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Ochs, Heinrich

Heinrich Ochs stammte aus dem kleinen Dorf Heyerode im Landkreis Rothenburg an der Fulda in Nordhessen und war verheiratet. Als gelernter Buchdrucker betrieb er in Frankfurt eine eigene kleine Druckerei, die zeitweise auch als Versammlungsort für seine kommunistischen Freunde diente. Ab September 1939 arbeitete er als Postfacharbeiter im Postamt 9, 1940 wurde er dienstverpflichtet bei den Buderus-Eisenwerken in Wetzlar und ab Januar 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Bei seiner Verhaftung im Juli 1941 war er Soldat.

Die Anklage des Volksgerichtshofs – die einzige zur Verfügung gestandene Quelle – beschuldigte ihn, als KPD-Mann auch nach der Machtergreifung freundschaftliche Beziehungen zu früheren Genossen aufrecht erhalten zu haben. Während der wenigen Monate beim Postamt 9 habe er an zahlreichen Zusammenkünften der dortigen „kommunistischen Zelle“ teilgenommen, deren Mitglieder später als Leis-Breitinger-Gruppe verhaftet und angeklagt wurden. Über die Vorwürfe gegen die übrigen Verhafteten der „Zelle“ hinaus habe Ochs vorgeschlagen, eigene „Flugschriften“ für Soldaten zu verschicken „um den Kampfwillen der Empfänger zu lähmen“. Dazu sei es wegen seiner Einberufung zum Militär nicht mehr gekommen. Ein nach dem Krieg veröffentlichter Bericht seiner ehemaligen Kollegin Liesel Baum beschreibt hingegen, dass Flugblätter in Feldpostpäckchen verschickt wurden. Dies bestätigen auch andere Zeugen.


Auf die erhöhten Aktivitäten besonders der kommunistischen Widerstandsgruppen in Betrieben und Stadtteilen seit Ausbruch des Krieges reagierte die Frankfurter Gestapoleitstelle mit martialischen Drohungen. Die Polizeidienststellen wurden angewiesen, gegen Personen, die mit ihren Äußerungen „am Sieg des deutschen Volkes“ zweifelten, „sofort durch Festnahme einzuschreiten“. Dem Chef der Sicherheitspolizei sei unverzüglich zu berichten, „da gegebenenfalls auf höhere Weisung brutale Liquidierung solcher Elemente erfolgen wird“. Die Gestapo-Leitstelle in Frankfurt soll etwa 100 Spitzel in ihren Diensten gehabt haben.

Auch wenn sie den Spitzel in ihren Reihen nicht rechtzeitig erkannt hat, war die Leis-Breitinger-Gruppe laut Franz Neuland eine der wirkungsvollsten kommunistischen Untergrundorganisationen in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Verhöre gegen die Angeklagten dürften brutal geführt worden sein. Heinrich Ochs machte sich keine Illusionen über den Ausgang des Verfahrens. Er entzog sich der Verurteilung durch Selbstmord.

Personen
Heinrich Och
Geburtsdatum:1.6.1903
Deportation:1941 "Hochverrat"
Todesdatum:1942 (Suizid)
Stolperstein Niddastraße 63 Heinrich Ochs © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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