Logo FRANKFURT.de

07.07.2016

Rosemarie Heilig stellt Dokumentation zur Frankfurter Fachtagung 'Jugendliche und Cannabis' vor

(pia) Wie ticken Jugendliche? Welche Rolle spielt Cannabis in ihrem Alltag? Was sind ihre Motive, zu kiffen und wie kann Jugendschutz gelingen? Antworten, Thesen und Positionen zu diesen und weit mehr Fragen sind nachzulesen in der druckfrischen Dokumentation der zweiten Frankfurter Fachtagung „Jugendliche und Cannabis – wir sprechen darüber: Miteinander, sachlich, kontrovers, offen“. Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig hat den knapp 100 Seiten starken Reader mit allen Tagungs-Referaten, Diskussionen über 16 Tischthemen oder Twitter-Beiträgen und Statements von Frankfurter Schülern am Donnerstag, 7. Juli, im Gesundheitsausschuss vorgestellt.

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Sandra Mann
Dieses Bild vergrößern.

„Ich hoffe, dass die Fülle an wissenschaftlich fundierten Informationen, die vielen Aspekte und Argumente aus unterschiedlichen Perspektiven, und nicht zuletzt die Erwartungen der jungen Leute Grundlage und Motivation sind, sachlich und aufgeklärt über den Umgang mit Cannabis zu reden“, sagte Heilig. Es sei höchste Zeit, pragmatische Lösungen und einen „mutigen Frankfurter Weg“ zu finden, um allen Erscheinungsformen und Auswirkungen des Cannabiskonsums angemessen und wirksam zu begegnen. Die öffentliche Gesundheit und nicht die Strafverfolgung solle im Vordergrund stehen: „Unser Ziel muss sein, Jugendliche vor den negativen Folgen des Konsums zu bewahren, ohne jugendliches Experimentierverhalten zu kriminalisieren und zu tabuisieren.“ Das geltende Betäubungsmittelgesetz nennt Heilig „kontraproduktiv“, weil es Offenheit im Umgang mit der illegalen Droge erschwere, und das Jugendschutzgesetz sei wirkungslos, denn Cannabis komme darin nicht vor.

Bei der Fachtagung hatten die rund 40 beteiligten Schüler aus Frankfurter Gymnasien und Fachoberschulen sehr deutlich formuliert, was sie im Umgang mit Cannabis erwarten. Ihre zentrale Botschaft: Jugendliche wollen offen über Cannabis reden können – ohne Tabus und auf Augenhöhe mit fachkompetenten Erwachsenen.

Generell wünschen sie sich umfassende, sachliche Informationen und einen differenzierten Blick, der zwischen jugendlichem Probierverhalten, gelegentlichem Konsum und Missbrauch unterscheidet. „Jugendliche finden es unglaubwürdig, wenn Cannabis pauschal als illegal und gefährlich verteufelt wird. Sie erwarten eine realistische Darstellung der Folgen je nach Konsumform und Tipps, wie man Risiken reduzieren kann.“ Heilig appelliert gerade beim Thema Jugendliche und Cannabis für den „differenzierten Blick, wer Hilfe braucht, wen man in Ruhe lassen kann und welche Ansprache angemessen oder überzogen daher kommt“. In diesem Sinne gelte es Handlungsspielräume auszuloten. Suchtpräventive Angebote zu Cannabis ohne Tabus sollten Standard an allen weiterführenden Schulen in Frankfurt werden und Tipps zu Safer Use wie Harm Reduction selbstverständlich zur Prävention gehören. Nicht zuletzt hat Heilig allen Jugendlichen Schutz zugesagt, um offen und ohne Angst über Cannabiskonsum reden zu können. Die jetzige Situation, dass viele einfach wegschauen, weil kiffen illegal ist, sei unhaltbar. „Cannabis ist bei Jugendlichen gerade angesagt, das ist die Realität. Und es ist die Aufgabe der Politik, auf diese gesellschaftliche Realität Antworten zu geben.“

Während ihrer Amtszeit als Gesundheitsdezernentin hat Rosemarie Heilig das Thema Cannabis in all seinen Facetten neu aufgerollt und die festgefahrene, ausschließlich ideologisch geführte Debatte über Pro und Contra Entkriminalisierung und Legalisierung von Cannabis mit zwei großen Frankfurter Fachtagungen auf eine fachlich-sachliche Ebene gebracht. Damit hat sie nicht nur stadtweit die Diskussion rund um die Pflanze Hanf angestoßen, sondern auch den Austausch mit anderen Städten. Die Initiative solle auch nach ihrer Amtszeit weitergehen: „Die Dokumentationen beider Fachtagungen bieten als Materialsammlung von Fakten und Argumenten die Grundlage dafür.“