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Grünberg, Carl und Hilde

Carl Grünberg wurde in Focsani in Rumänien geboren, seine Eltern waren österreichische Juden. Er war mit Hilde Ehrenzweig verheiratet, sie hatten zwei Söhne. Er besuchte das Gymnasium in Czernowitz in der damals österreichischen Bukowina, wo er 1881 die Matura absolvierte. Er studierte dann in Wien Rechts- und Sozialwissenschaften. 1886 schloss er mit der Promotion zum Dr.jur. ab. Er betrieb eine Praxis als Advokat, wechselte später zum beamteten k.k. Gerichtssekretär.

1890 ging Grünberg für drei Jahre nach Straßburg, um sich der Nationalökonomie zu widmen. Während dieser Zeit ließ er sich katholisch taufen. In Wien wurde er 1899 zum Extraordinarius für politische Ökonomie berufen. Seine Veröffentlichungen enthielten sozialistische und sozialpolitische Inhalte, die materialistische Geschichtsauffassung von Marx verteidigte er. Man nannte ihn bald einen Austromarxisten. Grünberg erhielt den Lehrstuhl für Volkswirtschaftspolitik und neuere Wirtschaftsgeschichte. Daneben gründete er die Zeitschrift „Archiv für Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung“, also das „Grünberg-Archiv“.

Nach der Gründung der Frankfurter Universität sollte in einem „Institut für Sozialforschung“ diese neue Wissenschaft vorangetrieben werden. Carl Grünberg wurde als Gründungsdirektor berufen. Im gleichen Jahr 1924 ernannte die Universität Frankfurt ihn zum ordentlichen Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften.

Ein Schlaganfall zwang ihn 1928, das Amt niederzulegen. Er wurde in den Ruhestand versetzt. Max Horkheimer übernahm die Leitung des Instituts. Im Jahr 1932 erschien noch ein Aufsatz von Grünberg über die Internationale, im gleichen Jahr eine Festschrift für ihn zum 70. Geburtstag. Obwohl Grünberg durch das Berufsbeamtengesetz 1933 in den Ruhestand versetzt wurde, erhielt er weiterhin seine Zahlungen vom Institut für Sozialforschung (einem Verein).

Carl Grünberg, dem es gesundheitlich sehr schlecht ging, wurde am 2. Februar 1940 zur Geheimen Staatspolizei bestellt. Er starb dort am gleichen Tag, die Umstände sind nicht bekannt. Seine Ehefrau konnte im selben Jahr nach Genf zu den Kindern emigrieren. Sie erhielt bis zu ihrem Tod die ihr zustehende Witwenrente. Ein Sohn arbeitete später an der Universität Pittsburgh. Der 1901 geborene Sohn Karl Stefan blieb in Genf.

Personen
Carl Grünberg
Geburtsdatum:10.2.1861
Todesdatum:2.2.1940
Hilde Grünberg, geb. Ehrenzweig
Geburtsdatum:29.6.1875
Deportation:Flucht: 1940 Schweiz
Stolperstein Gutleutstraße 85 Dr. Carl Grünberg © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Gutleutstraße 85 Hilde Grünberg © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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