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Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

Der Literaturpreis "Stadtschreiber von Bergen" wurde geschaffen, um die wachsende Gefährdung unseres kostbarsten Kulturgutes, unserer deutschen Sprache, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihr entgegenzuwirken. Dies geschieht am besten durch die Förderung dessen, der ernsthaft und verantwortlich um die Bewahrung und lebendige Weiterentwicklung unserer Sprache bemüht ist: des freien Schriftstellers.

Verbunden mit dem Preis sind der Wunsch und der Vorschlag, der Stadtschreiber möge während seiner "Amtszeit" in Bergen-Enkheim anwesend sein. Dies ist jedoch nur ein Wunsch und keinesfalls verpflichtend.
(Auszug aus der aktuellen Fassung der Richtlinien für den Literaturpreis "Stadtschreiber von Bergen")

Anja Kampmann, Schriftstellerin, © picture alliance/dpa-Zentralbild, Foto: Sebastian Willnow
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Die amtierende Stadtschreiberin: Anja Kampmann

"Anja Kampmann wurde 1983 in Hamburg geboren. 2016 erschien ihr Gedichtband „Proben von Stein und Licht“, 2018 dann ihr Roman „Wie hoch die Wasser steigen“, dem man anmerkt, dass sie als Lyrikern begonnen hat – es ist nicht einfach ein Roman, sondern auch ein großes Gedicht. Einerseits spielt es in einer gleißenden Gegenwart, andererseits in einer schwierig zu umreißenden, fernen Zeitlosigkeit. Waclaw, die Hauptfigur, arbeitet auf Bohrinseln im offenen Meer, bei globalen Konzernen, die die Bedingungen diktieren und die frühere Sklavenhaltergesellschaft nahtlos ins computergesteuerte und coole Selbstvermarktungs-Bussiness des 21. Jahrhunderts überführen. Nach dem Tod seines besten Freundes, den er bei dieser Arbeit kennengelernt hat, reist Waclaw zu verschiedenen Stationen, die alle etwas mit seinem Leben zu tun haben – doch wie wenig greifbar dieses Leben geworden ist, stellt sich im Lauf der Zeit heraus. Wie bei allen literarischen Texten, die nach der Lektüre noch im Kopf bleiben, kommt es nicht so sehr auf eine nacherzählbare Handlung an, sondern auf die Atmosphäre und die Worte, in denen und mit denen sie spielt. Und das Besondere ist, dass sich Waclaw wie eine phantasmagorische Gestalt bewegt, die etwas aus der Literaturgeschichte mit zu transportieren scheint."

(Begründung der Jury)

Den Stadtschreibern auf der Spur

Katja Lange-Müller (1989/1990)

Das „Literaturfest Niedersachsen“ steht in diesem Jahr unter dem Motto, „Mut“. Am 14. September findet um 17 Uhr eine Lesung im denkmalgeschützten Dorf Konau an der Elbe im ehemaligen Grenzsperrgebiet statt, unter dem Titel „leise, laut, verboten – Literaten in der DDR“. Katja Lange-Müller hat dafür Texte von DDR-Schriftstellern wie Wolfgang Hilbig, Durs Grünbein und anderen zusammengestellt, die von der Schauspielerin Annett Renneberg und Florian Lukas gelesen werden. Den musikalischen Rahmen gestaltet der Jazz-Percussionist und Drummer Günter Baby Sommer. (Aus dem Programm)

Wulf Kirsten (1999/2000)

Neuerscheinung:

Wulf Kirsten: Erdanziehung. – Frankfurt am Main: S. Fischer, 2019. 96 S.; geb. Ausg.; 22 Euro; ISBN-978-3103974294

Der Verlag schreibt dazu: „Wulf Kirstens Gedichte entziehen sich jeder Strömung, sie strömen selbst wie die Elbe durch das Gebirge und bahnen sich ihren Weg in das Empfinden der Leser, erzählen von der Sehnsucht, evozieren längst vergangene Kindheitstage, sind erdverbunden und haben zugleich Worte für die Leere, für die Stille, für die Gegenden, wo nur noch die Erinnerung haust und die Natur übernimmt.“

