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12.04.2016

Frankfurt, zeig mir dein Foto!

Die Instagramer Natanja Grün (l), Martin Widenka und Kathi Schenk (r) mit ihren Smartphones am Beethoven-Denkmal im Anlagenring, April 2016, © Foto: Salome Roessler
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Beim Worldwide InstaMeet schaut die Welt am 23. April auf die Stadt am Main

Hollywoodstars nutzen die Internet-Plattform Instagram gerne zur Selbstdarstellung. Bei dem kostenlosen Online-Dienst teilen sie Fotos und Videos. Was als Forum für Selfies bekannt wurde, hat aber längst auch lokale Gemeinschaften geschaffen, die sich vor Ort zum Fotografieren treffen und ihre Bilder online in die Welt verschicken. Am 23. April treffen sich deutsche Instagramer in Frankfurt und wollen die Stadt von einer neuen Seite zeigen.

Frankfurt am Main (pia) #wwim13fra – was nach ein paar willkürlich zusammengestellten Buchstaben klingt, könnte für Frankfurt zum neuen Tor zur Welt werden. Dank dieses so genannten Hashtags, also der elektronischen Verschlagwortung, steht die Stadt am 23. April im Mittelpunkt der deutschen Internet-Gemeinde, die sich regelmäßig auf Instagram trifft. Die vom US-amerikanischen Unternehmen Facebook im Jahr 2010 aufgekaufte Internet-Plattform zählt weltweit rund 400 Millionen Nutzer. Zweimal im Jahr veranstaltet sie den so genannten „Worldwide InstaMeet“, an dem sich überall auf der Welt Menschen treffen und Fotos davon ins Netz stellen.

Der Instagramer Martin Widenka fotografiert im Anlagenring mit seinem Smartphone an einer Pfütze, April 2016, © Foto: Salome Roessler
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Große Reichweite

Das wohl größte Treffen der deutschen Instagram-Gemeinde wird diesmal in Frankfurt stattfinden, schätzen die Organisatoren, Kathi Schenk, Kirsten Michalski, Natanja Grün und Martin Widenka, die sich auf dem Profil „@igersfrankfurt“ zusammengefunden haben. Sie rechnen mit rund 80 Gästen vor Ort. Das klingt nicht übermäßig viel, doch die Reichweite dieser Nutzer im Internet treibt Social-Media-Experten durchaus Glanz in die Augen. Allein Martin Widenka hat 75.000 Follower, die die Bilder, welche er auf die Seite stellt, angezeigt bekommen. Die vier Organisatoren zusammen erreichen rund 150.000 Fotofans. Etwa 30 bis 40 der Leute, die zugesagt haben, aus Hamburg, München, Dresden, Köln oder Amsterdam nach Frankfurt zu kommen, hätten zudem Follower in der Größenordnung von 50.000 und mehr, sagen Kathi Schenk und Natanja Grün. Zugesagt haben soll auch der größte spanische Instagramer, dem weltweit sogar rund 700.000 Abonnenten folgen. Nimmt man diese potenziellen Gäste zusammen, dürften bis zu einer Million Menschen die Fotos aus Frankfurt auf ihren persönlichen Seiten vorfinden.

Neue Pilgerstätten

„Uns ist aber nicht nur die Reichweite wichtig. Wir wollen an diesem Tag auch einfach Leute zusammenbringen, die sich mit Frankfurt identifizieren“, betont die 38-jährige Lehrerin Kathi Schenk. Der Gemeinschaftsgedanke sei ein wichtiger Aspekt für ihr Engagement, sagen die Organisatorinnen. „Ich bin erst vor einem dreiviertel Jahr nach Frankfurt gezogen und habe alle meine Freunde über die Plattform gefunden“, berichtet Natanja Grün (27), die in Wiesbaden Media Design Management studiert und gerade ihre Masterarbeit über Instagram schreibt. Gemeinsam seien sie auch schon mehrfach in andere Städte wie Prag oder Amsterdam gereist und hätten sich diese von lokalen Instagramern zeigen lassen. „Wenn ich andere Städte besuche, nutze ich generell keinen Reiseführer mehr. Ich schaue mir die Fotos auf Instagram an und suche mir die interessantesten Orte und Insider-Tipps auf diese Weise“, berichtet Grün. Ähnlich würden es viele andere Instagramer machen. So können unbekanntere Orte zu wahren Pilgerstädten werden, wie in Frankfurt etwa „The Holy Cross Brewing Society“, eine kleine Kaffeebar am Ende der Fahrgasse, die mittlerweile zu den am meisten fotografierten Orten auf den Frankfurter Instagram-Seiten zählt.

