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Caspari, Wilhelm, Gertrud, Ernst, Friedrich, Irene und Max

Wilhelm Caspari
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Wilhelm Caspari heiratete Gertrud Gerschel in Berlin. Der Krebsforscher erhielt eine Anstellung am Staatlichen Institut für Experimentelle Therapie (heute Paul-Ehrlich-Institut) und siedelte 1920 nach Frankfurt über. Wilhelm Caspari war von mosaischer Religion und konvertierte später zum Protestantismus. Die Familie hatte vier Kinder: Ernst, Friedrich, Irene und Max. Die Kinder wurden alle in Frankfurt protestantisch getauft.

Familie Caspari musste nach der Machtergreifung ihre Wohnung in der Bockenheimer Landstraße 99 räumen und in die Savignystraße 55 umziehen. Anfang Oktober 1941 mussten Wilhelm und Gertrud Caspari in ein „Judenhaus“ in der Niedenau 49 einziehen.

Den vier Kindern der Familie Caspari gelang die Flucht durch Auswanderung in die USA oder nach England. Wilhelm und Gertrud Caspari wurden am 19. Oktober 1941 bei der ersten großen Deportation aus Frankfurt in das Getto Lodz (Litzmannstadt) verschleppt. Der älteste Sohn Ernst hatte sich in den USA lange um Visa für seine Eltern bemüht, scheiterte aber an der Bürokratie und den Kriegsereignissen. Die Einreisedokumente erreichten Frankfurt zwei Tage zu spät.

Wilhelm Caspari studierte Medizin in Freiburg und Berlin, legte 1895 das Staatsexamen ab und promovierte noch im gleichen Jahr. Nach kurzer praktischer Tätigkeit, unter anderem im Krankenhaus Moabit, entschied sich Wilhelm Caspari für die wissenschaftliche Laufbahn. Er nahm 1897 eine Anstellung am Tierphysiologischen Institut bei Prof. Nathan Zuntz an. Bei ihm habilitierte er sich und erhielt 1906 einen Lehrauftrag für Ernährungsphysiologie. 1908 wurde er zum Professor und kurz darauf zum Abteilungsleiter ernannt.

Gertrud Caspari
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Gertrud Gerschel war die Tochter des jüdischen Juristen Dr. Hugo Gerschel und seiner Frau Henriette, geb. Hagelberg. Nach der Heirat mit Wilhelm Caspari brachte sie in Berlin ihre ersten drei Kinder zur Welt. Der Nachkömmling Max wurde in Frankfurt geboren.

Wilhelm Caspari war Soldat im Ersten Weltkrieg. Aus dem Feld heraus bewarb er sich auf die Stelle als Abteilungsleiter für die Krebsforschung am „Königlichen Institut für Experimentelle Therapie“ als Nachfolger von Professor Apolant. Zu Beginn des Jahres 1920 trat er die Stelle an. Wilhelm Caspari wurde zu einem der bekanntesten Krebsforscher seiner Zeit. Nach Inkrafttreten des Reichsbürgergesetzes wurde er am 15. Oktober 1935 beurlaubt und kurz darauf zum 31.Dezember zwangsweise in den Ruhestand versetzt.

Das Ehepaar Caspari wurde am 19. Oktober 1941 bei der ersten großen Deportation aus Frankfurt in das Getto Lodz (Litzmannstadt) verschleppt. Wilhelm Caspari wurde aufgrund seiner Berühmtheit im Getto privilegiert behandelt. Ihm wurde eine relativ gute Wohnung in Marysin zugeteilt und er konnte im Krankenhaus, später in der Statistik-Abteilung der Gettoverwaltung, weiter arbeiten. Wilhelm Caspari hielt auch Vorträge über Ernährung damit die Gettobewohner mit der Mangelsituation etwas besser zurechtkommen sollten.

Gedenktafel an der Friedhofsmauer von Lodz
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Wilhelm Caspari starb am 21. Januar 1944 an den Folgen einer Grippe (Lungenentzündung). Er wurde auf dem alten jüdischen Friedhof in Lodz beigesetzt. Gertrud Caspari wurde im September 1942 zusammen mit tausenden von Kindern, Alten und Kranken in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert und dort umgebracht.

Ernst Caspari studierte in Freiburg und Frankfurt Zoologie und ging für seine Doktorarbeit 1931 an die Universität Göttingen. Caspari konnte als Jude in Deutschland nicht mehr habilitieren und floh 1935 ins Exil in die Türkei, wo er an der Universität Istanbul bei dem Frankfurter Mikrobiologen Hugo Braun arbeitete. 1938 heiratete er in Istanbul Hermine Abraham und konnte kurz darauf mit Hilfe eines Stipendiums in die Vereinigten Staaten übersiedeln. Dort arbeitete und forschte er an verschiedenen Universitäten sehr erfolgreich auf dem Gebiet der Genetik. 1944 nahm Caspari die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1975 wurde er in Rochester emeritiert. Ernst Caspari war ein Forscher von Weltruf und erhielt für seine wissenschaftlichen Leistungen zahlreiche Ehrungen und Preise. In Deutschland erhielt er den Ehrendoktor der Universität Gießen und sein altes Göttinger Institut ehrte ihn 1983 mit einem Festkolloquium zum goldenen Doktorjubiläum. 1984 ist er gestorben.

