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Bender, Helene und Georg

Helene und Georg Bender wohnten im eigenen Haus im Schwedenpfad 21. Das Haus hatte Georg Benders Vater, der Maurerpolier war, gebaut. Sie hatten einen am 2. April 1935 geborenen Sohn Georg. Georg Bender arbeitete nach dem Besuch der Volksschule zuerst in den Adler-Werken und dann in den Farbwerken Hoechst, später wieder als Stanzer bei den Adler-Werken. Helene und Georg Bender waren beide aktiv bei den „Naturfreunden“ und den „Freien Turnern“ in Nied, wo sich auch Mitglieder des „Reichsbanner“ trafen. Georg Bender war ab 1927 einige Jahre Mitglied des „Reichsbanner“. Treffpunkte waren u.a. Lokalitäten des Ausbesserungswerks der Reichsbahn in Nied an der Oeserstraße und verschiedene Ausflugsorte der „Naturfreunde“ im Taunus.

Georg Bender
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Georg Bender war Mitglied im Metallarbeiterverband, dessen Ortsgruppe er leitete. 1926 trat er in die SPD ein. Nach 1933 engagierte er sich zunehmend in der illegalen Arbeit der inzwischen verbotenen Gewerkschaft und der Partei. 1937 wurde er zusammen mit drei anderen Gewerkschaftskollegen Verbindungsglied zu einer Widerstandsgruppe in der Schweiz. Diese war von Frankfurter Gewerkschaftern gegründet worden, nachdem sie dort als politische Flüchtlinge anerkannt worden waren. Sie hofften freie Gewerkschaften aufbauen zu können. Sie stellten illegal Zeitungen her (die „Sozialistische Aktion“ und „Der Funke“, Tarnname „Hessen-Nassauische Kleingärtnerzeitung“) und lieferten diese in doppelwandigen Kaffeekannen.

Die Frankfurter Kollegen schickten Betriebsberichte vor allem aus den Adler-Werken, den Farbwerken Hoechst und dem Ausbesserungswerk der Reichsbahn. Diese Berichte bildeten für Zeitungsartikel und die organisatorische Arbeit die Grundlage. Der Austausch wurde über Fahrradkuriere zwischen Frankfurt und St. Gallen organisiert. Auch daran hatte sich Georg Bender beteiligt.

Am 17. März 1938 wurden die vier Verteilergruppen von der Gestapo enttarnt. Georg Bender und seine Ehefrau Helene wurden festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Die Eltern von Helene Bender nahmen den dreijährigen Enkel in ihre Obhut. Helene Bender nahm sich nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft das Leben. In einem Bericht der Stadt Frankfurt zum Schicksal der Helene Bender heißt es: „Zu den Verhörtaktiken der Gestapo gegenüber Müttern gehörte die Drohung, ihnen das Kind weg zu nehmen, falls sie nicht alles sagten, was sie wüssten.“ Weiter heißt es in diesem Bericht: „Zu verlangen, sich zwischen der Liebe zum Kind und der Liebe zum Ehemann zu entscheiden, ist eine barbarische, menschenverachtende Forderung, der Tod durch eigene Hand ein ‚Ausweg‘“.

Nach der Befreiung aus dem Gefängnis 1945 lebte Georg Bender wieder im Schwedenpfad 21 und war weiterhin in der SPD aktiv. Er heiratete in zweiter Ehe Katharina Pauline Jouanne. Sie stammte aus Höchst und war Anfang der 1930er Jahre in der Sozialistischen Jugend aktiv.
Sie war - wahrscheinlich aus politischen Gründen - nach Frankreich ausgewandert und hatte dort einen Franzosen geheiratet, mit dem sie eine Tochter hatte. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich hatte die Familie des Ehemanns Druck ausgeübt, so dass die Ehe geschieden wurde. Pauline Jouanne kehrte schwanger nach Hoechst zurück und bekam die Tochter Christa.
Nach fünf Monaten Untersuchungshaft verurteilte der Volksgerichtshof Georg Bender am 14. Oktober 1938 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren, die er bis zum 3. Mai 1945 verbüßte.

'Freie Turner' Gemeinde Nied 1928, Helene Bender sitzend, 1. von links; Georg Bender stehend, 5. von rechts
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Später lernte sie hier Georg Bender kennen. Die beiden heirateten. 1949 wurde Richard, Georg Benders zweiter Sohn, geboren. Im November 1953, als Richard vier Jahre alt war, verunglückte Georg Bender auf dem Weg nach Hause in der Bolongarostrasse mit dem Motorrad. Schwer gezeichnet von den Qualen und Misshandlungen, die er in der Haft erlitten hatte, musste er ein Stahlkorsett tragen. Dieses war ihm beim Sturz vom Motorrad zum Verhängnis geworden. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Ein Mahnmal vor dem Friedhof in Frankfurt-Nied erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus in diesem Stadtteil, unter den elf dort aufgeführten Namen steht auch Helene Bender.
„Meine Söhne und ich sind stolz, dass er in dieser Zeit den Mut hatte, sich gegen das Regime zur Wehr zu setzen,“ sagte Ilona Bender bei der Verlegung

Anwesend bei der Verlegung war Ilona Bender, die Schwiegertochter Georg Benders, die die Geschichte ihrer Familie vortrug.

Personen
Georg Bender
Geburtsdatum:23.10.1902
Deportation:Verurteilung: 14.10.1938 Volksgerichthof "Hochverrat"
Todesdatum:Befreit/überlebt
Helene Bender, geb. Grau
Geburtsdatum:18.7.1907
Deportation:Verhaftung: 1938
Todesdatum:4.5.1938 (Suizid)
Stolperstein Schwedenpfad 21 Helene Bender © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Schwedenpfad 21 Georg Bender © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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