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Strauss, Julius

Julius Strauß wurde gemäß den Aufzeichnungen von Pfarrer Wessendorft am 11.9.1882 (nach denen seiner Enkelin Renate Krauss 1881) in Großkarben als Sohn des Metzgermeisters Meier Strauß und dessen Ehefrau Bettchen, geb. Stern, geboren. Er lebte seit dem 1.7. 1908 in Bergen und war dort nach Aussagen seiner Enkelin von 1926 bis 1933 Vorsitzender der Synagoge und der Stiftung zur Unterhaltung des Alten Friedhofs. Von Beruf war er Tuchwaren-Kaufmann. Er hatte seit 1908 ein Herrenbekleidungsgeschäft auf der Hauptstraße 140, heute Marktstraße 19. Seine Enkelin spricht von „Männer & Buben Konfektion“.

Am 23.6.1908 heiratete er Tilla Toni Ehrmann, die am 15.10.1883 in Bergen in der Steingasse (heute Röhrborngasse) 20 geborene Tochter des Metzgermeisters Hermann Ehrmann und dessen Ehefrau Fanny, geb. Hahn. Die Enkelin gibt das Hochzeitsdatum mit dem 8. Juni des gleichen Jahres an. Im 1. Weltkrieg verlor Julius Strauß in Verdun ein Auge und wurde 1916 mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse wegen Tapferkeit ausgezeichnet, weil er Kameraden aus seiner Kompanie das Leben gerettet hatte. 1934 wurde er gezwungen, sein Geschäft aufzulösen und zog im gleichen Jahr in die Gegend des Frankfurter Zoos. 1936 zog Julius Strauß nach Offenburg in Baden, zunächst in die Zeller Straße und schließlich in die Hildastraße 57a.

Julius Strauß hatte zwei Töchter, Ruth Juliana und Martha Fredericke. Ruth Juliana, verheiratete Haberer (1909-1952), ist die Mutter der noch lebenden Enkelin Renate Krauss. Martha Fredericke (Jg.1915), verheiratete Levi, lebt in Durban/Südafrika.

Julius Strauß wurde im Rahmen der so genannten Wagner-Bürckel-Aktion, der Deportation von über 6.000 Juden aus Baden und der Saarpfalz am 21. und 22. Oktober 1940, in das südfranzösische Internierungslager Gurs verschleppt. Seine Ehefrau und ihre Tochter sowie deren Ehemann konnten gerettet werden, weil der Schwiegersohn, der für die Résistance arbeitete, darauf bestand, dass seine Frau und seine Schwiegermutter wie er selbst das Lager Gurs heimlich verlassen konnten.

Julius Strauß selbst wurde nach Drancy und von dort am 4. März 1943 in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet. Für Julius Strauß wurde bereits ein Stolperstein in Offenburg vor seinem letzten Wohnsitz in der Hildastraße 57a verlegt. Seine Enkelin erfuhr davon erst im Nachhinein davon und legt großen Wert auf die Verlegung des Gedenksteins für ihren Großvater in Bergen, das sein Lebensmittelpunkt war und das er auf der Flucht vor den Nazis verlassen musste.

Personen
Julius Strauss
Geburtsdatum:11.9.1882
Deportation:22.10.1940 nach Gurs und Drancy, 4.3. 1943 nach Majdanek
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Marktstraße 19 Julius Strauss © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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