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Berberich, Erna und Moses

Moses Berberich wurde in Großkrotzenburg bei Hanau geboren. Er nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Danach blieb er aktives Mitglied des „Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten“ und übernahm Patenschaften für notleidende jüdische Frontsoldaten.

Ab April 1922 war Moses Berberich in Frankfurt gemeldet. Noch in Großkrotzenburg heiratete er Ilse Sophie, genannt Erna, die in Bonn als Tochter von Hermann und Ella Pollak, geb. Wolf, zur Welt gekommen war. Von Bonn kommend war Erna Berberich ab dem 3. Januar 1923 in Frankfurt gemeldet. 1925 wurde ihr gemeinsamer Sohn Siegbert Günther geboren.

Moses Berberich unterhielt zusammen mit seinem Bruder Salomon in der damaligen Blücherstraße 29 eine Polsterei mit Anfertigung und Verkauf von Polstermöbeln mit bis zu zwölf Beschäftigten, die offenbar Konkurs erlitt. Von 1930 bis 1938 betrieben die Brüder unter den Namen der Ehefrauen Erna und Liesel Berberich die Polsterei weiter. Am 10. November 1938 wurde der Betrieb eingestellt. Nach dem Zwangsverkauf folgte 1940 die Stilllegung der Firma wegen Kriegsdienst der Mitarbeiter. Die Firma wurde am 1. November 1941 in „Polsterwerkstätten F. u. M. Decke“ umbenannt und weiter geführt.

Moses Berberich wurde im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom zusammen mit seinem Bruder Salomon nach Buchenwald verschleppt und dort bis zum 15. Dezember 1938 gefangen gehalten. Salomon erlitt in der Haft lebensgefährliche Verletzungen und emigrierte im Mai 1939 mit seiner Ehefrau nach Holland, wo er an den Folgen der Misshandlungen starb.

Am 7. Oktober 1939 meldete der Jurist Böhm an die Devisenstelle einen „Grundstückverkauf“ von Moses Berberich, Rubensstraße 24, und seiner Schwägerin Laura, genannt Liesel Berberich, Gartenstraße109. Am 9. Oktober 1939 bestätigte die Devisenstelle der Oberfinanzdirektion Kassel den Grundstückverkauf. Möglicherweise handelte es sich hierbei um ein geerbtes Grundstück in Hanau, denn im Dezember 1939 wurde beim Regierungspräsident Hanau der Verkauf des im Grundbuch eingetragenen Besitzes eines dortigen Grundstückes Bahnhofstraße 4 zum Preis von 8000 RM genannt. Das Geld verblieb auf dem Sperrkonto einer Devisenbank.

Im gleichen Jahr gelang es dem Ehepaar Berberich, ihrem damals 14 jährigen Sohn Siegbert Günther die Flucht ins Exil nach England zu ermöglichen.

Bei der Sicherungsanordnung vom 3. Januar 1940 wurden Vermögenswerte mit 800 RM und das Jahreseinkommen mit 400 RM, ab September 1939 mit 1450 RM angegeben. Die laufenden Kosten betrugen 200 RM.

Die Jüdische Gemeinde unterstütze das Ehepaar Berberich. Am 14. November 1940 bescheinigte sie, dass Moses Berberich monatlich 185,-RM, netto 150,71 RM erhielt. In einer Auflistung seiner Einnahmen am 18.November 1940 führt Moses Berberich zusätzlich 135 RM aus Untermiete auf. Am 27.November 1940 wurde ein monatlicher Freibetrag von 300 RM angeordnet.

Moses und Erna Berberich mussten im Juli 1941 in die Feldbergstraße 5 umziehen und wurden bei der ersten großen Deportation aus Frankfurt in das Ghetto Lodz verschleppt.

Der Sohn Siegbert Günther Berberich lebte nach dem Krieg unter dem Namen Gerald Burberry im Staat New York.

Personen
Erna Berberich, geb. Pollak
Geburtsdatum:15.5.1896
Deportation:19.10.1941 Lodz
Todesdatum:unbekannt
Moses Berberich
Geburtsdatum:20.11.1888
Deportation:19.10.1941 Lodz
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Rubensstraße 24 Erna Berberich © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Rubensstraße 24 Moses Berberich © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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