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Hirsch, Karl

Der aus Wehrheim im Kreis Usingen stammende Bäcker Karl Hirsch zog am 1.7.1915 von der Königsteiner Straße 3d kommend in die Emmerich-Josef-Str. 38 I und im Juni 1933 in die Dalbergstraße 2 a. Sein jüngerer Bruder Hugo Hirsch betrieb in Höchst einen Lebensmittelgroßhandel. Karl Hirsch hatte ursprünglich eine eigene Bäckerei.

Eine Höchsterin erinnerte sich, bei ihm in der Königsteiner Str. 3, Mazze gekauft zu haben. Den Bauantrag für das Haus Königssteiner Straße 3 stellte Karl Hirsch 1900. In einer Anzeige des Höchster Kreisblattes warb er für „Nikolause“ und „Weihnachtsgebäck“ für seine christliche Kundschaft. 1910 verkaufte er sein Geschäft an den christlichen Bäckermeister Keim. Danach betrieb er einen Papiergroßhandel, der sich lt. Adressbuch von 1925 in der Emmerich-Josef-Str. 12 (Papiergroßhandel, Kordel, Bindfaden Holzstreumehl) befand; im Boykotthandbuch der Nazis von 1934 ist als Adresse Bolongarostr. 117 und Dalbergstr. 2 verzeichnet. Der Antoniterhof bezieht 1934 noch Pappteller von Karl Hirsch.
Verheiratet war er mit Recha, geborene Bender, die jedoch bereits 1926 nach langer Krankheit mit nur 48 Jahren starb. Ihr Grab befindet sich auf dem Sodener Friedhof. Noch bis 1947 war hier für Karl Hirsch eine Doppelgrabstelle reserviert.
Das Ehepaar Hirsch war in der Höchster Jüdischen Gemeinde aktiv. Karl Hirsch gehörte 1930 dem Gemeindevorstand an. Seit 1911 war seine Frau Recha Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins Höchst. 1918 erhielt sie eine Medaille des Roten Kreuzes „in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste …auf dem Gebiet der Wohltätigkeit“.
Die Zerstörung der Synagoge und der letzten jüdischen Geschäfte am 10. November 1938 musste Karl Hirsch noch in Höchst erleben. Wenige Monate später, im März 1939, zog er zu seinem Bruder Hugo in die Lersnerstraße 39 im Frankfurter Nordend. Die Umzüge, die 1939 erfolgten, waren nicht immer freiwillig. Im Januar 1939 war der Mieterschutz für Juden gefallen; viele Hausbesitzer konnten so leicht ihrer jüdischen Mieter loswerden.
Im September 1939 wird sein Vermögen von Karl Hirsch, das knapp 5.000 Reichsmark umfasste, einer „Sicherungsanordnung“ der Devisenstelle unterstellt. Er durfte monatlich nur über 200 Reichsmark verfügen; davon unterstützte er noch Verwandte mit 20 RM. Sein „Vermögen“ war wohl schnell aufgebraucht, denn im November 1941 übernahm sein Bruder Hugo, der kurz darauf am 22.11.1941 nach Kaunas in Litauen verschleppt und dort ermordet wurde, die Krankenhauskosten.
Am 3. November 1942 teilte die Commerzbank der Oberfinanzdirektion mit, dass kein Barguthaben und keine Wertpapiere mehr vorhanden seien. Ein handschriftlicher Vermerk lässt möglicherweise darauf schließen, dass Karl Hirsch emigrieren wollte: „Si‘ordnung wegen Außenständen u. Schiffskarte bestehen lassen“ ist dort zu lesen.
Deutschland konnte Karl Hirsch, der inzwischen noch einmal umziehen musste, nicht mehr verlassen. Er flüchtete in den Tod (Suizid), vermutlich auch unter dem Eindruck, dass zwei Tage zuvor ein großer Transport Frankfurt mit dem Ziel Theresienstadt verlassen hatte. Der nächste Transport dorthin sollte am 15. September erfolgen.

Personen
Karl Hirsch
Geburtsdatum:6.7.1868
Todesdatum:3.9.1942 Flucht in den Tod
Stolperstein Dalbergstraße 2a Karl Hirsch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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