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Germann, Edmund

Edmund Germann stammte aus Griesborn, einem Kohlebergbauort im Saargebiet. Nach Abschluss der Volksschule arbeitete er als ungelernter Arbeiter. 1932 trat er in die KPD ein und übernahm die Funktion eines technischen Leiters. Laut der späteren Anklage wurde er 1934 wegen parteischädigenden Verhaltens aus der Partei ausgeschlossen. Ob er tatsächlich ausgeschlossen bzw. ausgetreten war, ist nicht belegt.

Die KPD war die erste Partei, die bereits im März 1933, zwei Monate nach der Machtergreifung, durch die Nationalsozialisten verboten wurde. Sie reagierte sofort mit dem Aufbau illegaler Betriebs- und Stadtteilgruppen. Durch ein dichtes Netz von Spitzeln wurden viele dieser Gruppen verraten und zerschlagen. Eine Welle von Verhaftungen mit einem Höhepunkt im Jahr 1936 dezimierte diese Zellen und Gruppen stark. Das führte zu Parteiaustritten und einer Zurückhaltung in der illegalen Arbeit, vielfach um sich zu schützen. Ihre politischen Auffassungen behielten die meisten und versuchten neue Wege für eine organisierte Arbeit zu finden. Ab 1939 entstanden immer wieder neue Gruppen und Zirkel, die mit der KPD sympathisierten, vor allem in den großen Frankfurter Betrieben wie den Adlerwerken, Farbwerken Hoechst, bei Tewes und beim Postamt 9/Bahnpostamt 19.

1934 siedelte Edmund Germann nach Frankfurt am Main in die Niddastraße 64 über. Er fand Beschäftigung als Postfacharbeiter beim Postamt 9 (19) am Hauptbahnhof und lernte dort Wilhelm Hugo kennen, auch er Postfacharbeiter. Durch ihn kam er mit einer Widerstandsgruppe um den Lackierer Anton Breitinger in Kontakt, der lange Erfahrung mit illegaler Parteiarbeit für die KPD hatte.

1939 verstärkte diese Gruppe die illegale Arbeit, indem sie die Aktivitäten in verschiedenen Betrieben koordinierte. Sie berichtete durch Flugschriften, kleine Zeitungen, Aufkleber u. ä. einerseits über die schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Betrieben, z.B. beim Bahnpostamt, etwas, das später in der Anklageschrift gegen Germann erwähnt wurde, andererseits über die soziale Lage der Familien, die sich nach Kriegsbeginn sehr verschlechtert hatte. Wichtig waren auch die Informationen von außen, die durch verbotene Radiosender abgehört wurden.

Breitinger und Hugo bildeten aus mehreren Gruppen eine Art Führung, den sogenannten „Kopf“, der aus fünf Mitgliedern bestand, darunter Edmund Germann und Wilhelm Hugo. Ihre konkrete Arbeit bestand in Diskussionen und Schulungen über die tagespolitische Situation und Ereignisse, Verfassen von Flugblättern, Beschaffung von Informationen, Material und Herstellung von Flugblättern und vor allem in der Ausbildung darin, wie man sich vor Spitzeln und Verhaftung schützt und wie man sich nach einer Verhaftung verhält. Treffpunkte waren wie bei vielen anderen Widerstandsgruppen Kneipen, Cafés, Wanderungen im Taunus, Sportvereinigungen und deren Veranstaltungen. Das Ziel war, aus den Gesprächsgruppen eine illegale Parteiorganisation aufzubauen.

Edmund Germann, damals wohl schon geschieden, stellte öfters seine Wohnung für diese Besprechungen zur Verfügung. Durch einen Spitzel namens Albert, der als Bezirksleiter der Kommunistischen Jugend bekannt war, wurde die Gruppe verraten. Am 17. Juni 1941 wurde Edmund Germann festgenommen, später verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht. Am 18. Juli 1941 wurde sein Kollege Wilhelm Hugo festgenommen und danach verhaftet. Insgesamt wurden innerhalb eines Monats acht Mitglieder der Gruppe um Breitinger verhaftet. Ein Mitglied nahm sich in der U-Haft das Leben. Die anderen wurden in getrennten Verfahren am 24., 25. bzw. 26. Juni 1942 zum Tode verurteilt.
In der Anklageschrift und später im Urteil gegen Breitinger, Germann, Hugo und Nees heißt es, dass Germann seine kommunistische Betätigung bis zuletzt bestritten habe. „Er behauptet, die Besprechungen unter den kommunistisch eingestellten Belegschaftsmitgliedern des Postamts 9 und später im Kreise der Mitangeklagten seien lediglich freimütige Unterhaltungen unter Kameraden gewesen.“ Er wurde durch die Aussagen von Hugo, der angesichts der Vernehmungsmethoden der Gestapo geständig war, schwer belastet. Im Urteil heißt es weiter, Hugo sei im April 1942 im Untersuchungsgefängnis Frankfurt von einem Unbekannten, anscheinend einem Hausarbeiter, aufgesucht worden, der ihm durch die verschlossene Zellentür zugerufen habe: „Germann schickt mich. Du sollst alles widerrufen. Er weiß von nichts.“ Vielleicht wollte Edmund Germann Wilhelm Hugo dadurch bestärken, nicht auszusagen.

Im Urteil wird Wilhelm Hugo über Edmund Germann wie folgt zitiert: Der „richtige alte Bolschewist, der sich eher die Zunge herausreißen lassen als ein Geständnis ablegen würde“.

Sieben Widerstandskämpfer der Gruppe Leis/Breitinger, darunter Edmund Germann und Wilhelm Hugo, wurden „wie Verbrecher gefesselt am Morgen des 17. September 1942 hingerichtet. Es wurde ihnen nicht gestattet, sich von ihren Angehörigen zu verabschieden. Ihre Leichen wurden dem anatomischen Institut Gießen übergeben. Eine Grabstätte ist nach Angaben der Friedhofsverwaltung Gießen nicht bekannt“ (Bromberger, S. 161).

Die Vollstreckung des Urteils war groß auf Litfaßsäulen plakatiert worden.

Personen
Edmund Germann
Geburtsdatum:13.9.1901
Deportation:17.6.1941 wegen "Hochverrats"
Todesdatum:17.9.1942 (Hinrichtung)
Stolperstein Niddastraße 64 Edmund Germann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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