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Mainzer, Moritz, Sofie und Irene

Dr. Moritz Mainzer wurde in Lorsch am Rhein geboren, besuchte das Rabbiner-Seminar in Würzburg, promovierte im Fach Philosophie und arbeitete als Lehrer und Rabbiner bei der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Seine Frau Sophie Mainzer, geborene Kahn, stammte aus Hollenbach (Württemberg). Sie hatten drei Töchter: Helene, geboren am 4. Januar 1923, Irene und Rose, geboren am 1. Februar 1928. Alle drei Töchter wurden in Frankfurt am Main geboren.

Moritz Mainzer wurde am Tag vor dem November-Pogrom 1938 auf der Straße verhaftet. Rose, damals 10 Jahre alt, war bei ihm. Als er nach drei Tagen Haft nach Hause zurückkehrte, war er sehr krank. Am 12. November morgens um 5.00 Uhr kamen vier SS-Leute in Uniform, um ihn erneut zu verhaften. Die SS-Leute zerschlugen alle Möbel, das Kristall und Antiquitäten. Sie nahmen alles Geld, die Uhren und wertvolle Bücher mit. Moritz Mainzer bekam durch die Aufregung und Angst einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er eine Woche später im Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt am Main verstarb. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in der Eckenheimer Landstraße 238.

Die Familie zog dann von der Rhönstraße 2 in die Quinckestraße 4 (heute Königswarterstraße) um. Da sie keine Möglichkeit mehr sahen, in Deutschland zu leben, stellte Sophie Mainzer mehrere Ausreiseanträge für sich und ihre Töchter in die USA. und nach Kuba. Sie besaß bereits Schiffskarten nach Kuba, die sie aber nicht nutzen konnte. Gründe gehen aus der Entschädigungsakte nicht hervor. Es gelang ihr, zwei ihrer Töchter in Sicherheit zu bringen. Die älteste Tochter Helene emigrierte im April 1939 in die USA, im Juni 1939 gelangte Rose mit einem Kindertransport nach Leeds in England. Nach sieben Jahren emigrierte auch sie in die USA. Die Nachforschungen nach Helene und Rose in New York blieben erfolglos. So ist nicht bekannt, ob sie noch leben und ob es noch lebende Nachkommen gibt.

Irene besuchte von 1930 bis Ostern 1934 die Dahlmannschule. Von Ostern 1934 bis Anfang 1939 (einschließlich Obertertia) besuchte sie das Lyzeum des Philanthropin. Das Philanthropin in Frankfurt am Main musste den Schulbetrieb am 31. März 1939 einstellen. Irene kam in ein Arbeitslager. Zuletzt wohnten Mutter und Tochter Irene in der Fürstenbergerstraße 141. Das Hausstandsbuch für die Fürstenbergerstraße 141 weist einen Aufenthalt Irenes in Berlin aus.

Unablässig suchte Sophie Mainzer nach Möglichkeiten, ihre Tochter Irene und sich in Sicherheit zu bringen. Die Entschädigungsakte zeigt, wie sie sich und Irene in den USA ernähren wollte. So sind eine Reihe von Rechnungen der Firma Lorey enthalten. Sophie hatte den Plan, einen Mittags- und Abendtisch anzubieten. Dazu brauchte sie Geschirr. Diese Waren konnte sie aber nicht im Geschäft bezahlen, da das Vermögen aller Juden durch ein Gesetz vom 12. Dezember 1938 sicher gestellt worden war. Kleinere Beträge wurden auf Antrag von Finanzbeamten freigegeben. Sophie hatte ihre Möbel bei einem Spediteur untergestellt. Alle Anstrengungen blieben erfolglos. Mutter und Tochter wurden mit der dritten großen Deportation aus Frankfurt nach Kaunas in Litauen verschleppt.

Personen
Irene Mainzer
Geburtsdatum:2.12.1924
Deportation:22.11.1941 nach Kaunas
Todesdatum:25.11.1941
Moritz Mainzer
Geburtsdatum:10.12.1887
Deportation:Verhaftung 12. November 1938
Todesdatum:29.11.1938
Sofie Mainzer, geb. Kahn
Geburtsdatum:28.4.1889
Deportation:22.11.1941 nach Kaunas
Todesdatum:25.11.1941
Stolperstein Rhönstraße 2 Sophie Mainzer © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Rhönstraße 2 Irene Mainzer © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Rhönstraße 2 Moritz Mainzer © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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