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Kaufmann, Mathilde, Siegmund, Lotte und Getrude

Siegmund Kaufmann
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Siegmund Kaufmann wurde in Ungedanken im Kreis Fritzlar als fünftes Kind des Lehrers Markus Kaufmann und von Sara Kaufmann, geb. Emmerich, geboren. Er heiratete am 4. Juni 1908 Mathilde Kaufmann aus Mannheim, die Tochter des Kaufmannes Samuel Klein und von Peppi Klein, geb. Gutmann. Ihre Familie zog am 18. April 1896 um nach Frankfurt. Mathilde hatte zwei jüngere Geschwister, Ludwig, geboren 1885, und Rudolphine, geboren 1889. Ludwig wurde am 5. Oktober.1935 von der Gestapo in Frankfurt verhaftet, und als Spion erklärt. Sein weiteres Schicksal sowie das Schicksal seiner Familie ist nicht bekannt, ebensowenig wie das Schicksal von Rudolphine.

Entlassungszeugnis
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Siegmund Kaufmann besuchte nach der Volksschule ein Realgymnasium bis zum Einjährigen. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung in einer Buchhandlung. Nach der Lehre ging er als Freiwilliger zum Militär; im Ersten Weltkrieg kämpfte er bis 1915 an der Front. Aus dem Kriegsdienst wurde er mit einem unausgeheilten Lungenleiden entlassen. Er hatte Anstellungen bei verschiedenen Buchhandlungen. Ab 15. Dezember 1908 war er als Korrektor bei der Frankfurter Societäts-Druckerei, Große Eschenheimer Straße 31-37, angestellt; verfolgungsbedingt wurde er zum 30. September 1935 entlassen. Daneben verfasste er Artikel für den Lokalteil der „Frankfurter Zeitung“ und das „Stadtblatt“. Vertragswidrig erhielt er anstelle einer Pension nur eine kleine Abfindung von der Societäts-Druckerei ausgezahlt. Anschließend fand Siegmund Kaufmann keine Anstellung mehr.

Siegmund und Mathilde Kaufmann hatten zwei Töchter, Lotte und Gertrude. Die Familie wohnte in der Gaußstraße 9.

1939 waren Mathilde und Siegmund Kaufmann im Röderbergweg 65 gemeldet. Die letzte Adresse des Ehepaares war die Ostendstraße 15. Es gibt noch einige wenige Briefe an die nach Palästina geflüchteten Töchter. Sie zeugen von großer Sorge und Sehnsucht nach den Kindern und wie sie wohl zurecht kämen, auch von den vielen vergeblichen Bemühungen, auswandern zu können. Und immer wieder der Satz: „uns geht es noch gut ‚macht Euch keine Sorgen"... Das letzte Lebenszeichen von Siegmund und Mathilde Kaufmann erhielten die Töchter am 1. April 1942.

Lotte Kaufmann besuchte die jüdische Haushaltungsschule und machte eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie gehörte der jüdischen sozialistischen Jugendbewegung „Kameraden" an. Der Vater hatte sehr bald die Töchter aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Lotte versuchte ihr Glück zunächst in der Schweiz und arbeitete in Basel bei einem evangelischen Pfarrer, der jedoch bald meinte, dass Juden in der Schweiz keinen Platz hätten. Am Grenzübergang nach Deutschland begegneten ihr als erstes SS/SA-Soldaten am Bahnhof, die das Lied „wenn das Judenblut von Messer spritzt." sangen. Entschlossen nach Eretz Israel auszuwandern, fuhr sie nach Berlin und meldete sich bei der „Aliyat Hanoar" an, die sich um die Auswanderung der jüdischen Jugend kümmerte. Um nach Palästina auszuwandern benötigte man ein Zertifikat, zur Vorbereitung der Auswanderung nahm sie an einer Hachschara teil. Die Mitglieder Ihrer Hachschara gründeten später den Kibbutz „Hazorea" in Israel.

Auch in Berlin war Lotte Kaufmann weiter bei den „Kameraden" aktiv. 1935/ 1936 waren die Jugendbewegungen schon verboten, man traf sich heimlich. Eines Tages wurde sie mit ihrer Freundin Klara festgenommen, kam in Untersuchungshaft, wurde verhört und wahrscheinlich auch gefoltert, man wollte die Namen und den Treffpunkt haben. Da sie jedoch bei der „Jugend Aliyah" registriert war, wurde sie entlassen und musste auf der Stelle Deutschland verlassen, mit einem kleinen Koffer und sonst nichts. Vom Hafen Triest in Italien verließ sie Europa auf dem Weg nach Palästina.

Gertrude Kaufmann besuchte in Frankfurt das Philanthropin und dort die Frauenschule mit Internat. Sie besuchte die jüdische Haushaltschule und machte eine Ausbildung im Bereich der Kinderpflege. Sie litt schon in Deutschland sehr durch den ansteigenden Antisemitismus. Sie flüchtete zunächst nach Frankreich, um von dort über die französische Sektion von „Hehaloutz“ in einem Kibbuz in Palästina aufgenommen zu werden. Am 11. Oktober 1935 fuhr sie mit dem Schiff „Patria“ von Marseille ab.

Gertrude Kaufmann
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1940 wohnten die beiden Schwestern in der Abbesinierstraße 134 in Jerusalem. Lotte heiratete in Israel den auch in Frankfurt geborenen Architekten Alfred Epstein (1912-1977), In der Überzeugung, damit die Vorurteile und den Antisemitismus gegenüber Juden zu verhindern oder zu reduzieren, schuf sie mit ihm zusammen die Grundlage für den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch‚ den es heute noch gibt. Sie war Kindergärtnerin und Sozialpflegerin und half in ihrem Ruhestand im Jerusalemer Hadassah-Krankenhaus bei der Betreuung von Krebskranken.

Gertrude Kaufmann hat sich nie in Israel integrieren können‚ blieb lebenslänglich schwer traumatisiert. Sie lebte in Tel Aviv, wo sie auch gestorben ist.

Die Stolpersteine wurden initiiert von Daniela Epstein, Jerusalem, Tochter von Lotte Epstein-Kaufmann, die bei der Verlegung teilnahm.

Personen
Mathilde Kaufmann, geb. Klein
Geburtsdatum:18.11.1882
Deportation:unbekannt
Todesdatum:unbekannt
Siegmund Kaufmann
Geburtsdatum:13.12.1878
Deportation:unbekannt
Todesdatum:unbekannt
Lotte Kaufmann
Geburtsdatum:28.3.1909
Deportation:Flucht: 1936 Palästina
Gertrude Kaufmann
Geburtsdatum:16.3.1913
Deportation:Flucht: 1935 Palästina
Stolperstein Gaußstraße 9 Mathilde Kaufmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Gaußstraße 9 Siegmund Kaufmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Gaußstraße 9 Lotte Kaufmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Gaußstraße 9 Gertrude Kaufmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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