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Grynblatt, Benzijan und Tscharka

Benzijan, in den Unterlagen auch Benjamin, Grünblatt wurde in Warschau geboren und kam 1909 von dort nach Frankfurt. Am 13.12.1909 meldet er sich hier an. 1914, Adresse Mainstr. 18, meldet er sich in Frankfurt wieder ab, kehrt aber am 8.8.1917 von Bad Nauheim aus dorthin zurück. 1927 und 1932 ist er in der Seilerstraße 16 nachzuweisen. 1933 oder 1934 zieht er in die Uhlandstraße 50, 2. Stock. Nach einer Vermögensaufstellung aus den Entschädigungsakten muss es sich um eine Wohnung mit Wohnzimmer, Herrenzimmer, Schlafzimmer sowie Küche und Bad gehandelt haben. Als Beruf ist Kaufmann angegeben; er handelte nach Angaben der Tochter mit Kurzwaren. Ein Zeuge erinnerte sich, dass er als Kaufmann in der Kurzwarenbranche gearbeitet habe. Ab 1935 ist in den Adressbüchern „Privat.“ ausgewiesen, d.h. er konnte seine berufliche Tätigkeit wohl nicht weiterführen.

Tscharka (auch mit dem Namen Rivka sowie Regina genannt) Grünblatt wurde in Warschau geboren; nach der Übersetzung des Geburtsscheins der Tochter ist das Geburtsjahr möglicherweise 1865. Für sie sind keine Informationen über ihren Zuzug nach Frankfurt oder den Termin der Heirat mit Benzijan Grünblatt in den Unterlagen erhalten. Da die Tochter Faiga, auch Fella, Laja, jedoch bereits 1902 in Warschau geboren wurde und die Familie 1909 nach Frankfurt kam, muss die Heirat vor 1902 vermutlich in Warschau stattgefunden haben. Die Staatsbürgerschaft der Familie blieb polnisch.

Nach der Abschiebung der polnischen Juden am 27. bzw. 28. Oktober 1938 wohnten Benzijan und Tscherka Grünblatt zunächst wieder in Warschau. Aus dem Juni bzw. Juli 1939 sind Anträge auf Mitnahme von Umzugsgut (Wohnungseinrichtung) bzw. Handgepäck mit den vorgeschriebenen Verzeichnissen der einzelnen Gegenstände erhalten. Der Antrag auf Mitnahme des Handgepäcks vom 9.7.1939 ist von Benzijan Grünblatt selbst unterschrieben, sodass man vermuten kann, dass er zu dieser Zeit kurzzeitig nochmals in Frankfurt gewesen ist. Dafür sprechen auch die beiden Anträge: Beim Umzugsgut mit Datum 18.6. heißt es in der Zeile für die Anschrift: Frankfurt am Main, Uhlandstr. 50, jetzt Polen, und beim Handgepäck mit dem Datum 9.7.: z.Zt. in Frankfurt/M. sonst Polen.

Die Tochter hat nach der Ausweisung der Eltern für kurze Zeit noch mit ihnen korrespondiert, aber dann gab es keine Lebenszeichen mehr. Der später aus der Schweiz gestellte Antrag der Tochter auf Entschädigung für Schaden an Freiheit wurde positiv entschieden und mit dem gesetzlich geregelten Satz von DM 150,-- je vollem Monat vergütet.

Personen
Tscharka Grynblatt, geb. Lindner
Geburtsdatum:12.4.1876
Deportation:28.10.1938 nach Bentschen
Todesdatum:unbekannt
Benzijan Grynblatt
Geburtsdatum:10.9.1866
Deportation:28.10.1938 nach Bentschen
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Uhlandstraße 50, Benzijan Grynblatt © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Uhlandstraße 50, Tscharka Grynblatt © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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