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13.09.2019

Literarischer Reiseführer Preßburg/Bratislava: Bildervortrag, Lesung und Gespräch mit Renata Sako-Hoess und Michal Hvorecký

(ffm) Pressburg – ungarisch Pozsony, slowakisch seit 1919 Bratislava – wurde von Kelten, Römern, Bayern, Ungarn, Deutschen und Slowaken geprägt. Es war jahrhundertelang ungarische Krönungsstadt und lag an den wichtigen Handelswegen Mitteleuropas. Mehrsprachigkeit war charakteristisch für die hier geborenen und lebenden Autorinnen und Autoren. Zu diesen gehört der große Barockgelehrte Matthias Bel oder der deutschsprachige Schriftsteller und Übersetzer Alfred Marnau.

Die Donaustadt erscheint oft als Erinnerungsort, etwa in den zwischen den Weltkriegen entstandenen Preßburger Interieurs von Elsa Grailich oder den Preßburger Ghettobildern von Karl Benyovszky. Eine Persönlichkeit der reichhaltigen jüdischen Kultur war Selma Steiner mit ihrer berühmten Traditionsbuchhandlung. Diese überstand alle historischen Brüche: von der k. u. k. Monarchie über die Erste Tschechoslowakische Republik, den Slowakischen Staat und den Kommunismus bis zur Wende.

Sechs literarische Spaziergänge begleiten die Besucher des Archäologisches Museums, Karmelitergasse 1, am Donnerstag, 19. September, ab 19 Uhr durch die zu entdeckende Vielschichtigkeit der slowakischen Hauptstadt, die auch Schriftsteller der Gegenwart wie Jana Beňová oder den ungarisch schreibenden Lajos Grendel immer wieder fasziniert.

Michal Hvorecký ist einer der prominenten heutigen Autoren, aus deren Werken im Reiseführer zitiert wird. Er wird selbst aus seinen auf Deutsch erschienenen Büchern lesen und mit Renata Sako-Hoess über Bratislava als Literaturstadt sprechen.

Renata Sako-Hoess kam in einer deutsch-slowakischen Familie in Bratislava auf die Welt und verließ im Herbst 1968 als Kind mit ihren Eltern die Tschechoslowakei. Von klein auf zweisprachig, studierte sie Germanistik und Slawistik in München, wo sie dann als Lehrbeauftragte für Slowakisch tätig war. Ihr Reiseführer Slowakei erschien seit 2001 in fünf Auflagen im DuMont Verlag, im selben Jahr publizierte sie als Mitherausgeberin eine Anthologie über Bratislava in der Reihe Europa erlesen im Wieser Verlag.

Michal Hvorecký, geboren 1976, lebt in Bratislava. Auf Deutsch erschienen drei seiner Romane und eine Novelle, zuletzt Troll. Er verfasst regelmäßig Beiträge für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die ZEIT und zahlreiche Zeitschriften. In seiner Novelle „Das allerschlimmste Verbrechen“ in Wilsonstadt zeichnet er Bratislava im Jahr 1925 als eine groteske, verlorene Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich die Gegenwart seltsam spiegelt.

Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „BIATEC. NONNOS ‒ Kelten an der mittleren Donau. Archäologische Neuentdeckungen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava“. Der Eintritt ist frei.