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Strauss, Robert und Babette

Babette/Babetha, genannt Betty, Strauss aus Thüngen in Unterfranken war die Tochter von Israel Vorchheimer und Sophie, geb. Stein, und mit Kaufmann Robert Strauss aus Wiesbaden verheiratet. Dieser war der Sohn des Pferdehändlers Israel Strauss und Henriette, geborene Rosenthal. Robert und Babetha Strauss hatten zwei in Frankfurt am Main geborene Töchter: Else (25. 10.1910 - 20.6.1949) und Susi (geb. 4.1.1921). Else, die am 24.7.1936 Kurt Rosenfeld heiratete, gelang 1939 die Flucht in das US-amerikanische Exil. Dorthin emigrierte auch ihr Mann. Susi lebte nach 1945 ebenfalls in den USA und heiratete Ralf Erlanger, einen Deutschen. Nach Aussage ihrer Cousine Therese Goldsmith ist sie in Cleveland, USA, verstorben. Sie hatte zwei Kinder: Philip lebt heute in Hongkong und Sandra in Cleveland. Diese hat noch Kontakt zu Therese Goldsmith.

Robert Strauss erlernte den Beruf eines Kaufmanns. Er und sein vier Jahre jüngerer Bruder Isidor arbeiteten jahrelang im Großhandelsgeschäft ihres Schwagers „S. Grünebaum, Papierhandlung, Geschäftsbücher, Drucksachen, Schreibmaschinen“, Kaiserstraße 56/Ecke Elbestraße. Nach dem Tod ihres Schwagers Simon Grünebaum - er starb an Tuberkulose - kauften Robert und Isidor im Jahr 1900 diese Firma von ihrer Schwester Lina, der Witwe von Simon Grünbaum, und führten sie gemeinsam erfolgreich weiter.

Im Zuge der „Arisierung“ von Unternehmen verkauften Robert und Isidor am 29.8.1938 ihr Geschäft an die Firma „G. Schneider & Söhne KG“, Frankfurt am Main, mit der Zentrale in Ettlingen. Der Betrieb wurde am 10.3.1939 gewerbesteuerlich abgemeldet und die Firma am 30.3.1939 im Handelsregister gelöscht. Robert und Isidor Strauss erhielten eine Ablösung in Höhe von 8.489,92 Reichsmark für das Warenlager und das Geschäft. Beide waren seitdem arbeitslos. Während die beiden arischen Angestellten Gustav Zech und Willi Ruhe von der Firma „G. Schneider und Söhne KG“ übernommen wurden, teilte der jüdische Angestellte Paul Stern das Schicksal seiner Chefs.

In einem Brief an die Devisenstelle S in Frankfurt am Main vom 18.9.1939 schrieb Robert Strauss: „Jetzt arbeite ich ausschließlich ehrenamtlich als Mitglied des Vorstands der Jüdischen Gemeinde, hier & in der Wohlfahrtspflege (...), ich bin ferner Vorsitzender der A.M. von Rothschild´schen Armenstiftung sowie Mitglied des Vorstands der früheren Isr. Kuranstalt in Bad Soden a./T.“

Sein Schwager und zweiter Ehemann seiner Schwester Lisa, Daniel Worms, hatte die Isr. Kuranstalt in Bad Soden a./T. gegründet. Robert und Isidor waren Mitglied der Frankfurter Loge „Bnei Brith“, Robert einige Jahre ihr Präsident. Auch Isidor war ehrenamtlich tätig. Er arbeitete im Vorstand der Israelitischen Männer- & Frauenkrankenkasse.

Nach dem Verkauf ihres Geschäftes planten Robert und Isidor für sich und ihre Familien die Emigration über Großbritannien in die USA. Die Eheleute Robert und Babetha Strauss zahlten „Judenvermögensabgaben“ in Höhe von mindestens 6.169 Reichsmark, zusätzlich für die Emigration einer Tochter „Auswanderungsabgaben“ und „Dego-Abgaben“ von mindestens 2.477,48 Reichsmark sowie für einen „Heimeinkaufsvertrag“ 29.423 Reichsmark.

Mit solchen Heimeinkaufsverträgen wurde den Juden von den Nationalsozialisten vorgegaukelt, sie finanzierten damit ihren Lebensabend in einem Altersheim in Theresienstadt. Nach diesen Zahlungen an den NS-Staat belief sich das Vermögen von Robert und Babetha Strauss lt. Devisenakte am 3. Mai 1940 noch auf 4.198 Reichsmark.

Isidor Strauss, geb. am 1.7. 1879 in Wiesbaden, und seine Ehefrau Rosa, geb. Gottschall, emigrierten am 27.8.1939 über Emmerich, Holland, nach London. Ihre beiden Kinder Hilde Henriette und Max Adolf waren bereits vorher am 28.12.1938 bzw. am 28.2.1939 nach London emigriert. Isidor Strauss verstarb wenige Wochen später am 28.12.1939 in London. Rosa und ihre beiden Kinder wanderten Ende August 1940 in die USA aus. Hilde Henriette verstarb im hohen Alter vor einigen Jahren. Max Adolf lebt heute in einem Altersheim in Cleveland.

Nachdem Robert Strauss vermutlich von Oktober 1910 bis 18.10.1934 im Bäckerweg 30 gewohnt hatte, musste er mit seiner Familie aufgrund der von den Nationalsozialisten erzwungenen wirtschaftlichen Lage mehrmals umziehen, zunächst in die Humboldtstr. 7; dann 1937 in die Eschenheimer Anlage 19a und von dort 1939 bis 1940 oder 1941 in die Beethovenstr. 21; dazwischen müssen sie in der Bockenheimer Landstraße gewohnt haben. Vom 5.11.1941 bis 20.11.1941 war er in der Hochstr. 32 Untermieter bei Löb; dann bis März 1942 Grüne Straße 30 und schließlich bis zu ihrer Deportation in der Kronberger Straße 10.

Personen
Babette Strauss, geb. Vorchheimer
Geburtsdatum:21.6.1888
Deportation:15.9.1942 nach Theresienstadt und 1943 nach Auschwitz
Todesdatum:unbekannt
Robert Strauss
Geburtsdatum:21.1.1875
Deportation:15.9.1942 nach Theresienstadt
Todesdatum:26.9.1942

Quelle

Therese Goldsmith, geb. Hirsch, Großnichte von Robert Strauss

Stolperstein Bäckerweg 30 - Babette Strauß © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Bäckerweg 30 - Robert Strauß © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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