In den dreißiger Jahren studierte Fritz ("Fred") Jura. Sein Studium musste er abbrechen, als sein Professor aufgrund der NS-Gesetze von der Universität entlassen wurde. Nach der Heirat floh er mit seiner Frau Hilde in die Vereinigten Staaten. Sie kamen auf Ellis Island in New York an, wurden nach Montgomery, Alabama geschickt, wo ihre Unterstützer lebten. Fred ging verschiedenen Gelegenheitsjobs nach, bis er eine Arbeit in der Baumwollindustrie annahm. 1942 bekamen Fred und Hilde einen Sohn. Sie ließen sich Ende der 1940er Jahre scheiden, und Fred heiratete 1951 seine zweite Frau Nina mit der er zwei weitere Kinder hatte. Das Paar zog nach Bakersfield in Kalifornien, wo Fred weiterhin in der Baumwollindustrie arbeitete, bis er in den frühen 1980ern in den Ruhestand trat. Fred starb 1992 in Houston, Texas an Komplikationen bei einer Herzoperation.

Irene Caspari wurde 1915 geboren. Sie floh 1935 mit ihrem Bruder Max aus Deutschland und zog nach England. Sie verbrachte ihr gesamtes Leben in London. Dort unterrichtete sie Anfang 1940 an Grundschulen, später an Gymnasien als Lehrerin für moderne Sprachen. Bis 1954 studierte sie auch Psychologie und wurde Schulpsychologin in London. Sie entwickelte eine psychotherapeutische Methode zum Unterrichten von Kindern mit Lernbehinderungen und schulte auch andere Lehrer und Psychotherapeuten in dieser Methode. 1973 gründete sie eineStiftung für Schulpsychotherapie und therapeutisches Lehren, die jetzt als Caspari Foundation bekannt ist und ihren Sitz in London hat. Sie war nie verheiratet, bis zu ihrem Tod 1976 hielt enge Beziehungen mit ihren Brüdern, deren Kindern und anderen überlebenden Verwandten aufrecht.

Max Caspari, 11 Jahre
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Max war das jüngste Kind. Er wurde von seinen Eltern 1935 nach England ins Internat geschickt. Er besuchte seine Eltern bis 1938 während der Ferien, aber danach sah er sie nie wieder. Nach seinem Schulabschluss zog er nach London, wo er das College der Londoner Universität besuchte. Sein Bruder Ernst organisierte seine Auswanderung in die Vereinigten Staaten, wo er 1948 an der Universität in Weslyan in Middletown im Staat Connecticut seinen Abschluss als Bacherlor of Arts machte. 1954 erlangte er am Massachusetts Institute of Technology seinen Doktorgrad in Festkörperphysik. 1953 nahm er eine Stelle an der Universität Pennsylvania an und arbeitete dort von 1968bis 1973 als Vorsitzender der Fakultät. 1987 trat er in den Ruhestand. Im Jahre 1952 heiratete er Sarah Bockoven. Das Paar hatte drei Kinder. Sarah verstarb 1981 und Max heiratete im Dezember 1983 erneut. Seine neue Frau, Patricia (Pat) Sexton Phillips war eine Freundin der Familie, deren Mann kurz davor verstorben war. Nachdem Max in den Ruhestand getreten war, zog er nach Cotheridge in England, Pats Heimatort, wo er bis zu seinem Tode im Jahre 2001 lebte – nur fünf Meilen von Worcester, wo er seine Internatsjahre verbrachte.

Personen
Max Eduard Caspari
Geburtsdatum:17.3.1923
Deportation:Flucht: 1938 England
Wilhelm Caspari
Geburtsdatum:4.2.1872
Deportation:19.10.1941 Lodz
Todesdatum:21.1.1944
Ernst Caspari
Geburtsdatum:24.10.1909
Deportation:Flucht: 1935 Türkei
Gertrud Caspari, geb. Gerschel
Geburtsdatum:15.9.1884
Deportation:19.10.1941 Lodz
Todesdatum:unbekannt
Friedrich (Fred) Caspari
Geburtsdatum:1.7.1911
Deportation:Flucht: 1938 USA
Irene Caspari
Geburtsdatum:3.5.1915
Deportation:Flucht: 1938 England
Stolperstein Bockenheimer Landstraße 99 Dr. Wilhelm Caspari © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Bockenheimer Landstraße 99 Gertrud Caspari © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Bockenheimer Landstraße 99 Ernst Caspari © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Bockenheimer Landstraße 99 Friedrich Caspari © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Bockenheimer Landstraße 99 Irene Caspari © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Bockenheimer Landstraße 99 Max Eduard Caspari © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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