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13.03.2019

Deutschland auf einem der letzten Plätze bei Lohngleichheit: Flashmob und Straßen-Talk auf dem roten Sofa zum Equal Pay Day

(ffm) Schluss mit der Lohnlücke zu Lasten der Frauen: Das fordern solidarisch viele Frauen und Männer auf dem Römerberg. Gemeinsam mit Frauendezernentin Rosemarie Heilig veranstalten Vertreterinnen des Frankfurter Aktionsbündnisses eine Straßenaktion anlässlich des Equal Pay Days am Montag, 18. März, von 16 bis 18 Uhr an der Alten Nikolaikirche am Römerberg.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist in Deutschland bei Weitem noch nicht erreicht. Seit 2008 weist in Deutschland auf diesen Missstand der Aktionstag für Lohngleichheit hin. Getan hat sich wenig bis nichts: Noch immer verdienen Frauen bundesweit 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Umgerechnet sind das 77 Tage, die Frauen umsonst arbeiten, während Männer ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Das ist ein Skandal!

Deutschland hat das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf innerhalb Europas und einen stabilen Arbeitsmarkt. Bei der geschlechtsspezifischen Gleichheit der Löhne bildet unser Land aber eines der Schlusslichter und liegt beispielsweise weit hinter Polen oder Rumänien (Quelle: European Comission, the gender pay gap in the European Union, Nov. 2018).

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Sandra Mann
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Vielfach ist zu hören, dass Frauen für diese Gehaltsunterschiede mit verantwortlich seien. Zum Beispiel, weil sie häufig schlecht bezahlte Berufe wählen. Dem widerspricht Rosemarie Heilig vehement: „Statt das Berufswahlverhalten von Frauen zu kritisieren, braucht es vielmehr eine Aufwertung der Berufe, in denen viele Frauen arbeiten. Sie leisten gesellschaftlich unentbehrliche hochwertige Arbeit. Darüber hinaus gibt es eine eklatante geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung innerhalb der Berufe. In Frankfurt haben wir Gehaltsunterschiede von bis zu 26 Prozent zu Lasten der Frauen bei gleicher Beschäftigung in Vollzeit: Frauen verdienen im statistischen Vergleich brutto rund 900 Euro weniger als Männer. Die Lohnungleichheit ist keine Ausnahme sondern hat System.“

Gabriele Wenner, die Leiterin des Frankfurter Frauenreferats, weist darauf hin, dass Frauen trotz hervorragender Ausbildung und Qualifikationen ungerecht bezahlt werden. „Frauen arbeiten oft in Teilzeit, übernehmen Kindererziehung oder Pflegeverantwortung, haben deswegen mangelnde Aufstiegschancen und sind weniger in Führungspositionen vertreten. Trotz der vielen qualifizierten Frauen überwiegen männliche Chefs auch in den Arbeitsbereichen, in denen vielfach Frauen arbeiten. Wir brauchen flexiblere und den Lebenssituationen angepasste Arbeitsformen und –zeiten für Männer und Frauen, statt der in Deutschland üblichen Präsenzkultur. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unbezahlte und bezahlte Arbeit fairer zwischen Frauen und Männern aufgeteilt werden kann.“

Dazu sind die althergebrachte Rollenmuster in den Blick zu nehmen. Das Frauenreferat wird in den nächsten zwei Jahren eine Kampagne zum Abbau von geschlechtsspezifischen Klischees und Vorurteilen starten und für Frauenrechte kämpfen, wie beispielsweise für die längst überfällige gerechte Bezahlung von Frauen.

Der Equal Pay Day fällt bundesweit dieses Jahr auf den 18. März. Er markiert symbolisch den Tag, ab dem auch die Frauen für ihre Arbeit entlohnt werden. Als symbolischer Blickfang steht die riesige rote Tasche auf dem Römerberg. Sie macht auf die „roten Zahlen“ in den Geldbörsen der Frauen aufmerksam.

Im Anhang befindet sich ein Flyer mit Informationen zur Lohnungerechtigkeit als PDF-Download.