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Bienes, Johanna und Hermann, Alice Grosser und Edmund Mansbach

Johanna Bienes
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Das Haus Mainzer Landstraße 36 war viele Jahrzehnte der Wohnsitz der Familie Bienes. Hier befand sich bis 1935 die im Jahre 1878 gegründete Lederwarenfabrik S. Bienes oHG. Firmengründer Simon Bienes verstarb bereits 1921. Seine Ehefrau Johanna Helene, geborene Nass, wurde in Mainz geboren. Das Paar hatte drei Kinder: Gertrude Henriette Alice, Arthur Lorenz, Hermann Franz und fünf Enkelkinder. In dem Haus befanden sich mehrere Wohnungen, jeweils eine für die beiden Söhne mit ihren Familien und eine weitere für Johanna und ihre Tochter Alice Henriette, verheiratete Grosser. Im Jahre 1931 zog die Familie von Arthur Bienes in die Sophienstraße 12.

Gertrude Henriette Alice Grosser heiratete Isidor Grosser, der in der Lederwarenhandlung ihres Vaters Prokurist wurde. Das Paar wohnte in der Ullmannstraße 49. Die Ehe wurde bald nach der Geburt des Sohnes Kurt geschieden. Dieser starb im Alter von 23 Jahren in einem Krankenhaus in Brüssel.

Hermann Bienes und sein Bruder Arthur waren seit dem Tode des Vaters Geschäftsführer der Lederwarenfabrik in der Mainzer Landstraße 36. Während Arthur Bienes seinen Beruf gerne ausübte, hätte Hermann Bienes lieber ein Studium aufgenommen, dies wurde ihm vom Vater jedoch nicht gestattet. Hermann heiratete die nichtjüdische Katharina Rusch, das Paar bekam am 22. Februar 1927 die Zwillinge Hertha und Günther.

Am 9. Mai 1935 floh Arthur Lorenz mit seiner Frau und den Kindern nach Amsterdam, dort führte er die 1935 liquidierte Lederfabrik weiter. Hermann Bienes flüchtete mit seiner Familie im selben Jahr nach Brüssel, wurde aber 1940 von der belgischen Regierung nach Frankreich ausgeliefert. Am 26. August 1942 wurde er in St. Alban verhaftet, von dort kam er nach Vernissieux bei Lyon. Noch im selben Jahr wurde er in das Internierungslager Drancy verschleppt.

Nach der Trennung ging Katharina Bienes mit den Kindern zurück nach Deutschland. Am 19. Februar 1944 wurde auf Druck der Gestapo die Ehe aufgehoben. 1947 wanderten sie in die USA aus. Anfangs lebte die Familie in New York. Sohn Günther trat 1947 in die Armee ein und war zeitweise in Bonn-Bad Godesberg stationiert. Er heiratete Erna. Sie adoptierten zwei Jungen, Ernas Neffen. Hertha (Hedy) Auerbach, geb. Bienes, schrieb eine 468 Seiten starke Biografie. Aus dem Nachruf im Albuquerque Journal heißt es: „Hertha und ihr Zwillingsbruder Günther (Gunter) mussten in Deutschland jüdische Schulen besuchen. Später besuchte Hertha das ‚Asher Institute of Jewish Studies‘ und orthodoxe Internate in der Schweiz, zur Vorbereitung junger Leute […] in Palästina, während die Eltern Europa und den Mittleren Osten bereisten, um außerhalb Deutschlands ein neues Heim zu finden. Schließlich ließen sie sich in Belgien nieder, um in der Nähe der anderen Familienmitglieder sein zu können. Als die Deutschen Belgien besetzten, floh der Vater (Hermann Bienes) nach Südfrankreich […]. Die anderen folgten in einem wagemutigen und entsetzlichen Trip durch die Linien der Deutschen. Die Franzosen lieferten später die Familie sowie andere Juden den Deutschen aus. Der Vater starb in Auschwitz oder auf dem Weg dorthin. Die Mutter (Katharina Bienes) rettete sich und die Kinder mit Hilfe von Täuschungsmanövern, Tricks und falschen Papieren. Mutter und Kinder überlebten den Krieg als Zwangsarbeiter. […] Nach dem Krieg emigrierte die Familie in die USA. Hertha Auerbach, geb. Bienes, hatte keine Nachkommen. Sie starb am 12. Februar 2007.“

Alice Grosser
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Johanna Bienes und ihrer Tochter Alice Grosser gelang im Frühjahr 1939 die Flucht in die Niederlande. Da sie kein holländisch sprachen und nicht bei der Familie des Sohnes wohnten, sollen sie sehr einsam gewesen sein. Marion Bienes: „Meine Großmutter und Tante Alice sind nach Sobibor deportiert worden. Nachdem sie tagelang ohne Nahrungsmittel und Wasser in einem Viehwagen eingeschlossen gewesen sind, waren sie zu schwach, um den Weg in die Gaskammer auf eigenen Füßen zurückzulegen. Sie wurden in das so genannte Lazarett gebracht, wo sie sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen mussten und dort erschossen wurden. Meine Großmutter war 84 Jahre alt.“


Edmund Mansbach wurde in Worms geboren und war der Sohn des Kaufmannes Hermann Mansbach und von Sophie Mansbach, geb. Loewenstein. Den Eltern gelang die Flucht in das britische Exil; eine Schwester starb 1918, zwei 1899 und 1901 in Worms zur Welt gekommene Brüder lebten nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA. Edmund Mansbach besuchte eine Mittelschule in Frankfurt. Anschließend absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma „Zunz & Sohn“.

Initiiert wurden die Stolpersteine von Renate Ullrich

Personen
Johanna Helene Bienes, geb. Nass
Geburtsdatum:21.9.1859
Deportation:Flucht: 1939 Holland, Deportation: von Westerbork 15.2.1943 Sobibor
Todesdatum:23.4.1943
Hermann Franz Bienes
Geburtsdatum:24.8.1891
Deportation:Flucht: 1935 Belgien, 1940 Auslieferung Frankreich, Deportation: 2.9.1942 von Drancy nach Auschwitz
Todesdatum:1.9.1942
Gertrude Henriette Alice Grosser, geb. Bienes
Geburtsdatum:17.3.1888
Deportation:Flucht: 1939 Holland, Deportation: von Westerbork 15.2.1943 Sobibor
Todesdatum:23.4.1943
Edmund Mansbach
Geburtsdatum:25.9.1896
Deportation:Haft: 1939 Zuchthaus Waldheim, 9.3.1940 Sachsenhausen
Todesdatum:21.3.1940
Stolperstein Mainzer Landstraße 36 Johanna Bienes © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Mainzer Landstraße 36 Hermann Bienes © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Mainzer Landstraße 36 Alice Grosser © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Mainzer Landstraße 36 Edmund Mansbach © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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