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Modell für die moderne Stadt

Bauten im Europaviertel, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Rainer Rüffer
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Europaviertel: Die letzte große Freifläche der City wird Stadtteil des 21. Jahrhunderts

Frankfurt wächst, wird bald 700.000 Einwohner zählen. Und der Arbeitsmarkt brummt. Mitten in der City entstehen daher Wohnungen für mehrere tausend Neu-Frankfurter und neue Arbeitsplätze – auf einem der größten innerstädtischen Konversionsprojekte des Kontinents. Wo vor einem Jahrzehnt noch rostbraune Güterzüge ausgeladen wurden, wächst derzeit das Europaviertel in neue Höhen.

Frankfurt am Main (pia) Auf dem breiten Boulevard fahren kaum Autos, wenige Menschen sind unterwegs, dafür gibt es Baustellen und viele freie Flächen. Eine Hand voll neuer Wohn- und Geschäftshäuser lässt erahnen, dass zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und der Messe ein neues Stadtquartier entsteht. Es füllt den Trend zurück zum Wohnen in der Stadt mit urbanem Lebensgefühl.

Die letzte große Freifläche

An die 10.000 Menschen sollen in Zukunft im Europaviertel wohnen, rund 30.000 Menschen dort arbeiten, wo bis vor gut einem Jahrzehnt die Bahn Güterzüge rangierte und Fracht verlud. Seitdem wandelt sich eine der größten innerstädtischen Konversionsflächen Europas und das letzte große freie Gelände der Mainmetropole in citynaher Lage zum attraktiven Viertel. Zugleich wird eine städtebauliche Lücke geschlossen: Das Quartier verbindet die ursprünglich von den Gleisen zerschnittenen Stadtteile Gallus und Kuhwaldsiedlung. Dort soll die Verbindung zur City Impulse setzen für eine Weiterentwicklung.

Einmalig in Europa

Im Europaviertel bringen die Stadtplaner ausgehend von der Grundidee – ein Viertel der Fläche für Wohnen, ein Viertel für Büros und Geschäfte, ein Viertel Grün und ein Viertel für die benachbarte Messe – Menschen und Wirtschaft zusammen. „Im europäischen Städtebau einmalig“, meint Frankfurts Planungsdezernent Edwin Schwarz zum Konzept. Das Quartier wird unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit entwickelt: „Dieses Areal zu nutzen hat Vorrang vor einer weiteren Inanspruchnahme unbebauter Flächen am Stadtrand.“ Der Nutzungsmix ist ebenfalls Bestandteil der nachhaltigen Planung. Umgesetzt wird das Vorhaben von den Projektentwicklungsgesellschaften Aurelis und Vivico. Sie bescheinigen dem Viertel „Modellcharakter für die erfolgreiche Weiterentwicklung der modernen europäischen Stadt.“

Wolkenkratzer überragen das Quartier

Der Tower 185, ein von Architekt Christoph Mäckler entworfener Wolkenkratzer, markiert den Eingang des neuen Stadtteils. In das zum Bankenviertel hin geöffnete Sockelgebäude des Towers ist bereits eine international tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingezogen. Von Ende 2011 werden sich auf 50 Etagen weitere Büros, Geschäfte und Gastronomie verteilen. Der Tower 185 ist eines von zehn vorgesehenen Hochhäusern, die eines Tages die weltbekannte Frankfurter Skyline ergänzen könnten. Das größte, der 365 Meter hohe Millenium-Tower würde – sollte er realisiert werden – den als Wahrzeichen der Stadt angesehenen Messeturm um rund 100 Meter überragen.

Europaviertel: Blick entlang der Europaallee Richtung Skyline, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Rainer Rüffer
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Skyline Plaza kommt dieses Jahr

Hinter dem Tower führt die Europa-Allee hinein ins Viertel. Die Straße durchzieht das riesige Areal wie ein Rückgrat. Der Weg führt vorbei am Messegelände in den Westteil des Europaviertels. Entlang der Allee laden aus Sicht der Planer Cafés und Geschäfte zum Bummeln ein, während die Etagen darüber Platz für Büros bieten. Das als Einkaufs- und Kongresszentrum konzipierte Skyline Plaza soll Bewohner wie Besucher gleichermaßen anziehen. Den Baubeginn für das lange Zeit umstrittene Gebäude hat Vivico für dieses Jahr vorgesehen.

Die ehemalige Brache lebt auf

Seit 2008 das erste Hotel seine Tür öffnete und ein Jahr später die ersten Wohnungen bezogen wurden, lebt die ehemalige Brache auf. „Ein echter Querschnitt der Bevölkerung“ soll nach dem Willen der Entwickler ins Viertel ziehen. Damit das stadtnahe Wohnen auch für weniger Betuchte erschwinglich wird, seien rund 30 Prozent der Wohnflächen für öffentlich geförderte Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen, so Aurelis. Unter der Regie des Unternehmens wird im Westteil des Quartiers eine große Zahl der insgesamt 3800 Wohnungen gebaut. Eine Schule und Kindergärten sind ebenfalls Teil der familienfreundlich konzipierten Umgebung mitten in der Mainmetropole. Die Entwickler haben inzwischen einen Großteil des Baulands an Investoren verkauft.

Quer durch mit der U-Bahn und dem Rad

Eine U-Bahnlinie, die verlängerte U5, soll das Quartier in wenigen Minuten mit dem Hauptbahnhof und dem Römer verbinden. Die Infrastruktur soll möglichst parallel mit der Wohnbebauung wachsen, damit die Menschen sich schnell heimisch fühlen. Der vorgesehene Europagarten spielt eine wesentliche Rolle in der Stadtplanung: Der Park wird als Teil des innerstädtischen Grüngürtels das Flüsschen Nidda mit dem Gallusviertel und von dort weiter den Main entlang Richtung Osthafen verbinden. Auf diesem Weg lässt sich die Stadt dann von West nach Ost zu Fuß oder mit dem Rad durchqueren – die Sightseeing Tour könnte am neuen Sitz der Europäischen Zentralbank enden.

Neues Gesicht der Messe

Von der Umwandlung der riesigen Konversionsfläche profitiert auch die Messe. Sie konnte ihren Standort erweitern. Auf ehemaligen Gleisflächen entstanden eine neue Halle und mit dem Portalhaus ein wegen seiner Architektur viel gelobter zusätzlicher Besuchereingang. „Wir haben der Messe ein Gesicht nach Westen gegeben“, so ein Sprecher. Zusammen mit der 1909 eröffneten, repräsentativen Festhalle auf der Stadtseite bildet das Portalhaus die markanten Punkte des Messegeländes, das zugleich von Ost nach West die Architekturstile eines ganzen Jahrhunderts abbildet.

Anfang Februar werden die Stadt Frankfurt und Aurelis auf einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Arbeiten im Europaviertel informieren.

Margarete Lausberg