Logo FRANKFURT.de

Gross, Gertrud

Gertrud Gross wurde in Frankfurt am Main geboren. Ihr Vater Robert Schickl, geboren am 23. Februar 1885, stammt aus Brüx, heute Most in der Tschechischen Republik, damals zur Donaumonarchie Österreich-Ungarn gehörend. Er war jüdisch und von Beruf Kaufmann. Die Frankfurter Meldekartei („Nullkartei“) nennt als Beruf auch „Gewerblich Reisender“. Er hielt sich in den Jahren von 1910 bis 1918 an mehreren Orten in Deutschland auf, darunter auch mehrfach in Frankfurt am Main. Am 17.10.1918 zog er in das Haus Wittelsbacher Allee 100. Hier wohnte Anna Emma Binder, geboren am 14. April 1894 in Karlsruhe. Auch sie war Jüdin. Beide heirateten am 16. Oktober 1918 in Frankfurt am Main.

Gertrud wurde mit sechs Jahren eingeschult. Der Name der Schule geht aus den Akten nicht hervor. Danach besuchte sie vier Jahre von 1929 bis 1933 die Brüder-Grimm-Schule. Sie verließ diese Schule nach der 8. Klasse. Die Lehrer hatten den Eltern nahegelegt, sie von der Schule zu nehmen, weil sie als Jüdin von den anderen Kindern verspottet und verfolgt wurde.

Ihren Ausbildungswunsch Dolmetscherin konnte sie als Jüdin nicht verwirklichen. Sie begann in einem Hutsalon eine Ausbildung zur Modistin. Da der Besitzer Gutmann Jude war und sein Geschäft arisiert wurde, musste sie die Ausbildung abbrechen. Ihr Vater Robert Schickl wurde arbeitslos. Und so beschloss die Familie im März 1937 nach Prag zu emigrieren. Ohne Schul- und Ausbildungsabschluss konnte Gertrud nur als Dienstmädchen arbeiten. Bei einem Besuch in Preßburg, heute Bratislava in der Slowakei, lernte sie Hugo Gross, ebenfalls Jude, kennen. Beide heirateten und zogen nach Sillein, heute Zilina in der Slowakei. Im Juli 1942 werden sie und ihr Mann deportiert. Die dortigen Ämter bestätigen am 8. August 1947 die Deportation an einen unbekannten Ort.
Gertruds Name fehlt auf der „Wand der Namen“ der Frankfurter Gedenkstätte für die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Robert und Emma Schickl überleben den Holocaust und leben nach dem Krieg in Rastatt/Baden. Robert Schickl stirbt am 16. April 1947. Emma Schickl stellt am 27. Mai 1959 einen Entschädigungsantrag, der am 4. September 1962 von der Entschädigungsbehörde abgelehnt wird.

Personen
Gertrud Gross, geb. Schickl
Geburtsdatum:25.10.1918
Deportation:Juli 1942 von Zilina/Slowakei
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Wittelsbacher Allee 100 Gertrud Gross<br />
© Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
Dieses Bild vergrößern.