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Alter Flugplatz: Natur und Wildnis

Der westliche Teil (Richtung Feldberg) des Alten Flugplatzes ist für die Natur reserviert. In diesem "Wilden Westen" darf eine echte Stadtwildnis entstehen. Schon jetzt sind deutliche Veränderungen zu beobachten, und in den nächsten Jahren wird sich noch mehr tun. Besucherinnen und Besucher können die Entwicklung "live" beobachten.

Der Alte Flugplatz ist übrigens der einzige Ort in Deutschland, an dem eine Entwicklung zur Wildnis ab der "Stunde Null" auch wissenschaftlich untersucht wird. Das Umweltamt beauftragte das Forschungsinstitut Senckenberg mit einer Langzeitstudie.

Erste Ergebnisse bestätigen, dass auch hier wie anderswo im Pionierstadium die Artenvielfalt am größten ist. 2004 wurden auf den Flächen insgesamt 125 Pflanzenarten gezählt. Wenn sich später die Gehölze durchsetzen und ihren Schatten werfen, wird diese Vielfalt wieder zurückgehen. Neu ist die Erkenntnis, dass sich die Natur besser auf den großen Schollen als auf dem feinkörnigen Schotter ausbreiten kann. Interessant am Alten Flugplatz ist, dass hier feuchte und trockene Lebensräume dicht neben einander liegen und somit auch die dazugehörenden Pflanzengesellschaften. Heimische und zugewanderte Arten haben die gleichen Chancen von Anfang an. Feuchte Standorte sind für heimische Arten besonders wichtig, trockene Standorte mögen die Exoten.

Heimische Wildnis bedeutet Urwald. Die Natur in Mitteleuropa strebt nach Bäumen. Das ist hierzulande das Ziel jeder natürlichen Entwicklung, wenn sie nicht gestört wird - auch auf einem Schotterfeld. Wo die Pflanzen zwischen den großen Schollen an die darunter liegende, nährstoffreiche Erde gelangen können und sich das Wasser zu Tümpeln sammelt, sind die Bedingungen ungleich besser als im nährstofflosen, trockenheißen Betonsand. Deshalb sind die Pioniere hier bereits recht groß. Birken, Pappeln und Weiden sind die Vorboten des künftigen Auewaldes.

Der Alte Flugplatz liegt im Landschaftsschutzgebiet, ebenso wie der gesamte GrünGürtel. Deshalb müssen manchmal die Bedürfnisse der Tiere besonders berücksichtigt werden. Während der Vogelbrutzeit (15. März bis 15. Juli) müssen Hunde im "Wilden Westen" des Alten Flugplatzes an der Leine geführt werden.

Pflanzen

Birken, Pappeln und Weiden wachsen schon auf den Schollenfeldern. Sie sind erste Vorboten des künftigen Auewaldes.

Bis der Wald kommt, blühen Weidenröschen, Königskerze und Nachtkerze auf den aufgebrochenen Asphaltflächen bei den ehemaligen Abstellplätzen, ebenso Wildrosen, Brombeeren und Weiden.

Das Kurzfrüchtige Weidenröschen wurde 1991 zum ersten Mal in Deutschland entdeckt. An den Schuhsohlen der Soldaten von Nordamerika mit eingereist, hatte sich der Samen auf amerikanischen Militärgeländen verbreitet. Seit 2005 ist das Weidenröschen auch auf dem Alten Flugplatz heimisch. Auf den mittelkörnigen Schotterfeldern.

Dort wächst auch das Kleine Tausendgüldenkraut. Das alte Heilkraut mit seinen rosa Blüten ist anspruchslos, braucht trockene sandige Böden und viel Sonne. Es blüht von Juni bis September. Es ist sehr selten und daher streng geschützt.

Die purpurfarbenen Ähren des Blutweiderich zeigen es von Juli bis September ganz deutlich an: Hier ist es feucht: auf der großen Wiese und zwischen den großen Schollen. Der Blutweiderich ist übrigens in Nordamerika eingewandert. Mit den deutschen Siedlertrecks.

Die Kanadische Goldrute wächst besonders gut links und rechts der Landebahn.

Tiere

In der feuchten Wiese nisten Bodenbrüter wie Rohrammer und Stockente.

In Frühjahr und Herbst ruhen sich Knäckenten, Flussuferläufer, Bekassine und Waldwasserläufer dort aus, sammeln Kräfte nach oder vor ihrem Flug nach Afrika. Über 90 Vogelarten wurden hier schon gesichtet, darunter viele seltene.

Besonders charakteristisch für den Alten Flugplatz sind jedoch die vielen Frösche, Kröten udn Molche, die in den feuchten Bereichen leben und im Frühjahr und Frühsommer ein beeindruckendes Froschkonzert veranstalten.

Auf der Kulturwiese bestäubt der seltene Dunkle Ameisenbläuling den großen Wiesenknopf.

Lebensräume

Kulturwiese: Seit Jahrhunderten wird sie von den Bauern gemäht, um das Heu an ihre Tiere zu verfüttern. Weder Kühe noch Pferde mögen Kot im Essen, deshalb bitte die Hunde fern halten.

Teich und feuchte Wiese: Feuchtwiesen sind in Deutschland rar, umso wichtiger ist dieser Neuzugang

Ehemalige Hubschrauberabstellplätze: Hier zwischen dem dunklen Bitumen wird es besonders heiß und trocken im Sommer, die Nischen sind wichtig für Buschbrüter.

Ehemalige Landebahn: Hier ist links und rechts vom Mittelstreifen der Beton entfernt. Der vorhandene Boden entspricht einer (steinigen) Ackerbrache.

Schollenfelder: Sortiert nach 7 Korngrößen ist hier das Aufbruchmaterial eingebaut.