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Altmann, Erich

Erich A. Altmann wurde als jüngstes von vier Geschwistern in Höchst geboren und evangelisch getauft. Seine Eltern, Martha Elisabeth Altmann geb. Helwig und Johannes Andreas Altmann kamen aus Hersfeld-Rotenburg und dem Schwalm-Eder-Kreis nach Sindlingen, um den ärmlichen ländlichen Verhältnissen zu entfliehen. Sie waren vorher Tagelöhner und fanden bei der „Rotfabrik“ (Farbwerke Hoechst) verlässliche Arbeitsbedingungen. Dafür waren sie dankbar und dem Arbeitgeber sowie der Obrigkeit verpflichtet, was auch ein Regime, wie das der Nationalsozialisten, einschloss.

Wie seine Geschwister Wilhelm, Christine und Elisabeth besuchte Erich A. die Meisterschule in Sindlingen und begann danach eine Lehre als Autoschlosser in Höchst, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Wegen „Arbeitsvertragsbruch“ wurde der 28jährige Erich Altmann verhaftet und kam vom 22. Juli bis 15. September 1942 in das Arbeits- und Erziehungslager Heddernheim. Nach Angaben seiner Schwester Christine war Erich Sozialist und weigerte sich auf seiner Arbeitsstelle Autos der zur Reparatur gegebenen örtlich bekannten Nationalsozialisten zu reparieren, bzw. verzögerte absichtlich diese Reparaturen. Laut den Unterlagen des KZ Buchenwald gehörte er keiner Partei an.

Der Aufenthalt im Arbeits- und Erziehungslager hatte an seiner Gesinnung und seiner Widerständigkeit nichts geändert. Bis 1943 war er bei einer Kraftfahrerkolonne der Wehrmacht, wie aus einer Unterlage des KZ Sachsenhausen hervorgeht. Danach muss er wieder in Sindlingen gewesen sein. Er wurde erneut gesucht und hatte sich im Haus seiner Eltern auf dem Dachboden versteckt. Als die SS das Haus durchsuchen wollte, verweigerte seine Schwester Christine Helle, geb. Altmann, mit ihrer Tochter Gisela auf dem Arm, den Männern den Zutritt. Sie wollte ihren kleinen Bruder schützen. Am 29. Mai 1944 wurde er, wie die Großnichte von ihrer Oma Christine hörte, aufgrund einer Denunziation dennoch verhaftet; wieder wurde ihm „Arbeitsbummelei“ und zusätzlich „abträgliche Äußerungen“ gegen das NS-Regime vorgeworfen. Erich Altmann kam in das Polizeigefängnis in Frankfurt. Hier besuchte ihn seine Schwester Christine und sah ihn zum letzten Mal. Sein Gesicht sei von Schlägen entstellt gewesen und er habe sie angefleht, ihn aus dem Gefängnis zu holen. Dieser Besuch hat sie traumatisiert. Sie war mit einem Wehrmachtsangehörigen verheiratet, für den dieser Schwager eine Schande für die Familie war.

Nach etwa fünfeinhalb Monaten kam Erich Altmann am 13. Oktober 1944 in das KZ Sachsenhausen (Häftlingsnummer107532). Von dort wurde er elf Tage später, am 27. November 1944, in das KZ Buchenwald (Häftlingsnummer 98318) überstellt. Er galt als politischer „Schutzhäftling“ und musste einen roten Winkel an der Gefängniskleidung tragen.

In Buchenwald starb Erich Altmann laut Häftlingspersonalkarte aus Buchenwald an „Herzinnenwandentzündung bei Lungentuberkulose“. Von Herbert Holzmann, einem Höchster, der als 17-Jähriger im Rahmen des Novemberpogroms 1938 nach Buchenwald verschleppt wurde, wissen wir, dass in Buchenwald auch medizinische Versuche durchgeführt und Tuberkulinbakterien gespritzt wurden; er hatte sein Leben lang unter dieser Krankheit zu leiden. Erich Altmanns Asche wurde an die Familie geschickt.

Personen
Erich Andreas Altmann
Geburtsdatum:10.8.1916
Deportation:Mai 1944 Sachsenhausen, Buchenwald
Todesdatum:24.2.1945
Stolperstein Küferstraße 3 Erich Altmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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