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15.05.2012

Feature: Der Hafen hält sich fit für die Zukunft

Seit 100 Jahren trägt der Osthafen zum Erfolg des Wirtschaftsstandorts bei

Er vernetzt Schiff, Schiene und Straße und verbindet Industriestandorte in ganz Europa. Vor 100 Jahren wurde der Osthafen feierlich eingeweiht. Zum Jubiläum des bedeutenden Binnenhafens veranstalten Institut für Stadtgeschichte und Hafengesellschaft jetzt eine Ausstellung. Im August wird es auch ein Hafenfest geben.

Frankfurt am Main (pia) Frankfurt ist eine Hafenstadt. Diese schlichte Feststellung erstaunt selbst alteingesessene Frankfurter. Trotz seiner Gesamtfläche von 162 Hektar ist der Mainhafen mit seinen beiden Standorten im Gutleutviertel und im Ostend sowie seiner eigenen Hafenbahn kaum im Bewusstsein der Bürger verankert. Dabei ist er einer der wichtigsten Binnenhäfen Deutschlands. Als „trimodale Logistikdrehscheibe“ vernetzt er die Verkehrsträger Schiff, Schiene und Straße und verbindet Industriestandorte in ganz Europa miteinander. Über zwei Millionen Tonnen Schiffsgüter wurden im Jahr 2011 umgeschlagen, und etwa 8.000 Menschen sind im Hafen und den dort angesiedelten Unternehmen beschäftigt. Den bedeutenden Beitrag zum Erfolg des Wirtschaftsstandorts Frankfurt können die Hafenbetriebe heute nur leisten, weil der Osthafen einst in der Ära Adickes vorausschauend für die Zukunft geplant und errichtet wurde.

Oberbürgermeister Adickes legte den Grundstein

Vor 100 Jahren, am 23. Mai 1912, wurde der Osthafen nach fünfjähriger Bauzeit feierlich eingeweiht. Der Festtag begann am Morgen auf der Maininsel vor Sachsenhausen, wo Oberbürgermeister Franz Adickes den Grundstein für eine neue Alte Brücke legte, nachdem das ursprüngliche Bauwerk mit seinen nur zehn Meter breiten Bögen zu eng für den Binnenschiffsverkehr auf dessen Weg zum neuen Hafen geworden war. Bei strahlendem Sonnenschein gingen die Ehrengäste nachmittags an Bord einer kleinen Dampferflotte. Bei der Einfahrt in das neue Hafenbecken durchtrennte das den Korso anführende Dampfschiff „Adler“ das rot-weiße Band, das zwischen den Kaimauern gespannt war. Der Osthafen war eröffnet.

Die Kanalisierung verband den Main mit der Rheinschifffahrt

Von alters her ist Frankfurts Aufstieg eng mit der verkehrsgünstigen Lage der Stadt am Main verknüpft. Im Mittelalter diente ein Landungsstreifen am rechten Mainufer vor dem Fahrtor als Umschlagplatz für Güter aller Art, die mit dem Schiff angeliefert wurden. Bald entwickelte sich der Frankfurter Hafen zu einem Zentrum des deutschen Weinhandels. Mit der Eisenbahn kam im 19. Jahrhundert der Niedergang. Im seichten Main, dessen Wasserspiegel durch die Regulierung des Rheins noch gesunken war, konnten keine schweren Schiffe für einen rentablen Gütertransport verkehren. Erst durch die Mainkanalisierung und den Bau des Westhafens (1883-86) unter Oberbürgermeister Johannes Miquel wurde Frankfurt wieder an die Rheinschifffahrt angeschlossen. Der Anstieg des Schiffverkehrs übertraf alle Erwartungen: Bis 1905 verzehnfachte sich der Güterumschlag im Hafen auf fast 1,6 Millionen Tonnen. Doch der kaum 20 Jahre alte Hafen, auf einem Gelände zwischen zwei Brücken eingeklemmt, konnte nicht erweitert werden. Bewusst hatten die Stadtplaner einst die engen Grenzen des Hafengeländes wegen der Nähe zum Hauptbahnhof in Kauf genommen.