Die Instagramerin Natanja Grün fotografiert im Anlagenring mit ihrem Smartphone inmitten von Narzissen, April 2016, © Foto: Salome Roessler
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Anderer Blickwinkel

Die unbekannteren Seiten der Stadt vorzustellen, das haben sich die „@igersfrankfurt“ generell zum Ziel gesetzt. Zum aktuellen Worldwide InstaMeet, der unter anderem in Dublin, Wladiwostok, im indonesischen Bezirk Kebumen oder auf Guadelupe begangen wird, sind in Frankfurt fünf Foto-Touren geplant, die durch die Stadt und bis zum Feldberg führen. Da der Tag parallel zum weltweiten „Earth-Day“ stattfindet, lautet das international geltende Motto, unter dem fotografiert wird, diesmal Natur, Erde. „Der Feldberg ist wegen seiner Felsen und dem Nadelwald, der im Nebel besonders schön wirkt, vielen Instagramern von Fotos bekannt, deshalb wollen sie ihn unbedingt sehen“, erläutert Kathi Schenk die Auswahl. Aber auch der Schlossplatz in Höchst mit seiner Fachwerkarchitektur steht auf dem Programm. Das hat allerdings mit einer klassischen Stadtführung wenig zu tun. Vorträge über den Dom oder den Römer seien nicht gefragt, die Instagramer seien ja keine Touristen, betont Schenk. „Natürlich zeigen wir auch ein paar klassische Sehenswürdigkeiten, aber den Fotografen genügen oftmals besondere Türen, eine interessante Hausfassade oder ein schönes Treppenhaus.“ Kräne im Osthafen, Brücken oder der Main ergeben weitere attraktive Fotomotive.

Für alle, die am Samstag noch nicht genug gesehen haben, lädt der Palmengarten am Sonntagmorgen zur kleinen Führung ein und zeigt seine besonderen Ecken. Das Kulturamt der Stadt stellt zudem für den Vorabend Karten für die „Nacht der Museen“ zur Verfügung. „Ich freue mich, dass viele Instagram-Nutzer an Frankfurt interessiert sind und am 23. April in die Stadt kommen. Ich bin mir sicher, dass sie uns unsere Stadt aus ganz neuen Blickwinkeln präsentieren werden. Bei denen, die sich bisher die Bilder nur im Internet anschauen, wird hoffentlich das Interesse geweckt, Frankfurt auch live kennenzulernen“, betont Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Die Instagramerin Natanja Grün fotografiert im Anlagenring mit ihrem Smartphone die Hochhäuser der Banken, April 2016, © Foto: Salome Roessler
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Potentielle Gäste

Die Tourismus und Congress GmbH der Stadt (TCF) unterstützt die Organisatoren. Durch ihre tägliche Arbeit mit internationalen Reisejournalisten verfügen die Tourismus-Experten über Erfahrung, wenn es darum geht, immer wieder neue Blickwinkel und Themen anzubieten, individuelle Besuchsprogramme zusammenzustellen oder ganz besondere Seiten Frankfurts aufzuzeigen. Daher halfen sie auch beim Ideensammeln für die Instagram-Besucher und stellten zudem ihre Kontakte zur Hotellerie zur Verfügung. Die Mainmetropole sei mit all ihren Kontrasten eine spannende Destination und eine optimale Location für das Event.

Die TCF wirbt unter „@visitfrankfurt“ seit einiger Zeit selbst auf Instagram. „Auch wenn die Plattform noch jung ist, sie ist im Kommen. Die Nutzer sind potentielle Gäste der Stadt“, begründet der Geschäftsführer der TCF, Thomas Feda, das Engagement. Instagram habe sich zu einem Bestandteil des Online-Marketings entwickelt und sei ein guter Kanal, um die Marktbekanntheit zu steigern, erläutert Martin Widenka. Der 33-Jährige ist Social-Media-Manager beim Tourismuskonzern Thomas Cook und gründete 2012 die Gruppe „@igersfrankfurt“. Neben Bloggern würden heute von Firmen auch Instagramer ausgewählt, die für das Marketing in den sozialen Netzwerken interessant sind und mit ihren Fotos als Vorbilder dienen.

Die Instagramerin Kathi Schenk fotografiert im Anlagenring mit ihrem Smartphone die Blüten eines Kirschbaums, April 2016, © Foto: Salome Roessler
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Eigene Szene

Selbst wenn die „Generation Selfie“ auf Instagram nach wie vor die größte Gruppe sein dürfte, ist die Bandbreite doch groß. „Zu unseren Treffen kommen 18-Jährige ebenso wie 45-Jährige, vom Schüler bis zum Arzt. Sie teilen alle das gleiche Hobby und verstehen sich“, sagt Widenka. Gegründet hatte er die „@igersfrankfurt“, weil er Frankfurt gegenüber anderen Städten wie Berlin, Hamburg oder dem Ruhrgebiet auf der Plattform für unterrepräsentiert hielt. Ihm und seinen Mitstreitern ist es mittlerweile gelungen, eine Instagram-Szene am Main zu etablieren, die sich regelmäßig außerhalb des Netzes trifft. Nun wollen sie Frankfurt bei den Followern noch bekannter machen: „Wir werden auf Instagram viel Buzz erzeugen. Frankfurt wird sehr präsent sein.“

Sabine Börchers