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01.11.2010

'20 Köpfe, 11 Geschichten'

Frauenfußball: Ausstellung, Erläuterungstafel, ©  PIA Stadt Frankfurt am Main, Foto: Jana Kremin
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Als Einstimmung auf die Frauenfußball-WM im nächsten Jahr in Deutschland zeichnet eine Wanderausstellung "20 Köpfe - 11 Geschichten. Zur Historie des Frauenfußballs in Frankfurt" die Entwicklung einer Sportart nach, die vor 40 Jahren noch verboten und heute längst zu einem Massenphänomen geworden ist.

Frankfurt am Main (pia) "Das hätte ich damals nie und nimmer für möglich gehalten." Monika Koch-Emsermann, in Diensten des FSV Frankfurt in den 70er und 80er Jahren und eine der entscheidenden Kräfte des Frauenfußballs in Frankfurt, ist begeistert von der Entwicklung der Sportart in den letzten Jahren. In rund zehn Monaten soll diese nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen, wenn in Deutschland die FIFA Frauen-Fußballweltmeisterschaft beginnt. Schon jetzt wirft dieses Ereignis, bei dem Frankfurt mit der Austragung von insgesamt vier Spielen inklusive des WM-Finales am 17. Juli im Mittelpunkt stehen wird, in der Mainmetropole seine Schatten voraus. Eine Ausstellung mit dem Titel "20 Köpfe - 11 Geschichten. Zur Historie des Frauenfußballs in Frankfurt" widmet sich der Geschichte dieser Sportart in der Mainmetropole, aber gleichzeitig auch in Deutschland. Zunächst wird sie vom 17. September bis zum Ende des Monats nur für Besucher des Römers zu sehen sein, später geht sie auf Wanderschaft an unterschiedliche Orte in Frankfurt, und natürlich wird sie wird auch zur WM 2011 selbst präsentiert.

Ein langer Weg vom Verbot zur Anerkennung

Pionierin des Frankfurter Frauenfußballs ist eine gewisse Lotte Specht. Die Tochter eines Metzgers und begeisterte Anhängerin des FSV Frankfurt suchte anno 1930 per Zeitungsinserat Mitstreiterinnen, die selbst aktiv Fußball spielen wollten. Mit dem 1. Deutschen Damen Fußballclub (1. DDFC) gründete sich noch im selben Jahr ein eigener Verein, der allerdings in den Medien überwiegend hämisch begleitet wurde und sich auch von den meist männlichen Zuschauern verbale An-feindungen gefallen lassen musste. 1931 wurde der 1. DDFC bereits wieder aufgelöst. Diese kurze Frankfurter Episode ist bezeichnend für die sehr schwierige damalige Situation des Frauenfußballs in Deutschland, die noch mehrere Jahrzehnte so bleiben sollte. In der Nazizeit verkündete der Deutsche Fußball-Bund 1936: "Es gibt Sportarten, in denen wir die Frau nicht als Sportausübende treffen, weil ihre Eigenarten nicht dem Wesen der Frau entsprechen."

Die Manschaft Franken 66 in den 60er Jahren, © Eintracht-Museum
 

Aber auch in der Nachkriegszeit änderte sich für den Frauen-Fußball erst einmal wenig. Der DFB verbot gar seinen Vereinen 1955 unter Strafe, Frauenfußballabteilungen aufzunehmen oder Frauenteams Plätze zur Verfügung zu stellen. In der Folge weichte das Verbot zwar nach und nach auf, aber erst am 31. Oktober 1970 beschloss der DFB ganz offiziell die Zulassung von Damenfußballspielen. Nach der offiziellen Anerkennung durch den DFB schossen in Frankfurter Vereinen Frauenfußball-Abteilungen wie Pilze aus dem Boden – so beispielsweise bei der TSG 51, Union Niederrad, SG Praunheim oder dem FSV Frankfurt.

Auf dem Weg zum Erfolg

Treibende Kraft am Main ist zu dieser Zeit die schon erwähnte Monika Koch-Emsermann, die für den FSV als Spielerin, Trainerin und viele Jahre auch als Abteilungsleiterin im Frauenfußball aktiv war. "Die ersten Jahre waren geprägt von zahlreichen Skurrilitäten. Die Eltern hatten teilweise völlig überzogene Ängste, dass ihre Mädchen gesundheitlichen Schaden durch den Fußballsport nehmen könnten. Auch der Verband nahm uns nur sehr langsam ernst", erzählt sie. Mit den nationalen Erfolgen der Frankfurter Frauenfußballteams – erst des FSV dann später der SG Praunheim bzw. des Nachfolgevereins 1. FFC Frankfurt – sei aber die Unterstützung für die Sportart in Frankfurt relativ schnell gewachsen. "Gerade die Stadt Frankfurt stand unabhängig von den jeweils politischen Entscheidungsträgern schon bald hinter dem Frauenfußball und beschleunigte durch ihre Unterstützung die tolle Entwicklung unseres Sports."

2008: Hinter dem UEFA-Cup-Gewinner-Banner die jubelnde  Mannschaft - dahinter die vollen Ränge der Commerzbank Arena im Confetti-Regen. © 1. FFC Frankfurt
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Der 1. FFC Frankfurt entwickelte sich dann in den letzten Jahren zur erfolgreichsten Frankfurter Mannschaft. In den letzten Jahren feierte das Team um die langjährige Trainerin Monika Staab und den Manager Siggi Dietrich sieben Deutsche Meisterschaften, sieben Pokalsiege und drei UEFA-Women’s Cup Siege.

Die Ausstellung wird durch Frankfurt wandern

Die Ausstellung "20 Köpfe, 11 Geschichten" lässt diese Entwicklung wieder aufleben. Zu den Schaustücken zählen unter anderem Pokale, Zeitungsausschnitte und Trikots, beispielsweise ein Trikot des FSV Frankfurt mit dem Werbeschriftzug des ersten Sponsors "Schleich" oder ein Mannschaftsposter der ersten Frauen-Nationalmannschaft. Highlights sind sicherlich auch ein Exemplar des Kaffee-Service, das die Fußballerinnen zum Gewinn der EM 1989 erhalten haben oder ein Schiedsrichterrock. Betreut wird die Ausstellung, die auf einem Schülerprojekt der Frankfurter Anne-Frank-Schule aufbaut und von der Stadt Frankfurt sowie der DFB-Kulturstiftung unterstützt wird, vom Leiter des Eintracht Museums Matthias Thoma. Vom 16. November 2010 bis 31. Januar 2011 ist die Ausstellung im Eintracht-Museum, Commerzbank-Arena/Haupttribüne, Mörfelder Landstraße 362, zu sehen. Das Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.eintracht-frankfurt-museum.de.

Michael Weilguny