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Adam, Zilla Kathinka und Heribert

Kathinka Adam wurde in Frankfurt-Höchst geboren. Sie war seit 1910 mit dem aus einer katholischen Familie in Höchst stammenden Karl Rudolf Adam verheiratet. Das Ehepaar lebte bis 1934 im tschechischen Brünn, wo auch ihr einziges Kind, der Sohn Heribert geboren wurde. Heribert Adam wurde katholisch getauft und ging 1920 in Brünn zur Kommunion. Er besuchte nach der Volksschule das Realgymnasium und studierte zwischen 1927 und 1928 an der Deutschen Staats-Lehranstalt für Textil-Industrie, Abt. Chemie in Brünn. Nach der Schule arbeitete er ein Dreivierteljahr in der Brünner Niederlassung der Baseler Chemischen Fabrik Sandoz, wo sein Vater Generaldirektor war, danach im Textilunternehmen seines Vaters in Brünn. Im August 1934 erlitt Heribert dort einen Arbeitsunfall und verlor dabei einen Arm.

Kathinka und Karl Adam, 1927
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Als sich Karl Adam zur Regelung von Grundstücksangelegenheiten im Dezember 1934 in Frankfurt aufhielt, entzogen ihm die dortigen Behörden den Pass, sodass er nicht mehr in die Tschechoslowakei zurückkehren konnte. Er ließ deshalb die Familie nach Frankfurt nachkommen und mietete die Wohnung in der Myliusstraße 44. Nach der Nazi-Gesetzgebung galt Kathinka nun als „Volljüdin“, ihre Ehe als „privilegierte Mischehe“ und der Sohn Heribert als „Halbjude“.

Die Familie lebte mangels Erwerbsmöglichkeiten vorerst von Ersparnissen und der Veräußerung von Vermögenswerten. Wegen seiner Alkohol- und Tablettenabhängigkeit machte Heribert Adam von April bis August 1936 eine Entziehungskur im Kamillushaus Essen-Heidhausen. Anschließend zog er nach Wien und wohnte dort bis Januar 1937. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt bezog er eine Wohnung in der Feldbergstraße 29. Am 4. März 1937 wurde er wegen seiner Drogenprobleme in die Universitätsnervenklinik in Frankfurt-Niederrad eingewiesen und von dort in die Landesheilanstalt in Weilmünster im Taunus, wo er bis September 1937 eine Entziehungskur machte.

Heribert mit Kusinen, 1927
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Im Anschluss daran zog Heribert wieder zurück zu den Eltern in die Myliusstraße. In demselben Jahr gründete er ein Unternehmen zur Herstellung von Hilfsprodukten für Eisenwerke, das auf den„arischen“ Namen seines Vaters „Karl Adam-Gießerei-Chemie“ angemeldet wurde. Der Kopf der Firma, der die chemischen Rezepturen entwickelte, war Heribert. Im Juli 1938 fuhr er nach Brünn, wo er bis September vermutlich bei Freunden wohnte. Beim anschließendem Aufenthalt in Dresden wurde er am 16. September 1938 von der Staatspolizeileitstelle Dresden Abt. III in das dortige Städtische Krankenhaus in der Löbtauer Straße eingeliefert und am 26. September von dort zu seinen Eltern entlassen.

Heribert Adam wird in der Kartei der Frankfurter Gestapo als „Halbjude“ geführt. Laut Eintrag vom 11. Oktober 1938 wird er der Spionage zugunsten der Tschechoslowakei verdächtigt.

Am 13. Januar 1939 wurde Heribert Adam wegen angeblichen Landesverrats verhaftet und war bis 16. Oktober 1939 in der Straf- und Untersuchungshaftanstalt Frankfurt Hammelsgasse inhaftiert. Am 20. Oktober wurde er zu zwei Jahren Gefängnis wegen „Landesverrats“ verurteilt. Vom 28. Oktober 1939 bis 20. Juni 1941 verbüßte er seine Strafe im Strafgefängnis Preungesheim. Danach wurde er sofort der Gestapo Frankfurt überstellt und ins Polizeigefängnis Frankfurt eingeliefert. Am 24. Juni 1941 stellte die Gestapo Frankfurt einen Antrag auf „Unterbringung in ein KZL für die Kriegsdauer.“ Vom 17. Juli 1941 bis 21. Mai 1942 wurde Heribert Adam zuerst in der Straf- und Untersuchungshaftanstalt Hammelsgasse und danach bis 18. November 1942 wieder in Frankfurt-Preungesheim inhaftiert, diesmal wegen „Bestechung.“ Die Gestapo Frankfurt nahm ihn sofort in „Schutzhaft“ und „überführte ihn in das Konzentrationslager Buchenwald. Heribert Adam starb im Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz. Nach Zeugenaussagen soll er am 12. März 1943 noch gelebt haben.

Auch Kathinka Adam hatte eine Karteikarte bei der Frankfurter Gestapo, auf der im Oktober 1938 vermerkt wurde, sie sei „Jüdin“ und habe sich von 1908 bis 1934 in der Tschechoslowakei aufgehalten. Im Oktober 1938 ließ Kathinka Adam ihren Vornamen in Zilla ändern. Da „Zilla“ zu den für Jüdinnen erlaubten Vornamen gehörte, war sie von dem Zwangsnamen „Sara“ befreit.

Heribert Adam mit Eltern und Großmutter
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Im Januar 1943, kurz nachdem ihr Sohn aus Frankfurt ins KZ Buchenwald verschleppt worden war, wurde sie bei der Geheimen Staatspolizei zur „Erörterung“ vorgeladen. Dort wurde sie körperlich so stark misshandelt, dass sie am 25. Februar 1943 in Frankfurt an den Folgen starb. Laut anderen Hinweisen schied Kathinka Adam durch Freitod aus dem Leben. Die Beerdigung auf dem Neuen Jüdischen Friedhof, Eckenheimer Landstraße, fand laut Sterbebuch (183) am 1. März 1943statt (Grab 8 D 28). Nach dem Krieg gab Karl Adam an, dass aus der Familie seiner Frau 15 Personen Opfer des Holocaust wurden.

Personen
Zilla Kathinka Adam
Geburtsdatum:23.6.1883
Deportation:Haft: Januar 1943
Todesdatum:25.2.1943
Heribert Adam
Geburtsdatum:12.7.1912
Deportation:Haft: 1939 Kassel, Deportation: 1943 Buchenwald, Auschwitz
Todesdatum:17.1.1943
Stolperstein Myliusstraße 44 Kathinka Adam © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Myliusstraße 44 Heribert Adam © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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