PIA ist fast ein kleines Multimediaunternehmen geworden, mit direktem Draht zum Bürger. Eine Entwicklung, die im Jahr 1972 mit der Einrichtung der Bürgerberatung im Erdgeschoss des Hauses am Römerberg eingeleitet wurde: zuhören und beraten, informieren und im Gespräch mit den Bürgern sein gehören seitdem zu den Grundanliegen des Amtes, denn so können Impulse zurückgegeben und neue Themen rechtzeitig erkannt werden.

Comics des Presse- und Informationsamtes aus den Siebziger Jahren, © Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt
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Kreative Vielfalt als Markenzeichen

Neben der täglichen Kommunikationsarbeit lockt es die PIA-Mitarbeiter immer wieder auf „Leuchttürme“, so heißen hier die Großereignisse, von denen Plakate erzählen: ein riesengroßer Fußballschuh zeigt im Warhol-Stil wie das Amt bei der FIFA-Fußball WM 2006 zum Frankfurt-Profil beitrug. Eine pinkfarbene Fußballerin im Moment des Schusses ist das Motiv zur Frauenfußballmeisterschaft. Und ein angeknabberter Apfel - „Frankfurt lockt“ die Besucher des Evangelischen Kirchentages 2001. Kreative Vielfalt ist das PIA-Markenzeichen, wenn es gilt große Events in Frankfurt kommunikativ zu nutzen – und damit auch Themen zu setzen. „Die Wiederentdeckung des Mains als Herz der Stadt beim Sommermärchen 2006, die moderne Apfelwein-Gastlichkeit zum Kirchentag, die liebevoll inszenierten Stadtteilführungen in Höchst oder das Speed-Dating mit Politikern im Rathaus – wir probieren gern Neues aus und bleiben doch der Aufgabe treu, Frankfurt als lebens- und liebenswerte Heimat immer wieder zu entdecken“, so beschreibt Münster, was die Redakteure, PR-Berater, Projektleiter und Organisatoren im PIA antreibt.

Diskussion statt Feierlichkeiten

Der Blick in die Zukunft ist zuversichtlich: statt Geburtstag zu feiern, stellt sich das Amt in einem ‚Kommunikationslabor‘ dem Urteil und den Anregungen von Kollegen aus der Fachwelt. Direkt vor Ort, in den eigenen Büros, wird über die künftig noch stärker vernetzte Kommunikationskultur, über Bürgerbeteiligung und neue Online-Medien diskutiert. Zum Schluss verrät Münster noch einen Wunsch: „Wir möchten uns noch einmal einsetzen für ein Corporate Design der Stadt, das die Buntheit und Vielfalt der Aktivitäten aller Ämter und Einrichtungen aufnimmt und drumherum einen markanten Rahmen schafft – damit die Bürger auch wissen: wo Stadt draufsteht, ist auch Stadt drin.“ Wo PIA draufsteht ist jedenfalls Frankfurt in all seinen Facetten drin.

Almuth Westecker

Informationen zur Treppenhausausstellung

Die Treppenhausausstellung im Presse- und Informationsamt der Stadt, Römerberg 32, kann ab 18. November bis Anfang Februar 2014 besucht werden. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr.