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09.09.2019

Von Blüten und Bestäubern

Palmengarten: Der Rohbau des Blüten- und Schmetterlingshauses steht

(ffm) Das Blüten- und Schmetterlingshaus im Palmengarten der Stadt Frankfurt nimmt Gestalt an. Am Montag, 9. September, haben Rosemarie Heilig, Dezernentin für Umwelt und Frauen, Katja Heubach, Direktorin des Palmengartens, und Roland Effgen, verantwortlicher Architekt des Wiesbadener Büros Kissler + Effgen, den Rohbau vorgestellt.

Seit Beginn dieses Jahres ist auf dem Gelände des ehemaligen Blütenhauses mit angeschlossener Gärtnerei ein rund 800 Quadratmater großes Ensemble aus Glashäusern entstanden. Im Warmhaus können die Besucher künftig zwischen tropischen Pflanzen und freifliegenden Schmetterlingen wie Bananenfaltern, Weißen Baumnymphen, Himmels- und Atlasfaltern umhergehen. An der Puppenstation lässt sich die Metamorphose eines Schmetterlings von der Puppe zum Falter beobachten. Für das benachbarte Kalthaus konzipiert der Palmengarten eine Informationsausstellung mit dem Schwerpunktthema Blütenökologie. An das Schauhaus schließen sich Gewächshäuser für die Gärtnerei an. In den kommenden Monaten beginnt die Innengestaltung des Gebäudes. Anfang 2021 soll das Blüten- und Schmetterlingshaus eröffnet werden.

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Sandra Mann
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„Pünktlich zu seinem 150-jährigen Bestehen 2021 wird der Palmengarten seinen Besucher*innen mit dem Blüten- und Schmetterlingshaus eine neue Attraktion bieten. Und für ein Thema sensibilisieren, das wichtiger denn je ist: Die Bedeutung von Insekten für unsere Umwelt, für Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung“, sagt Heilig. „Wir alle wissen, dass die Anzahl von Bienen, Hummeln, Faltern und diversen anderen Insekten zurückgeht. Das ist besorgniserregend. Denn dieser Schwund bedeutet, dass unser Ökosystem ernsthaft in Gefahr ist. Wir alle sind aufgerufen, umzudenken, unsere Gärten, Parks und Felder wieder insektenfreundlich zu gestalten. Im Blüten- und Schmetterlingshaus und überhaupt im ganzen Palmengarten erfahren die Besucher*innen, wie dies gelingen kann.“

Katja Heubach, Direktorin des Palmengartens und des Botanischen Gartens, © Foto: Sandra Mann
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„Mit über 160.000 beschriebenen Arten sind Schmetterlinge nach Käfern die artenreichste Insekten-Ordnung. Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt sind fasziniert von Faltern. Diese Faszination wollen wir im Palmengarten nutzen, um unseren Besucher*innen das Thema Bestäubung nahezubringen und zu vermitteln, dass diese unverzichtbar für unser Ökosystem ist. Im Blüten- und Schmetterlingshaus bringen wir ihnen das Thema Blütenökologie nahe“, erläutert Heubach. Ein integrierter Workshop-Raum bietet die Basis für einen ganzheitlichen, selbstforschenden Ansatz. Und nicht nur das: Der Palmengarten schafft auch eine Verbindung ins Freiland. Heubach: „Bereits in diesem Jahr haben wir eine Blütenwiese für Insekten mit einer regionalen Saatmischung angelegt. Kommendes Jahr wird sie erstmals blühen und ein wertvoller Rückzugsort für Tiere inmitten der Großstadt Frankfurt sein.“

Der Entwurf des Blüten- und Schmetterlingshauses, eine verzinkte, mit Isolierglas ausgefachte Stahlkonstruktion, stammt vom Architekturbüro Kissler + Effgen. Die unterschiedlich großen und hohen Gebäudeteile sind allesamt miteinander verbunden, sodass das Gesamtvolumen kompakt bleibt und die Flächen der Außenhülle minimiert werden konnten. Durch die Auswahl verschiedener Verglasungsarten, Energieschirm- und Beschattungssystemen entstehen in Kombination mit den Beheizungs-, Bewässerungs- und Befeuchtungsanlagen im Inneren verschiedene Klimabereiche. Diese können hausweise an die Bedürfnisse der verschiedenen Pflanzenarten angepasst werden. „Fügungsprinzip, Maßordnung und Technik der Glashäuser leiten sich von modernen Gewächshauskonstruktionen ab“, erklärt Roland Effgen. „Die Architektur nimmt sich zurück, denn das Wichtigste am Blüten- und Schmetterlingshaus sind die Exponate.“

Stadtrat Jan Schneider, Porträt, © Foto: Alexander Paul Englert
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Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf 8 Millionen Euro. 2,5 Millionen Euro trägt die Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten, 5,5 Millionen die Stadt Frankfurt. Von städtischer Seite begleitet das Amt für Bau und Immobilien (ABI) das Bauvorhaben während aller Projektphasen – von der Vorbereitung und der Auslobung des Wettbewerbes bis hin zur Betreuung aller Gewerke. „Für das Blüten- und Schmetterlingshaus besteht die Herausforderung darin, sämtliche technischen Parameter für das Wohlergehen der Pflanzen und Schmetterlinge untereinander abzustimmen und in einem stimmigen Entwurf zu verbinden. Hierfür sorgen ein Team von externen Fachplanern unter Führung des ABI, das kompetenter Dienstleister auch für außergewöhnliche Bauaufgaben der Stadt Frankfurt am Main ist und gerne an innovativen Lösungen mitwirkt“, betont Baudezernent Jan Schneider.