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Ullmann, Franz

Franz Ullmann aus seiner letzten Zeit in Wien
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Franz Julius Moritz Ullmann wurde in Frankfurt am Main als Sohn des Chemikers und IG Farben AG Direktors (Cassella) Carl Ullmann und Flora Ullmann, geb. Desenberg, geboren. Er und sein Bruder Richard Ulllmann stammten aus einer jüdischen Familie, die ursprünglich aus Pfersee bei Ulm kam. Im 17. Jahrhundert heiratete einer der Vorfahren eine Frankfurterin. Nachgewiesen werden kann die Familie in der Judengasse in Frankfurt in den Häusern Goldener Spiegel und Goldener Brunnen. Die Ullmanns hatten eine offene Haltung in religiösen Fragen. Der Großvater von Franz und Richard schickte seine Kinder in den evangelischen Religionsunterricht, da er Kenntnisse des Neuen Testaments für ein wichtiges Bildungsgut hielt. Streitigkeiten zwischen liberalen und orthodoxen Kräften in der jüdischen Gemeinde führten dazu, dass die beiden Söhne aus der jüdischen Gemeinde austraten und ihre Kinder taufen ließen.

Franz Ullmann besuchte bis zum Abitur das Goethe-Gymnasium. Ab Herbst 1920 absolvierte er an der Technischen Hochschule Hannover einen viersemestrigen Diplomstudiengang. Nach dem Besuch der Technischen Hochschule Berlin schloss er 1924 mit der Hauptprüfung im Fach Maschinenbau als Diplom-Ingenieur ab. Franz Ullmann arbeitete zwischen 1925 und 1928 als Konstrukteur bei „Hanomag“, Hannover-Linden. 1928/29 wechselte er zu den „Askania Werken“, Berlin-Friedenau. Ab 1929 hatte er eine Stellung bei der Firma „J. C. Eckhardt AG“, Bad Cannstatt, zuletzt in der Tochtergesellschaft in Wien. Dort wurde er nach dem Anschluss Österreichs 1938 entlassen und kehrte wieder nach Frankfurt zurück. Nachdem er seine Frankfurter Wohnung in der Schumannstraße 56 verlassen musste, wohnte er in der Guiollettstraße 55, zuletzt Fichtestraße 7/I.

Franz Ullmanns Nichte Christel erinnert sich: „Onkel Franz hat uns manchmal mit seinem Auto ausgefahren. Das war damals noch eine Seltenheit! Und seine Bücher von Dr. Dolittle, die ich ganz toll fand, kamen immer pünktlich zu Weihnachten an.“

Arbeitszeugnis aus Wien
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Sein Bruder Richard Ullmann lebte in sogenannter „Mischehe“, seine Kinder waren damit „Mischlinge 1. Grades“. Er konnte nach seiner Verhaftung 1938 nach England fliehen, während seine Frau Helene mit den beiden Töchtern in Oberursel blieb. Nach Aussagen der Tochter half Helene Ullmann den Verwandten und versuchte sie zur Ausreise zu bewegen, auch ihren Schwager Franz. Ohne Erfolg. Nach den Erinnerungen von Dia Ullmann hatte Franz Ullmann eine unerlaubte und unglückliche Beziehung zu einer Christin. Da diese Verbindung nicht möglich war, habe er jeden Lebensmut verloren. „Wahrscheinlich hatte er ein gebrochenes Herz.“ Franz Ullmann konnte nicht mehr fliehen. Das genaue Schicksal ist nicht bekannt.

Dazu Christel Ullmann: „Warum er Deutschland nicht verlassen hat, bleibt in der Familie immer noch ein Rätsel. Er hatte einen guten Freund in Südamerika, der ihn zu sich eingeladen hatte. Seine Schwester, Tante Elisabeth, hat ihn noch versucht nach Amerika zu bringen. Noch am Abend vor seinem Abtransport wollte meine Mutter ihn überzeugen, in die Schweiz zu entkommen."

Laut Hinweis in der Entschädigungsakte starb Franz Ullmann in Frankfurt. Er schied vermutlich durch Freitod aus dem Leben. Nach einer anderen Version wurde er in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet.

Der Stolperstein wurde initiiert von Bewohnern der Schumannstraße.

Personen
Franz Ullmann
Geburtsdatum:1.7.1901
Deportation:? 11.6.1942 Majdanek
Todesdatum:? 12.6.1942 (Suizid)
Stolperstein Schumannstraße 56 Franz Ullmann  © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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