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Ackermann, Bella

Bella Ackermann wurde in Rülzheim in der Pfalz geboren und war mit dem jüdischen Lehrer und Kantor Simon Ackermann verheiratet, der am 12. April 1930 starb. Das Ehepaar wohnte in Salzwedel und hatte vier Kinder, die Töchter Caroline und Alice sowie die Söhne Sally und Kurt, die beide im Bankhaus Herman Bacharach in Salzwedel als Bankbeamte tätig waren. Sally starb 1933 im Alter von 26 Jahren. Nach dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes Sally wohnte Bella Ackermann weiterhin in ihrem Haus. 1931 war dort auch die Tochter Alice als „vorübergehend wohnend“ registriert. Alice war verheiratet mit Hugo Feibelmann, der in die Schweiz emigrierte. Alice und ihr 1932 geborener Sohn Hans emigrierten nach Paris. Sie wurden dort bei der Velodrome Action am 16. Juli 1942 festgenommen und am 3. August 1942 über Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Bella Ackermann stand unter Druck das Haus zu verkaufen und zog am 15. Juni 1937 nach Frankfurt am Main in das Rothschild’sche Altenheim in der Zeil 92, wo sie bis zum 31. Juli 1941 wohnte. Der Verkauf ihrer Liegenschaft in Salzwedel wird am 16. Dezember 1938 dokumentiert. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete Bella Ackermann im Rothschild’schen Altenheim. Von März bis Oktober 1941 absolvierte sie einen Kochkurs und einen Konditorlehrgang, um sich für ein Leben in der Emigration vorzubereiten. Sie bat deshalb die Devisenstelle am 28. Dezember 1940 um 100 RM, die sie für einen Kochkurs im Rothschild’schen Altenheim bezahlen musste. Bereits am 1. Juni 1939 hatte Bella Ackermann die Devisenstelle um eine monatliche Überweisung aus ihrem eigenen Vermögen von RM 500 gebeten, da sie als Diabetikerin vermehrt Medikamente benötigte.

Am 1. August 1941 zog Bella Ackermann in die Humboldtstraße 7, in ein so genanntes „Judenhaus“, in dem antisemitisch Verfolgte vor ihrer Deportation aus Frankfurt zwangsweise konzentriert wurden. Am 3.10.1941 erstellte sie für die geplante Emigration ein Umzugsverzeichnis, am 22.10.1941 wurde von der Jüdischen Gemeinde die Abgabe von zwei Koffern bestätigt. Bella Ackermann wollte im November 1941 von Berlin über Lissabon in das Exil nach Kuba emigrieren. Sie reiste nach Berlin, jedoch scheiterte dort ihre Emigration und sie musste nach Frankfurt zurückkehren. Am 28. Juli 1942 wurde ihr eine „Devisenstrafsache“ zugeschickt, da sie auf ihrer Reise in die Emigration in ihrem Handgepäck zwei ihrer silbernen Kaffeelöffel und Wolle zum Stricken für unterwegs dabei hatte, die als „bezugsscheinpflichtig“ galten. Diese waren allerdings nicht im Umzugsverzeichnis vermerkt.

Bella Ackermanns Tochter Caroline wohnte mit Mann Ernest Levy und ihrem Sohn Werner (später Leon) in der Ostendstraße 24 in Frankfurt. Der Familie Levy und Kurt Ackermann gelang die Emigration in die USA im August 1937.

Der Stolperstein wurde initiiert von Leon Levy, Enkel von Bella Ackermann.

Personen
Bella Ackermann, geb. Cahn
Geburtsdatum:16.12.1870
Deportation:15.9.1942 Theresienstadt
Todesdatum:24.2.1944
Stolperstein Zeil 92 Bella Ackermann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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