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Hausmann, Hedwig Flora

Hedwig Flora Hausmann wurde in Frankfurt am Main geboren. Die Eltern, Isaac Jacob Hausmann und Charlotte Hausmann, geb. Emden, wurden im Jahre 1880 Eigentümer des Hauses Mainzer Landstraße 32. Hier lebte Hedwig Hausmann zusammen mit ihnen und ihrem Bruder, Dr. Franz Hausmann, der im Erdgeschoss des Hauses einige Jahre lang eine Arztpraxis hatte. Die Geschwister blieben beide ledig, Nachkommen sind nicht bekannt. Die 14 Zimmer des Hauses bewohnte Hedwig Hausmann nach dem frühen Tode des Bruders, der im Jahre 1924 im Alter von 54 Jahren starb, mit ihrer langjährigen Hausangestellten Sophie Diebel und einem Hausmädchen.

Hedwig Hausmann wurde in der NS-Zeit zu Zwangszahlungen wie der „Judenvermögensabgabe“ und dem Abschluss eines „Heimeinkaufsvertrags“ gezwungen. In der Devisenakte ist ein von ihr geschriebener Brief aus dem Jahre 1940 archiviert. Für die Freigabe eines monatlichen Betrages zur Bestreitung ihrer Lebenshaltung musste sie eine Erklärung abgeben. Sie teilte der Behörde mit, dass sie „seit einiger Zeit leidend“ und infolge eines Unfalls im Gehen behindert sei und ständige Hilfe und Begleitung sowie medizinische Therapie benötige.

Hedwig Hausmann hatte zwei Hausangestellte. Sie schrieb: „Die eine ist eine langjährige Hausgenossin, die mich pflegt und auf Ausgängen begleitet, die zweite ist das Hausmädchen, welches die sonstigen Arbeiten im Haus versieht.“ Sie erwähnte weiter einen großen Schäferhund als Wachhund, für den sie aufkommen musste.

Die letzten Wochen oder Monate vor ihrer Deportation verbrachte sie im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde in der Gagernstraße. An welcher Krankheit sie litt und die Schwere der Krankheit ist nicht bekannt. In das Krankenhaus bestellte sie den ihr bekannten Notar Walter Stern, dem sie am 27. August 1942 ihren letzten Willen mitteilte, der viele Legate an bedürftige Menschen, an Freunde der Familie, an ihre Haushälterin und deren Nichte enthielt. In Theresienstadt wurde sie in das Gebäude E a III Zimmer 313 11 D eingeliefert. Dort befand sich eine Krankenstation. In der „Todesfallanzeige“ wurde als Todesursache „Enteritis - Darmkatarrh“ angegeben.

Nach ihrem Tode, vermutlich aber schon früher, wurde das Haus Mainzer Landstraße 32 zum „Judenhaus“, wie der Verwalter im November 1942 an das Finanzamt-Außenbezirk Frankfurt am Main berichtete. In dem Haus lebte einige Monate lang auch die Opernsängerin Magda Spiegel, an die seit 2006 ein Stolperstein in der Holzhausenstraße 16 erinnert. Mit Grundbucheintrag vom 11. November 1943 ist das Haus Mainzer Landstraße 32 auf das „Deutsche Reich“ umgeschrieben worden. Eine „Arisierung“ im herkömmlichen Sinne hat es nicht gegeben.

Eine Spur auf der Suche nach Menschen, die sich an Hedwig Hausmann erinnern, führte nach Norderney, zur Nichte der Haushälterin Sophie Diebel, die ebenso wie ihre Tante im Testament von Hedwig Hausmann bedacht ist. Sie hatte ihre Patentante mehrmals in der Mainzer Landstraße 32 besucht. Diese Nichte, die Frau Hausmann noch persönlich gekannt hatte, starb im Jahre 2011 hundertjährig. Sohn und Schwiegertochter können sich erinnern, dass sie „von der Frau aus Frankfurt“ erzählt hatte. Man habe Hedwig Hausmann geraten auszuwandern, doch sie habe erwidert: „Was wollen denn die Nazis mit mir alten Frau anfangen?“ und sei in Frankfurt geblieben. In der Familie sind Erinnerungen an Erzählungen und an Gegenstände, wie z. B. an einen Teppich, der für die Zimmer in Norddeutschland viel zu groß gewesen sei und daher zugeschnitten werden musste, präsent. Viel mehr ist über Hedwig Hausmann nicht bekannt. Weder wissen wir, in welche Schule sie gegangen ist, noch ob sie im väterlichen Geschäft, einer Handlung für deutsche, englische und französische Manufacturwaren, Colonialwaren und Specereien, oder in der Praxis des Bruders geholfen hat. Bekannt ist, dass sie – ebenso wie ihr Bruder – die ewige Mitgliedschaft in der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft erworben hatte und von dieser als Stifterin genannt wird.

Ein Vetter dritten Grades mütterlicherseits – zwei Generationen nach Hedwig Hausmann – ist Dr. Vincent C. Frank-Steiner aus Basel, für dessen nähere Verwandten Siegfried und Elise Ebertsheim zwei Stolpersteine in der Aystettstraße 6 im Jahr 2007 verlegt wurden.

Initiiert wurde der Stolperstein von Renate Ullrich

Personen
Hedwig Flora Hausmann
Geburtsdatum:9.12.1862
Deportation:15.9.1942 Theresienstadt
Todesdatum:18.11.1942
Stolperstein Mainzer Landstraße 32 Hedwig Hausmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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