Peter Kurzeck (2000/2001)

„(…) Im August dieses Jahres erscheinen nun die ersten Kurzeck-Bände bei Schöffling. Es scheint, schaut man sich das Herbstprogramm des Verlags an, als sei die frühere Ausstattung beibehalten worden. Und, viel wichtiger, als stehe wie bei Stroemfeld die Werkpflege ganz oben auf der Agenda, nicht nur weil die Kurzeck-Herausgeber Rudi Deuble und Alexander Losse weiterhin an Bord sind. Schöffling hat auch den Lagerbestand von Stroemfeld übernommen, auf dass Kurzecks Bücher nicht auf den Ramschtischen landen. Veröffentlicht wird zunächst der bei Stroemfeld vergriffene Debütroman sowie „Als Gast“, der ebenfalls vergriffene zweite Teil des „Alten Jahrhunderts“. Und dann gibt es erstmals die 1984 ursprünglich für die Zeitschrift „Pflasterstrand“ geschriebene Erzählung über Frankfurts Bahnhofviertel als Buch und es erscheint der siebente Teil der Chronik, „Der vorige Sommer und der Sommer davor“.(…)“ (Tagesspiegel)

Wolfgang Hilbig (2001/2002)

Soeben erschienen:

Wolfgang Hilbig: Sphinx : Texte aus dem Nachlaß (edition wörtersee). – Leipzig: Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 2019. – 84 S.; geb. Ausg.. – 12 Euro; ISBN 978-3937799919

Der Band enthält phantastische Erzählungen und mehrere von Wolfgang Hilbig mindestens seit 1988 bearbeitete Fassungen des 2001 frappierend verändert erschienenen Textes "Die Zisterne". Das Buch ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verlags mit der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft. (Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft)

Ruth Schweikert (2015/2016)

Ruth Schweikert und ihr Mann, der Filmemacher Eric Bergkraut, drehen einen Film mit dem Titel „Wir Eltern“. Drehort ist die Wohnung der Familie und alle Familienmitglieder, außer Ruth Schweikert selbst, spielen mit. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt dazu:

„(…) Die voraussichtlichen Produktionskosten liegen bei 400 000 Franken. Das ist vergleichsweise wenig für einen einigermassen ambitionierten Langspielfilm, (…) Die Filmstiftung garantiert vier Fünftel des Budgets, den Rest müssen die Bewerber einbringen, und zwar ohne Einbezug von Bund und Fernsehen. Das Resultat ist nicht nur für die grosse Leinwand, sondern durchaus auch für ein grosses Publikum gedacht – also keineswegs bloss als Selbsttherapie: «Wir Eltern» treffe einen Nerv und vereine viel Professionalität, ist in den Projektunterlagen notiert. Dort wird auch der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass schon im nächsten Januar die Premiere gefeiert werden könne – an den Solothurner Filmtagen. Und Bergkraut scheut sich nicht, das Wort «Berlin» in den Mund zu nehmen. Es wäre nicht der erste Film von ihm, der es an die Berlinale schaffen würde. (…)“

Cover © Verlag
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Sherko Fatah (2016/2017)

Der Luchterhand-Verlag kündigt für September einen neuen Roman von Sherko Fatah an: „Schwarzer September“. Aus der Verlagswerbung: „Sherko Fatahs dokumentarische Romane sind ihrer Zeit voraus, auch wenn sie den Blick in die Vergangenheit richten. Sie spüren der Entstehung der Konflikte im Nahen Osten nach und zeigen ihre Auswirkungen, die wie Druckwellen auch das heutige Westeuropa erreichen.“

Archiv

Die nachfolgenden Einzelseiten zu den Stadtschreibern wurden nur während der Laufzeit des Stadtschreiberjahres aktualisiert. Für weiterführende Informationen verweisen wir auf die Wikipedia oder die Homepage der Autoren, falls vorhanden.