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22.01.2019

Vernichtungsort Malyj Trostenez: Institut für Stadtgeschichte zeigt neue Ausstellung

(ffm) Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main zeigt ab Samstag, 26. Januar, die Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez: Geschichte und Erinnerung“. Die Schau thematisiert die Geschichte eines nationalsozialistischen Lagers in Weißrussland und die verschiedenen Formen der Erinnerung daran in Deutschland und vor Ort. Für die Frankfurter Station wurde die Ausstellung um Informationen zu hiesigen Opfern sowie zu einem der Frankfurter SS-Männer erweitert. Sie ist bis zum 17. März im Kreuzgang des Karmeliterklosters, Münzgasse 9, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenfrei.

Wanderausstellung mit Frankfurter Biographien

Die Wanderausstellung widmet sich dem größten Vernichtungslager auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, in dem zwischen 1942 und 1944 rund 60.000 Menschen, vor allem Juden, aber auch sowjetische Kriegsgefangene und weißrussische Partisanen von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Zu den Opfern gehörten auch Frankfurter Juden. Für die Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, stand außer Frage, „dass wir der Schau in unserem Haus Platz geben“. Weiter führt sie aus: „Die Entscheidung fiel auch vor dem Hintergrund, die Kernausstellung um Frankfurter Schicksale zu erweitern. Denn als Institution mit stadtgeschichtlichem Fokus sind wir dem Frankfurter Blick verpflichtet.“

Blick in die Wanderausstellung 'Vernichtungsort Malyj Trostenez: Geschichte und Erinnerung', zu sehen vom 26. Januar bis 17. März 2019 im Kreuzgang des Karmeliterklosters, © Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main
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In Frankfurt wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet vom Fritz Bauer Institut und dem Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums. Die Direktorin des Fritz Bauer Instituts, Prof. Sybille Steinbacher, unterstreicht die Notwendigkeit der Schau: „Auschwitz kennt jeder, aber wer hat schon von Malyj Trostenez gehört? Das ist ein lange nahezu vergessener Ort der nationalsozialistischen Massenverbrechen. Die Ausstellung ist wichtig, weil sie die Fakten über die Verbrechen präsentiert, die in Malyj Trostenez begangen wurden, weil sie an diejenigen erinnert, die dort umgebracht wurden, und weil sie zum Nachdenken darüber anregt, warum dieser Ort, an dem es erst seit dem Sommer 2018 eine Gedenkstätte gibt, so lange beschwiegen worden ist.“

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig lobt das Engagement der beteiligten Institutionen und betont: „Die Ausstellung mit ihrer lokalgeschichtlichen Erweiterung und das Begleitprogramm tragen dazu bei, die Vernichtungsstätte Malyj Trostenez in unsere Erinnerung und in das stadtgeschichtliche Bewusstsein zu bringen.“

Renate Hebauf hat die ergänzenden Recherchen durchgeführt. Sie erläutert: „Während die exemplarischen Opfer-Biografien von Tony Caro und Dr. Albert Katzenellenbogen an Hunderte aus Frankfurt verschleppte und in Malyj Trostenez ermordete jüdische Menschen erinnern, gibt die Kurzbiografie von SS-Hauptsturmführer Arthur Harder ein Beispiel dafür, dass auch Täter, die in Malyj Trostenez mordeten, aus Frankfurt kamen.“

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 25. Januar, um 17 Uhr mit einem Festvortrag der Historikerin Petra Rentrop-Koch über den „Vernichtungsort Malyj Trostenez – ein Landgut als Vernichtungsstätte (1942-44)“ im Institut für Stadtgeschichte.

Die Wanderausstellung ist im Rahmen eines Pilotprojekts von Historikern aus Weißrussland, Deutschland, Österreich und Tschechien erarbeitet worden. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2016 in Hamburg wurde sie in 19 Städten in diesen Ländern gezeigt. Träger der Ausstellung sind das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund gGmbH, die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Gefördert wurde sie durch das Auswärtige Amt sowie den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Das umfangreiche Begleitprogramm ist als PDF-Dokument angehängt.

Weitere Informationen zur Ausstellung und allen Veranstaltungen finden sich unter http://www.stadtgeschichte-frankfurt.de sowie auf http://www.facebook.com/isgfrankfurt und http://www.twitter.com/isg_frankfurt im Internet.