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Nees, Julius

Julius Nees wurde in Pfaffenwiesbach geboren, war verheiratet und arbeitete vor dem Ersten Weltkrieg als Wald- und Fabrikarbeiter. Von 1917 bis 1919 war er Soldat und erhielt das Frontkämpferehrenkreuz. Danach diente er sechs Jahre in der französischen Fremdenlegion. Ab 1927 arbeitete er in Frankfurt als Gelegenheitsarbeiter, später fand er Arbeit als Lackierer und wurde schließlich von der Firma Emda eingestellt, bei der auch Anton Breitinger arbeitete. Dieser gewann Nees 1939 für die illegale Arbeit einer KPD-Gruppe, zu deren engstem Kreis die beim Postamt 9 beschäftigten Wilhelm Hugo, Edmund Germann und Heinrich Ochs gehörten. Ab Ende 1939 bildeten diese fünf den sogenannten „Kopf“ der beiden Gruppen mit Kontakten zu weiteren Gleichgesinnten.

In der Anklageschrift heißt es zur politischen Überzeugung dieser Männer: „Stalin habe den Krieg zwischen Deutschland und den Westmächten begünstigt, damit diese Völker – also Deutschland, England und Frankreich – sich verbluteten und dann von den Sowjets mit Leichtigkeit überwältigt werden könnten“, womit das Ziel, die Weltrevolution, in nächste Nähe gerückt sei. Um diese Überzeugung unters Volk bringen zu können, habe sich die Gruppe im Herstellen von Flugblättern geübt. Zitat aus der Anklage: „Zu einer Herstellung von kommunistischen Schriften im größeren Umfange und zur Verbreitung an Außenstehende kam es nicht mehr.“

Dieser Passus ist insofern interessant, als die früher ebenfalls beim Postamt 9 beschäftigte Kollegin Liesel Baum nach dem Krieg schrieb: „Julius Nees arbeitete bei der Firma Emda und brachte mit dem Postversand der Firma ihm übergebene Flugblätter zum Postamt 9, wo sie von der dort arbeitenden Widerstandsgruppe in die Feldpostpäckchen gesteckt wurden. Die Gruppe wurde verraten.“

Für die Begründung des Todesurteils genügten dem Volksgerichtshof die illegalen Treffen. Möglicherweise wollte die Anklage verschleiern, dass die Widerstandsgruppe bereits erfolgreich gearbeitet hatte, bevor die Gestapo zugriff.

Quellen:
Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof, Anklageschrift vom 31. März 1942, AZ 9J 34/42g, handschriftlich 2 91/42 H
Volksgerichtshof, Urteil vom 24. Juni 1942, AZ 9J 34/42g und 2H 91/42.
Liesel Baum, maschinengeschriebener Bericht o.J., Archiv Studienkreis deutscher Widerstand, Frankfurt
Franz Neuland, Auf zum letzten Gefecht, 2012

Personen
Julius Nees
Geburtsdatum:28.9.1898
Deportation:Verhaftung: 1941 "Hochverrat"
Todesdatum:17.9.1942 (Hinrichtung)
Stolperstein Offenbacher Landstraße 9 Julius Nees © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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