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Ullmann, Heinrich

Heinrich Ullmann wurde in Worms in der Judengasse 19 als Sohn des Handelsmannes Moritz Ullmann und dessen Frau Therese, geb. Strauss, geboren. Er lernte den Beruf des Schriftsetzers. Am 4. Juni 1919 heiratete er Klara Freund und am 1. Dezember 1924 wurde ihr Sohn Heinz in Frankfurt geboren. Die Ehe war nach nationalsozialistischer Definition eine Mischehe; seine Ehefrau Klara ließ sich nicht scheiden.

Nach dem Novemberpogrom kam Heinrich Ullmann vom 12. November bis zum 13. Dezember 1938 in das KZ Buchenwald in Haft (Häftlings-Nr. 26423). Vom 5. Mai bis 18. Dezember 1939 wurde er in das Zwangsarbeiterlager Lahr in Westfalen verschleppt.

Auf die Anfrage des Oberfinanzpräsidenten, Devisenstelle Frankfurt, im Dezember 1940, ob er und seine Frau „arisch“ sind, antwortete er, dass die Ehefrau „arisch“ sei. Daraufhin wurde für Heinrich Ullmann am 23.Dezember 1940 eine „Judenkartei“ angelegt. Bis zum 9. Februar 1943 war er als Kohlenarbeiter bei der Firma „Ph. Kritz“ mit einem Wochenlohn von 32,40 RM angestellt. In der Sicherungsanordnung vom 3. Januar 1941 vermerkte er, dass er als Kohlearbeiter erheblich benachteiligt war. Zur finanziellen Situation schrieb er, er habe im letzten Steuerjahr ein Jahreseinkommen von 2.150,80 RM erhalten. Die monatlichen Ausgaben für den Dreipersonenhaushalt betrugen 158,- RM. Die Ehefrau verdiente durch Putzen jährlich 210 RM und der Sohn erhielt als Konditorlehrling jährlich156 RM. Er bestätigte die Adresse Diesterwegstraße 7 und erklärte, dort wohne er mit seiner Ehefrau. Zwischen dem 10. Februar und 9. März 1943 wurde er zur Zwangsarbeit bei der städtischen Straßenreinigung eingezogen.

Heinrich Ullmann wurde am 10.März 1943 von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und am 29. Mai 1943 in das KZ Auschwitz deportiert. Von dort wurde er in das KZ Mauthausen verlegt, wo er ab 25. Januar 1945 unter der Häftlings-Nr. 119391 registriert war. In der Entschädigungsakte befindet sich ein Schreiben des Überlebenden Gerhard Bender vom 28.März 1952, in dem er bestätigt, dass er am 31.Mai 1943 mit Heinrich Ullmann nach Auschwitz kam. „Da Herr Ullmann der Onkel meiner damaligen Braut, Fräulein Edith Ullmann war, haben wir immer zusammengehalten (…). Nachdem das KZ Auschwitz geräumt wurde, sind wir Anfang Februar 1945 in das KZ Mauthausen gekommen. Ich habe Herrn Ullmann bis wenige Tage vor der Befreiung durch die Amerikaner am 5. Mai 1945 noch gesehen und gesprochen. Danach lag er schwer krank im Krankenrevier. Da ich ihn nach der Befreiung sofort suchte und nicht mehr fand, besteht kein Zweifel darüber, daß er bei den letzten Todesopfern sein mußte.“

Klara Ullmann lebte nach dem Krieg mit ihrem Sohn in der Stegstraße 43 in Frankfurt. Sie bat beim Besatzungsamt um Beihilfe für Miete und Möbel. Am 22. Juli 1948 stellte sie den Antrag wegen des zugefügten Schadens durch die Verschleppung ihres Ehemannes ins KZ, seinen Tod und wegen Ausbombung. Ihr Einkommen als Arbeiterin betrüge 60,– DM. Am 25. Juli 1949 folgte ein Antrag auf Genehmigung einer Kur für sich und/oder ihren Sohn. Klara Ullmann wurde ab 1950 wegen Krankheit für arbeitsunfähig erklärt und erhielt 1952 eine Witwenrente in Höhe von 95 DM. Am 19. September 1954 verunglückte Klara Ullmann bei einem Autounfall tödlich.

Bis 1956 folgten mühselige Anträge ihres Sohnes Heinz um Entschädigung, da er wegen der fehlenden Ausbildung nur als Kraftwagenfahrer arbeiten und ohne die Rente der Mutter nicht leben könne. Er erhielt Entschädigungen.

Personen
Heinrich Ullmann
Geburtsdatum:20.2.1888
Deportation:12.11.1938 Buchenwald, 29.5.1943 Auschwitz, Mauthausen
Todesdatum:1.5.1945
Stolperstein Diesterwegstraße 7 Heinrich Ullmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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