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04.11.2014

Erfolgreiche Prävention durch Drogenkonsumräume

Konsumraum, © Drogenreferat Stadt Frankfurt am Main
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(pia) Im Jahr 2013 wurden 191.729 Konsumvorgänge in den vier Frankfurter Drogenkonsumräumen von 4.465 verschiedenen Menschen durchgeführt.

Als Reaktion auf die sich ausbreitende HIV und Aidsproblematik und die untragbaren Bedingungen der offene Drogenszene in der Taunusanlage − mit bis zu 1.000 Abhängigen am Tag − wurde 1989 ein mobiler Spritzentausch in der Taunusanlage und in den Jahren darauf in Frankfurter Drogenhilfeeinrichtungen etabliert.

„Die Konsumräume haben nicht nur Frankfurts Stadtbild merklich verändert, sie schützen vor allem die Drogenabhängigen vor Krankheiten wie Aids oder Hepatitis, die durch unsauberes Besteck übertragen werden können. Nur wenn wir die Abhängigen mit ihrer Sucht akzeptieren, können wir sie auch erreichen und ihnen helfen, ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu lenken und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Denn darum geht es neben der Prävention vor allem“, sagt Stadtkämmerer Uwe Becker.

Die Stadt Frankfurt errichtete vor 20 Jahren, als Antwort auf die offene Drogenszene in der Taunusanlage mit bis zu 1.000 Abhängigen am Tag, den ersten Konsumraum in Deutschland. Das Modell erwies sich als erfolgreich, bis Ende 1996 kamen drei weitere Konsumräume mit insgesamt 37 Plätzen hinzu. In den Konsumräumen können bereits erworbene und mitgebrachte Drogen unter geschützten und hygienischen Bedingungen konsumiert werden. Die Konsumenten stammen sowohl aus Frankfurt als auch aus der Region. Der „Frankfurter Weg" ist seit Jahren drogenpolitisches Vorbild für viele Kommunen im In- und Ausland.

Viele Menschen haben in diesen Einrichtungen dank des niedrigschwelligen Angebotes ihren ersten Kontakt zur Drogenhilfe. In den vergangenen 20 Jahren ist der öffentliche Konsum auf der Straße dank der Konsumräume stark zurückgegangen. Rund 1,57 Millionen Euro erhalten die vier Konsumräume an Zuwendungen durch die Stadt Frankfurt.

Jährlich werden in Frankfurter Drogenhilfeeinrichtungen mehr als eine Millionen Spritzen getauscht. Der Spritzentausch bietet Menschen, die Drogen wie Heroin intravenös applizieren die Möglichkeit, alte Spritzen gegen neue saubere Spritzen zu tauschen. Die Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Hepatitis und HIV unter Drogenkonsumenten kann damit verringert werden, benutzte Spritzen werden nicht im öffentlichen Raum, sondern fachgerecht entsorgt.

Stadträtin Rosemarie Heilig, © Sandra Mann
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Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig spricht sich für die Fortsetzung und Weiterentwicklung des Frankfurter Weges aus: „Es hat durchaus Energie und erhebliche Überzeugungskraft bedurft, um in diesem Kontext ideologische Debatten zu überwinden. Allein auf repressive Antworten zu setzen, war und ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie mit falschen Versprechungen einer ungesteuerten Freigabe jeglichen Drogenkonsums das Wort zu reden. Mit unserem pragmatischen Ansatz zur konkreten Hilfe an Ort und Stelle werden Leben gerettet, Krankheiten vorgebeugt und zumindest in Teilen Abhängige aus dem Kreislauf von Konsum und Kriminalität herausgeholt. Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen im Bereich der Drogenpolitik wie synthetische Drogen, Medikamentenmissbrauch, veränderter Cannabiskonsum, Sucht und Alter und brauchen auch immer wieder neue Antworten. Verbote allein helfen nicht weiter.“

„Niemand soll von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, die Konsumräume sind hierfür ein wichtiger Baustein. Die Mitarbeiter der Drogenkonsumräume leisten eine bedeutende Arbeit für die Gesellschaft. Sie akzeptieren und wertschätzen die Konsumenten, bauen Vertrauen auf und schaffen es auch, einige zu einem Lebenswandel zu motivieren. Sie verhindern Überdosierungen und ihre schlimmen Folgen und vermitteln wichtige Kenntnisse zu den Risiken des Drogenkonsums“, hebt Stadtkämmerer Becker hervor.