Ein kommunales Riesenprojekt

Schon 1887, gerade ein Jahr nach der Eröffnung des Westhafens, begannen daher die Planungen für einen weiteren Frankfurter Hafen. Es dauerte allerdings noch zwei Jahrzehnte, bis die Stadt am 23. Juli 1907 den Bau des Osthafens beschloss. Immerhin handelte es sich um „ein kommunales Riesenprojekt“, wie der Frankfurter Korrespondent damals dem Berliner Tageblatt meldete, das nicht nur den Bau von Hafenanlagen, sondern auch die Erschließung von Industrieflächen umfasste. Dafür war ein fast unbebautes, rund 350 Hektar großes Gelände im Osten Frankfurts vorgesehen. Zunächst wurde der Unterhafen realisiert. Dessen Vorbecken war so großzügig angelegt, dass selbst größte Rheinschiffe von 85 Metern Länge dort wenden konnten.

Rund um den Hafen entwickelte sich städtische Infrastruktur

Im Hafenumfeld wurde zugleich eine entsprechende Infrastruktur geschaffen. Zur Anbindung an den Straßenverkehr wurde die Hanauer Landstraße trassiert, und der Bau des neuen Ostbahnhofs und des Hafenbahnhofs sorgten für den Anschluss an das Schienennetz. Auf den Industrieflächen siedelten sich schnell erste Fabriken und Unternehmen an. Bald mussten für die dort beschäftigten Arbeiter neue Wohnsiedlungen, im Riederwald und auf dem Röderberg, gebaut werden. Nicht alle Planungen konnten sofort umgesetzt werden. So wurde zwar die Honsellbrücke über der Hafeneinfahrt bereits 1911 dem Verkehr übergeben, doch deren Fortsetzung in einer Brücke zur Überquerung des Mains aus Kostengründen nicht ausgeführt. Erst jetzt, hundert Jahre nach Eröffnung des Osthafens, entsteht die damals projektierte „Mainbrücke Ost“. In diesem Sommer, Ende August, wird das 175 Meter lange und 40 Meter hohe Bauwerk eingeschwommen und von 2013 an soll die Brücke das Ostend mit Sachsenhausen verbinden.

Der Hafen geht auf Erfolgskurs

Als der Osthafen am 1. April 1912 offiziell in Betrieb genommen wurde, war er längst nicht fertig. Dennoch ging er sofort auf Erfolgskurs: Gleich im ersten Jahr überschritt der Güterumschlag in den Frankfurter Häfen erstmals die Marke von zwei Millionen Tonnen. Infolge des Ersten Weltkriegs und der Inflation aber konnte der Unterhafen erst 1925 vollendet werden. Der anschließend begonnene Bau des Oberhafens kam mit der Weltwirtschaftskrise 1929 zum Erliegen und wurde erst 1958 abgeschlossen. Trotz schwerer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg übertrafen die rasch wiederaufgebauten Frankfurter Häfen schon 1951 ihre beste Vorkriegsleistung im Güterumschlag. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg der ständigen Modernisierung des Hafenbetriebs war im August 1986 die Einweihung des Containerterminals im Osthafen.

Logistisches Zentrum für die Wirtschaft der Region

Während der innenstadtnahe Westhafen ab 1993 aufgegeben und in ein Wohnquartier umgewandelt wurde, blieb der Osthafen als Wirtschaftszentrum bestehen. Aufgrund des 1997 verabschiedeten Konzepts „Hafen 2000+“ wurden die Hafenbetriebe strukturell optimiert. So hält sich der Osthafen als wichtige Station auf der Rhein-Main-Donau-Schifffahrtsstraße und logistisches Zentrum für die Wirtschaft der Region fit für die Zukunft. Aus dem Wirtschaftsstandort Frankfurt ist er nicht mehr wegzudenken. Um auch die Frankfurter Bürger an „ihren“ Hafen zu erinnern, widmen Institut für Stadtgeschichte und die Hafengesellschaft der hundertjährigen Geschichte des Osthafens jetzt eine Ausstellung. Und wer dem Osthafen noch näher kommen will, ist zum großen Hafenfest am 18./19. August eingeladen. Genau 100 Jahre zuvor hat einst Kaiser Wilhelm II. zum ersten Mal den Osthafen besichtigt.

Sabine Hock

Die in Kooperation mit der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt mbH entstandene Ausstellung „Frankfurt ahoi! 100 Jahre Osthafen 1912-2012“ ist vom 24. Mai bis 12. August im Institut für Stadtgeschichte, Karmeliterkloster, Münzgasse 9, zu sehen.
Zur Ausstellung erscheint ein von der HFM herausgegebenes Buch „Der Frankfurter Osthafen – 100 bewegte Jahre“, das Thomas Bauer und Fritz Koch verfasst haben (ISBN 978-3-00-038090-7; Preis: 25 Euro).