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09.11.2018

Enthüllung einer neuen Gedenktafel am Ettinghausenplatz in Höchst

Gedenktafel am Ettinghausenplatz in Höchst zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Synagoge, die bis 1938 an dieser Stelle stand und bei den Pogromen 1938 zerstört wurde, November 2018, © Foto: Barbara Huy-Tauber
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(ffm) Am Freitag, 9. November, hat Stadträtin Elke Sautner im Namen des Magistrats eine neue Gedenktafel am Ettinghausenplatz in Höchst enthüllt. Sie erinnerte an die Synagoge, die bis 1938 an dieser Stelle stand und bei den antijüdischen Pogromen vor 80 Jahren zerstört wurde.

Im Zuge der Reichspogromnacht wurde die Höchster Synagoge am 9. November 1938 durch SA-Männer und Teile der Höchster Bevölkerung geplündert und in Brand gesteckt. 1939 wurde das ausgebrannte Gebäude abgerissen und an seiner Stelle ein Hochbunker errichtet, der den Platz bis heute prägt. Der Pogrom bedeutete einen tiefen Einschnitt für den Stadtteil Höchst, in dem jüdisches Leben eine lange Tradition hatte. Seit 1635 lebten nachweislich Familien jüdischen Glaubens in Höchst, 1938 waren es knapp 200 Menschen. Die Synagoge am Ettinghausenplatz wurde 1905 eröffnet.

„Die Nationalsozialisten taten alles, um die jüdische Tradition in Frankfurt vergessen zu machen. Die Synagoge in Höchst ließen sie durch einen Bunker ersetzen, ebenso wie ihr Pendant im Ostend. Indem wir an die Verbrechen der Reichspogromnacht und konkret an die zerstörten jüdischen Gotteshäuser erinnern, sorgen wir dafür, dass dieser mentale Verdrängungsversuch keinen Erfolg hat“, sagte Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt.

Die vorherige Gedenktafel am Ettinghausenplatz wies inhaltliche Fehler auf und wurde nun durch eine neue Tafel ersetzt. Sie trägt folgende Inschrift:

Gedenktafel an einem Gebäude am Ettinghausenplatz in Höchst zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Synagoge, die bis 1938 an dieser Stelle stand und bei den Pogromen 1938 zerstört wurde, November 2018, © Foto: Barbara Huy-Tauber
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„Hier stand die 1905 errichtete Synagoge der Jüdischen Gemeinde Höchst. ‚Treu zu ihr zu stehen in der Betätigung wahrer Nächsten- und Menschenliebe‘, versprach Bürgermeister Palleske der Gemeinde im Namen der Bürgerschaft auf der Einweihungsfeier.

33 Jahre später, am 10. November 1938, verwüsteten Männer der SA und Höchster Bürger die Synagoge und steckten sie in Brand. Feuerwehr, Polizei und viele Schaulustige sahen tatenlos der Zerstörung zu – auch als Höchster Juden verhöhnt, bespuckt und mit Steinen beworfen wurden. Im April 1939 wurde die Synagoge abgerissen. Der 1942 errichtete Luftschutzbunker verdeckte mit seinen Mauern das Leid und die Geschichte der Höchster Juden. Etwa die Hälfte der 200 jüdischen Einwohner von Höchst wurde ermordet oder in den Tod getrieben. Die Erinnerung an die Ereignisse von damals soll eine Mahnung für die Gegenwart und Zukunft sein, zu allen Zeiten und unter allen Bedingungen für das Recht und die Würde aller Menschen einzustehen.“

Zur Einweihung sprachen Stadträtin Elke Sautner, Stadtverordnete Petra Scharf und Albert Seelbach, Pfarrer im Ruhestand. Die Veranstaltung wurde musikalisch von Schülerinnen und Schülern der Leibnizschule umrahmt, die auch ihr Projekt „Nachspüren“ vorstellten. Es widmet sich der Geschichte von jüdischen Schülerinnen und Schülern während des Nationalsozialismus.

„Wir freuen uns, dass nach langen Jahren nun die neue Tafel enthüllt wird. Sie ist das Ergebnis konstruktiver Zusammenarbeit mit den heutigen Verantwortlichen im Kulturdezernat und beim Institut für Stadtgeschichte“, sagte Waltraud Beck von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Erinnerung. Die Höchster Initiative organisiert die Gedenkveranstaltung und engagiert sich seit Jahren für das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus.