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Kracauer, Hedwig und Rosette

Rosette und Hedwig Kracauer (rechts) in ihrer Wohnung, Kronberger Straße 47/I, Frankfurt am Main um 1938
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Hedwig und Rosette Kracauer wurden in Frankfurt am Main als Töchter von Friederike und Falk Aron, genannt Ferdinand, Oppenheimer geboren. Der Vater war Inhaber eines Manufakturwarengeschäftes und arbeitete später als Börsenmakler. Die Eheleute hatten insgesamt sieben Kinder. In den 1880er-Jahren heirateten die Schwestern zwei Brüder aus Sagan in Niederschlesien: Isidor und Adolf Kracauer.

Mit ihrem Ehemann Isidor übernahm Hedwig Kracauer 1885 die ehrenamtliche Leitung der „Julius und Amalie Flersheim‘schen Stiftung“, eine Anstalt zur Erziehung verwaister und halbverwaister Knaben. Das kinderlose Paar führte ein geselliges, liberal eingestelltes Haus. Isidor Kracauer lehrte von 1875 bis 1919 Geschichte, Deutsch und Erdkunde am Philanthropin. Er gehörte zum Vorstand des Frankfurter Vereins für Geschichte und Landeskunde. Zu seinen Veröffentlichungen gehörten das „Urkundenbuch zur Geschichte der Juden in Frankfurt. 1150-1400“ und die „Geschichte der Juden in Frankfurt 1150-1824“. Letztere erschien postum und gilt noch heute als Standardwerk. Hedwig Kracauer bereitete das Manuskript für die Veröffentlichung vor.

Adolf Kracauer arbeitete als Handelsvertreter, zuletzt für eine Pariser Tuchfirma. 1889 brachte Rosette Kracauer als einziges Kind den Sohn Siegfried zur Welt, der später als Redakteur der Frankfurter Zeitung, Autor, Soziologe und Filmkritiker berühmt werden sollte. Da der Ehemann berufsbedingt oft auf Reisen ging, war Rosette Kracauer stark auf ihren Sohn fixiert. Dieser wiederum suchte intellektuell die Nähe von Tante und Onkel.

Während der Inflation 1923 verloren die bereits verwitweten Schwestern ihre gesamten Ersparnisse. Beide Frauen wurden von Siegfried Kracauer finanziell unterstützt. Bis zu seinem Umzug nach Berlin 1930 teilte Rosette Kracauer mit ihrem Sohn auch die Wohnung in der Sternstraße 29.

Von 1936 bis Sommer 1941 wohnten die Schwestern in der Kronberger Straße 47. Dort ließen sie Fotos anfertigen, vermutlich um Siegfried Kracauer im fernen Paris ihre momentane Lebenssituation vorzustellen. Ab Juli 1941 waren beide in der Liebigstraße 19, ab 3. November 1941 in der Eysseneckstraße 41 und ab 15. November 1941 im Jüdischen Altersheim im Sandweg 7 registriert. Das erhaltene Hausstandbuch vermerkte den letzten Umzug der Frauen, die inzwischen den Zwangsnamen „Sara“ annehmen mussten.

Initiiert wurden die Stolpersteine von Heike Drummer und Alfons Maria Arns.

Personen
Hedwig Kracauer, geb. Oppenheimer
Geburtsdatum:29.7.1862
Deportation:18.8.1942 Theresienstadt, 26.9.1942 Treblinka
Todesdatum:26.9.1942
Rosette Kracauer, geb. Oppenheimer
Geburtsdatum:2.4.1867
Deportation:18.8.1942 Theresienstadt, 26.9.1942 Treblinka
Todesdatum:26.9.1942