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04.12.2019

Zurück zur Natur!

Neu angelegter Main-Nebenarm im Fechenheimer Mainbogen, Juli 2019, © Umweltamt Frankfurt am Main, Foto: Stefan Cop
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Neuer Nebenarm im Fechenheimer Mainbogen der Öffentlichkeit übergeben

(ffm) Der Main hat seit Mittwoch offiziell ein 625 Meter langes neues Gewässer dazu bekommen. Nach sieben Monaten Bauzeit haben die Referatsleiterin im Hessischen Umweltministerium, Barbara Siegert, die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Roland Kammerer, Betriebsleiter der Stadtentwässerung, den neu angelegten Main-Nebenarm im Fechenheimer Mainbogen der Öffentlichkeit übergeben. Der bis zu vier Meter tiefe Nebenarm ist Teil einer Renaturierungsmaßnahme, die in ihrer Dimension zumindest in Hessen einmalig ist“, sagte Heilig

Die umfangreichen Maßnahmen am Fechenheimer Mainbogen, die insgesamt etwa 4,3 Millionen Euro kosten, werden mit bis zu 3,24 Millionen Euro durch das Land Hessen gefördert. Umweltministerin Priska Hinz, die an dem Termin nicht persönlich teilnehmen konnte, sieht dies als außerordentlich gelungene Investition: „Ich freue mich heute die bislang größte Renaturierungsmaßnahme des Landes in Frankfurt einzuweihen. Mit unserem Landesprogramm unterstützen wir hessische Städte und Gemeinden bei Renaturierungen von Gewässern und dem Hochwasserschutz. Dafür investiert Hessen jährlich rund 20 Millionen Euro. Hier am Fechenheimer Mainbogen wurde eine naturnahe Auenlandschaft angelegt, die Platz für mehr biologische Vielfalt bietet. Das ist ein großer Gewinn für die Natur, aber ebenfalls für die Frankfurterinnen und Frankfurter: Die vielen Erholungssuchenden können am Main und in der Aue spazieren, ohne dass dabei die empfindlichen Biotope gestört werden.“

Der Fechenheimer Mainbogen wird - unter Federführung des Umweltamtes - in mehreren Schritten wieder in eine naturnahe Auenlandschaft mit Gewässern, Auwäldern und Wiesen verwandelt. Tiere und Pflanzen erhalten künftig neue wertvolle Lebens- und Rückzugsräume und die Menschen attraktive Naherholungsräume in der Natur.

Hintergrund des Mainbogen-Projekts ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000, die dazu aufruft, den ökologischen Zustand der europäischen Binnengewässer zu verbessern. In Frankfurt ergab eine vom Magistrat beauftragte gewässerökologische Voruntersuchung 39 potentielle Maßnahmen am Main – die größten sind die Gewässer im Fechenheimer Mainbogen.

Mit dem im April 2019 gestarteten Bau des neuen Main-Nebenarms ist nun ein großer Schritt in Richtung Naturnähe getan. Zuvor wurden bereits 2015 drei Altwasserteiche, mehrere temporäre Gewässer und Mainufer-Abflachungen zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Starkenburger Straße angelegt. Das neue Gewässer bietet Rückzugsräume, Laich- und Winterquartiere für Fische wie Karpfen, Schleie, Hecht und Ukelei. Aber auch Wasservögeln wie Eisvogel, Graureiher oder Bekassine wird Lebensraum geboten. Die Fachleute erwarten, dass sich am und im Wasser typische Gewässerpflanzen wie etwa die Gelbe Teichrose ansiedeln.

Die durch den mainparallelen Nebenarm neu entstandene, gut 400 Meter lange Insel ist für Menschen unzugänglich. Der während der Bauzeit gesperrte Leinpfad wurde ein Stück landeinwärts verlegt und verläuft nun entlang des neuen Gewässers. Damit hat auch ein Teilstück des GrünGürtel-Radrundweges einen neuen abwechslungsreichen Verlauf bekommen.

Nach Heiligs Worten ist die Renaturierung des Fechenheimer Mainbogens das größte Frankfurter Naturschutzprojekt seit der Umgestaltung des Alten Flugplatzes in Bonames/Kalbach. Das Projekt stehe für proaktiven Naturschutz: „Wir geben dem Main ein Stück Natur zurück.“ Parallel zum neuen Main-Nebenarm wurde gleich nebenan ein weiteres, etwa 150 Meter langes Stillgewässer hergestellt, das Hessen Mobil (Hessische Straßenbauverwaltung) als eine Kompensationsmaßnahme für den Bau des Riederwaldtunnels einsetzt.

Während der Bauzeit der beiden Gewässer, die vor Ort von der Stadtentwässerung Frankfurt geleitet wurde, gab es eine Besonderheit: „Der Aushub für die neuen Gewässer wurde nicht mit Lastwagen, sondern mit 128 Frachtschiffen zur Deponie Eisert in Großkrotzenburg abtransportiert. Eigens dafür wurde eine temporäre Schiffsanlegestelle am Ufer eingerichtet, die anschließend wieder zurückgebaut wurde. Damit konnten etwa 9000 Lkw-Fahrten vermieden werden“, erläuterte Betriebsleiter Kammerer.

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Sandra Mann
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„Und der große Durchbruch kommt erst noch“, ergänzte Umweltdezernentin Heilig: „Ein 1,7 Kilometer langer Nebenarm wird den Mainbogen komplett durchqueren.“ Damit erhalte Frankfurt ein neues Fließgewässer, länger als die Strecke von der Hauptwache bis zum Zoo. Parallel dazu ist ein neues Wegenetz mit Brücken und Stegen geplant. „Diese Auenlandschaft wird zu einer Attraktion wie der Alte Flugplatz Bonames/Kalbach, hier werden Stadtmenschen hautnah die Natur erleben.“ Um dieses Vorhaben verwirklichen zu können, wird aktuell durch das Amt für Bodenmanagement in Büdingen ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt.

Einen Überblick über das große Renaturierungs-Projekt liefern künftig zwei Informationstafeln am neuen Main-Nebenarm, auch versehen mit Verhaltens-Regeln zum Schutz der Gewässer und der Bitte, diese naturnahen Lebensräume zu bewahren.