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01.08.2014

Die Last mit den Liebesschlössern

Liebesschlösser am Eisernen Steg, Juni 2013, © Foto: PIA/Stefan Maurer
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Liebesbeweise am Geländer beeinflussen die Statik des Eisernen Stegs nicht

(pia) Kaum noch erkennbar sind an etlichen Stellen die ziselierten Geländer des Eisernen Stegs. Dicht an dicht hängen dort zu Hunderten, zu Tausenden so genannte Liebesschlösser. Gezählt hat sie bislang niemand, die Vorhängeschlösser, mitunter aus buntem Metall, in die Verliebte ihre Initialen oder Namen, gern auch mal ein für sie wichtiges Datum gravieren lassen, dieses an ein Brückengeländer ketten und den Schlüssel in den Main werfen – als Ausdruck immerwährender, unauflösbarer Zuneigung. Auch Liebesschwüre sind also Moden unterworfen. Ritzten früher Verliebte früher gern mal ihre Namen, umrahmt von einem Herz, in einen Baumstamm, liegt heute das sogenannte Liebesschloss im Trend.

Die genaue Herkunft des Brauchs ist unklar. Italien soll Ausgangspunkt des Brauchs in Europa sein, meldet das Internet-Lexikon Wikipedia. Bekannt gemacht wurde er demnach durch den Bestseller-Roman "Drei Meter über dem Himmel" (2005; Original: Tre metri sopra il cielo, 1992) beziehungsweise durch die Fortsetzung "Ich steh auf dich" (2007; ital. Ho voglia di te, 2006) von Federico Moccia und die Verfilmung des Stoffes. In dieser Geschichte schwören sich die beiden Protagonisten „ewige Liebe“, befestigen ein Schloss an der zentralen Brückenlaterne und werfen den Schlüssel in den Tiber. In Frankfurt landen die Schlüssel der Liebesschlösser im Main. Dass deren Anhäufung in der Fahrrinne für die Berufsschifffahrt ein Hindernis darstellen könnten, ist offenbar nicht zu befürchten. „Die meisten von ihnen dürften durch die Strömung des Flusses fort getrieben werden“, sagt dazu Heiko Kleinsteuber, Sprecher im für die Frankfurter Brücken zuständigen Verkehrsdezernat.

Liebesschlösser am Eisernen Steg, im Hintergrund die Skyline, Juni 2013, © Foto: PIA/Stefan Maurer
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Das Thema Liebesschlösser hat es unlängst gar in die Stadtverordnetenversammlung geschafft. Odette Barbosa de Lima, Stadtverordnete der Grünen, fragte an, ob dem Einsernen Steg womöglich Ähnliches drohe wie dem Pont des Arts in Paris, dessen Geländer Anfang Juni auf einer Länge von zweieinhalb Metern unter der Last von Liebesschlösser zusammengebrochen war. Entwarnung signalisiert in diesem Zusammenhang Verkehrsdezernent Stefan Majer: „Nachdem die Statik des Eisernen Stegs tagtäglich durch die ihn nutzenden Fußgänger ungleich höheren Belastungen ausgesetzt ist, als durch die dort angebrachten Liebeschlösser, steht nicht zu befürchten, dass der Eiserne Steg durch diese Schlösser ganz oder in Teilen zusammenbricht.“

Sollte sich die Notwendigkeit für Reparaturen oder sonstige Sanierungsarbeiten ergeben, müssten die solche Arbeiten behindernden Schlösser indessen entfernt werden. Majer: „Der Magistrat sichert in diesem Fall jedoch zu, die Schlösser nicht einer gegenwärtig lohnenden Altmetallverwertung zuzuführen sondern an einer angemessenen, der Öffentlichkeit zugänglichen Örtlichkeit zu deponieren.“ Eine Notwendigkeit diese bereits jetzt festzulegen, bestehe vor dem Hintergrund der „vertrauenerweckenden statischen Beschaffenheit des Eisernen Stegs“ gegenwärtig jedoch nicht.

Sylvia A. Menzdorf