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15.11.2019

Europäischer Antibiotikatag am 18. November: Damit eine wirksame Waffe nicht zum stumpfen Schwert wird

Logo European Antibiotic Awareness Day, © European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)
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(ffm) Am Montag, 18. November, findet der Europäische Antibiotikatag zum zwölften Mal statt. Diese europäische Initiative ist Teil der „Weltantibiotika-Woche“ der Weltgesundheitsorganisation WHO. „Ziel ist, das Bewusstsein für die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch Antibiotikaresistenzen zu schärfen und über den verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika zu informieren. Denn nur bei einem umsichtigen, zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika kann die weitere Zunahme der Antibiotika-resistenten Bakterien eingedämmt werden. Nur durch sachgerechten und sparsamen Antibiotika-Einsatz – bei Mensch und Tier, im In- und Ausland – können Antibiotika auch zukünftig wirksam bleiben“, berichtet die Leiterin des MRE-Netz Rhein-Main, Prof. Ursel Heudorf.

Ganz nach dem Motto „Europäisch und global denken, lokal und regional handeln“ kümmert sich das MRE-Netz Rhein-Main gemeinsam mit den anderen hessischen MRE-Netzwerken um einen sorgsamen Antibiotika-Einsatz in der Human- und der Veterinärmedizin in der Region. Das MRE-Netz Rhein-Main hat in Zusammenarbeit mit vielen Partnern Informationsflyer für die Bevölkerung entwickelt und über Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken verteilt. Gemeinsam mit der Landesärztekammer Hessen hat es eine Umfrage zu den Einflussfaktoren auf die Verschreibung von Antibiotika, die sogenannte EVA-Studie, durchgeführt und Fortbildungen für Ärzte veranstaltet. Darüber hinaus wird seit Jahren der Antibiotika-verbrauch in den Krankenhäusern erfragt, 2019 erstmals auch in Rehabilitationseinrichtungen.

„Unsere Informationsflyer für die Bevölkerung mit den eingängigen Titeln „Weniger ist mehr“, „Wenn, dann richtig“, Wenn möglich, ohne“ zeigen leicht verständlich auf, dass die meisten Atemwegs-, Harnwegs- und Ohrinfektionen ohne Antibiotika mit den sogenannten Hausmitteln gut behandelt werden können und abheilen. Insgesamt 80 Prozent der Atemwegsinfektionen werden durch Viren verursacht, da können Antibiotika gar nicht helfen. Aber Nebenwirkungen verursachen sie immer, indem sie die natürliche und schützende Darmflora schädigen und Resistenzen bei Bakterien fördern. Rund 70 Prozent der unkomplizierten Harnwegsinfektionen können ohne Antibiotika nur mit Flüssigkeitszufuhr und Schmerzmitteln gut behandelt werden. Und die meisten Ohrenschmerzen bei kleinen Kindern lassen sich mit abschwellenden Nasentropfen therapieren“, informiert Heudorf.

Die Antibiotika-Verbräuche in Kliniken werden nach einer WHO-Klassifikation in der sogenannten daily defined dosis (DDD) pro 100 Patiententage angegeben. In den Frankfurter Krankenhäusern ist der Antibiotika-Verbrauch von 2012 bis 2017 von 67,5 auf 59 DDD pro 100 Patiententage zurückgegangen. Besonders erfreut zeigt sich Heudorf darüber, dass „der Verbrauch an Cephalosporinen zugunsten der Penicilline zurückgegangen ist. Bestimmte Cephalosporine fördern Resistenzen bei Bakterien besonders stark, deswegen sollten diese Wirkstoffe nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden.“

Aktuell hat das Netzwerk vor wenigen Tagen eine Erhebung zum Antibiotika-Verbrauch in Rehabilitationseinrichtungen des Rhein-Main-Gebiets abgeschlossen. „Nach unserer Kenntnis sind dies die ersten verfügbaren Daten zum Antibiotika-Einsatz in der Rehabilitationsmedizin. Der Verbrauch liegt im Vergleich zu Akutkliniken sehr niedrig und er hat darüber hinaus von 4,8 DDD/100 Patiententage im Jahr 2016 auf 4,4 DDD/100 Patiententage im Jahr 2018 leicht abgenommen“.

Diese Daten bilden die Grundlage für die Diskussion in den Einrichtungen zur Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten im Einsatz von Antibiotika. „Die Einrichtungen sind auf einem guten Weg, wenngleich weiterhin noch viel zu tun bleibt“, sagt Heudorf.

Das MRE-Netz Rhein-Main kümmert sich aber auch um Antibiotika und antibiotika-resistente Erreger (multiresistente Erreger MRE) in anderen Bereichen. In der vergangenen Woche hat es eine Informationsveranstaltung zu MRE in der Umwelt durchgeführt. Dort haben die Organisatoren der HyReKa-Studie ihre aktuellen Daten zu MRE und zu Antibiotika in Abwässern und Oberflächengewässern vorgestellt und die Frage einer Desinfektionsstufe in der Abwasserbehandlung diskutiert. Darüber hinaus berichteten Vertreter aus dem Robert-Koch-Institut über Antibiotika und multiresistente Erreger bei Tieren und in Lebensmitteln.

„Es geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen, im Sinne des one health – eine Gesundheit“, betont Heudorf und wünscht den Menschen: „Kommen Sie gut und möglichst ohne Antibiotika durch den Winter“, nicht ohne auf die Grippeimpfung hinzuweisen.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.mre-rhein-main.de/antibiotika.php im Internet.