Logo FRANKFURT.de

Adler, Alfred

Alfred Adler als Soldat 1916
Dieses Bild vergrößern.

Alfred Adler wurde in Frankfurt geboren. Er wuchs in einer großen Familie auf – einige seiner Brüder sind im Ersten Weltkrieg gefallen, andere wurden Opfer der Spanischen Grippe-Epidemie. Er selbst war Offizier im Medizinischen Corps, wurde aber wegen einer schweren Kriegsneurose aus der Armee entlassen. Nach dem Krieg war er Generalvertreter der Firma Silberwaren B. Bohrmann im Sandweg 21 und reiste viel in Europa.

Alfred Adler heiratete die 1901 geborene Margarete Adelheid, geb. Golisch. Am 26. Juni 1929 wurde ihre Tochter Renate geboren. Die Familie wohnte in der Gervinusstraße 22. Alfred Adler war sportlich, ging oft zum Schwimmen und Rudern auf dem Main, wanderte mit seiner Familie im Taunus, z. B. auf den Feldberg und den Fuchstanz, und verbrachte mit ihr auch gemeinsam die Sommerferien in Oberreifenberg im Taunus.

Im Rahmen des Novemberpogroms 1938 wurde Fred Adler verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Seiner Frau gelang es, einen Sponsor in England zu finden, so dass er am 5. Januar 1939 entlassen wurde und im April 1939 nach London flüchten konnte. Seine Tochter Renate verließ Frankfurt als so genanntes „garantiertes Kind” auf dem letzten Kindertransport am 26. August 1939 über Hoek Van Holland und Harwich, wo sie am 27. August 1939 am Londoner Bahnhof Liverpool Street ankam.

Alfred Adlers Bruder Ludwig gelang es, noch kurz vor dem Novemberpogrom von Frankfurt in die USA zu emigrieren. Seine Schwester Elfriede Lucas, geboren am 28. September 1898 in Frankfurt, wurde mit ihrem Ehemann Josef und ihrer Tochter Gertrude Sophie von ihrem Wohnort Duisburg am 11. Dezember 1941 in das Ghetto Riga deportiert. Dort bzw. in Stutthof kam die Familie, an die in der Duisburger Mainstraße 15 drei Stolpersteine erinnern, ums Leben.

Fred Adler wurde in England zunächst auf der Isle of Man als „Enemy Alien“ (feindlicher Ausländer) interniert. In London – ohne Englischkenntnisse, ohne Geld und ohne Verwandte oder Beziehungen – seine Tochter Renate war in einem Internat untergekommen – gelang es ihm bald, seinen Lebensunterhalt als Manager in einer kleinen Textilfirma zu verdienen. Er engagierte sich bei der A.R.P. (Air Raid Precaution) als Ordnungshelfer bei feindlichen Luftangriffen und war Feuermelder. Nach Kriegsende erhielt er dafür einen Englischen Orden.

Fred Adler im Herbst 1938
Dieses Bild vergrößern.

Fred Adler starb am 19. Oktober 1953 in London. Seine Tochter Renata Harris erzählte, dass er nie darüber hinweg gekommen sei, dass seine Frau deportiert und ermordet wurde und es ihm nicht gelungen war, sie zeitig genug aus Deutschland herauszubekommen. An Margarete Adelheid Adler erinnert seit 2012 ein Stolperstein in der Gervinusstraße 22.

Der Stolperstein wurde initiiert von der Tochter Renata Harris.

Anwesend bei der Verlegung waren Renata Harris und ihr Ehemann John, Warwickshire/England und Tirol/Österreich.


Personen
Alfred Adler
Geburtsdatum:14.6.1897
Deportation:Haft: 1938 Buchenwald, Flucht: 1939 London
Todesdatum:19.10.1953 (London)
Stolperstein Gervinusstraße 22 Alfred Adler © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
Dieses Bild vergrößern.