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Flic Flac in der Mainmetropole

175-Jahr-Feier der Turnerriege ist Auftakt für das Sportfest im nächsten Jahr

Bei Sport in Frankfurt denken viele an Fußball und Eishockey. Die größere Tradition besitzt aber die Turnerriege. Diese feiert am 31. Mai "175 Jahre Turnen in Frankfurt". Mit dem Deutschen Turnfest im kommenden Jahr steht schon das nächste Highlight vor der Tür. Frankfurt will daraus wieder einen Event für alle Bürgerinnen und Bürger machen.

Frankfurt (pia) Am 31. Mai regiert der "Flic Flac" am Frankfurter Römer. An diesem Samstag wird nämlich in der Mainmetropole "175 Jahre Turnen in Frankfurt" gefeiert. Gleichzeitig fällt der Startschuss für das ein Jahr später beginnende "Internationale Deutsche Turnfest Frankfurt 2009". Im Mittelpunkt steht von 10 bis 17.30 Uhr ein Turn- und Spielfest auf dem Römerberg. 16 Frankfurter Turnvereine wollen der Bevölkerung ihr Können beweisen und gleichzeitig zum Mitmachen anregen. Dann steht unter anderem Jonglieren, Rhönradfahren und Kinderturnen auf dem Programm. Im Römer selbst findet an diesem Tag eine Ausstellung zum 175-Jährigen Turnjubiläum in Frankfurt und zur Geschichte des Deutschen Turn-festes statt.

Das Turnfest kommt zum fünften Mal nach Frankfurt

Das Turnfest besitzt in Frankfurt nämlich eine große Tradition. Insgesamt vier Mal, so oft wie keine andere Stadt, war die Mainmetropole bereits Austragungsort des vom Deutschen Turner-Bund veranstaltenden Events: 1880, 1908, 1948 und 1983. Die Erstauflage 1880 bescherte Frankfurt wohl die bis dato größte Sportveranstaltung in der Geschichte der Stadt. 10.000 Turner strömten nach Frankfurt. Besucher aus der Schweiz, Frankreich, England, Russland oder den Vereinigten Staaten sorgen für internationales Flair am Main. Über die Anteilnahme der Frankfurter Bevölkerung sind zwar keine verlässlichen Zahlen überliefert. Die Notiz eines Chronisten spricht aber für ein reges Interesse - und für großen Durst: Auf dem Festgelände auf der "Dicken Öde" an der Friedberger Landstraße sollen während der fünftägigen Veranstaltung nämlich 48.000 Flaschen Wein, 110.000 Schoppen Apfelwein und 420.000 Gläser Bier konsumiert worden sein.

Schon vor 100 Jahren waren die Frankfurter begeistert

Bei der zweiten Auflage in Frankfurt im Jahr 1908 stand den Turnern dann erstmals die neu errichtete Festhalle zusammen mit einem 70.000 Quadratmeter großen Freiplatz, dem heutigen Messegelände, zur Verfügung. 55.000 Turner und auch Turnerinnen, Frauen durften seit 1894 an der Veranstaltung teilnehmen, strömten nach Frankfurt und nahmen an den Vorführungen und Wettbewerben teil. Neben klassischen Turnübungen standen damals auch Wettkämpfe in der Leichtathletik, Schwimmen oder Fechten auf dem Programm. Wohl nur vergleichbar mit der Fußball-WM 2006 begeisterte das Turnfest die ganze Stadt. Bis zu 200.000 Zuschauer kamen täglich auf das Festgelände, mehrere Hunderttausende verfolgten den Festumzug, wie der FAZ-Journalist Herbert Neumann in einem historischen Rückblick festgehalten hat.

1983: Festmeile auf der Zeil

In der Nachkriegszeit 1948 fiel die dritte Auflage des Turnfestes mit rund 30.000 Turnern wieder eine Nummer kleiner aus. Die Wettbewerbe fanden erstmals im Frankfurter Waldstadion und den umliegenden Wettkampfstätten statt, wie der Wintersporthalle und im Stadion-Freibad. Bis zur vierten Auflage des Deutschen Turnfestes in Frankfurt vergingen dann 35 Jahre. Den Organisatoren des Turnfestes von 1983, das wie 1908 in der Festhalle seinen Mittelpunkt fand, gelang es, die Frankfurter zum Mitmachen zu bewegen. So bot beispielsweise die Festmeile auf der Zeil verschiedenste Turnmöglichkeiten, und es gab zahlreiche Straßenfeste, die das Turnfest zu einem Event für alle Frankfurt werden ließen.

Turnfest als Chance für Frankfurt

Dieses Ziel setzt sich die Stadt Frankfurt als Gastgeber auch für das Deutsche Turnfest im kommenden Jahr. "Wir wollen eine Veranstaltung für alle Bürgerinnen und Bürger Frankfurts", erklärt Daniela Birkenfeld, Sportdezernentin der Stadt Frankfurt. Dazu soll unter anderem eine Event- und Partyzone am Main beitragen. Zwischen Untermainkai und Eisernem Steg werden kulinarische, kulturelle und sportliche Attraktionen geboten. "Wir sind uns sehr wohl bewusst, welche Chance das Turnfest bietet, um Frankfurt nach der Fußball-WM 2006 weiter als Sportstadt zu etablieren", betont Birkenfeld. Die Sportdezernentin ist überzeugt, dass das Turnfest zum Erfolg wird und verweist auf die Bedeutung der Sportart in der Stadt: "75 Vereine in der Regionen bieten Turnen an. Allein 15.000 Jugendliche sind hier derzeit selbst am Reck oder am Barren aktiv. Die Turnerriege ist historisch in unserer Stadt verwurzelt und der Deutsche Turnerbund hat im Frankfurter Stadtwald seinen Sitz." Jetzt muss ab 31. Mai dieses Jahres nur noch die Begeisterung der nichtturnenden Frankfurter für diesen Sport geweckt werden.

Michael Weilguny