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Nachmann, Ludwig, Paula und Hertha

Ludwig Nachmann aus Kelsterbach heiratete 1918 Ilse Paula Strumpf, die aus Krotoschin in Posen stammte. Ihre beiden Töchter Ruth und Hertha kamen 1920 und 1922 in Frankfurt zur Welt. Im August 1924 zog die Familie nach Höchst, zuerst in die Oberfeldstraße, dann 1927 in die Dalbergstraße 6. Hier befand sich auch das Geschäft mit Kleiderstoffen, die man in Raten bezahlen konnte. Man nannte das damals „Abzahlungsgeschäft“. Ludwig Nachmann war Kaufmann. Ein weiteres Geschäft soll es in Zeilsheim gegeben haben, das jedoch nur kurz existierte. Paula Nachmann arbeitete im Geschäft, so dass für Haushalt und Kinder die christliche Elisabeth Halfsmann zuständig war. Sie zog 1932 mit in die Leunastraße 18 um und blieb bis April 1934. In diesem Jahr war Ludwig Nachmann mit seinem Geschäft im Boykottbuch der Nazis verzeichnet.

Ruth und Hertha besuchten die Oberfeldschule (heute Robert-Blum-Schule) und anschließend das Höchster Lyzeum. Ruth wechselte 1934, wahrscheinlich wegen des Schulgeldes, zur Westend Mittelschule. Die Schülerinnen dieser Schule sollten dann an die ortszuständige Mittelschule in Schwanheim übergeleitet werden, aber dort wurde Ruth als Jüdin nicht mehr angenommen. Da sie auch bei anderen weiterführenden Schulen nicht aufgenommen wurde, begann sie eine Lehre im Kaufhaus Schiff, wurde aber als Jüdin nicht zur Prüfung zugelassen.

Die Töchter Ruth und Hertha Nachmann
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Beide Kinder waren in der TG Höchst aktive Sportlerinnen, allerdings wurden sie bereits 1933 aus dem Verein ausgeschlossen. Auch Hertha konnte nur noch das Philanthropin, die jüdische Schule, besuchen und begann eine Ausbildung als Kindergärtnerin in einem jüdischen Kindergarten im Ostend. Als dieser Kindergarten am 10. November 1938 zerstört wurde, musste Hertha in einem Frankfurter Betrieb Zwangsarbeit leisten. Die Familie gehörte zur Jüdischen Gemeinde in Höchst. Ruth Pitt, die ältere Tochter, schrieb 1991 aus den USA, dass sie damals zu Jugendtreffen gingen und erleben mussten, dass Steine durch die Fenster der Synagoge geworfen wurden. Eine enge Freundschaft zwischen Kindern und Eltern bestand mit der christlichen Familie Horne.

1936 gingen beide Mädchen nach Brandenburg, um sich auf eine Emigration nach Palästina vorzubereiten. 1937 zog die Familie in die Feldbergstraße 29, da der Hausbesitzer „Eigenbedarf“ angemeldet hatte. Die Nachmanns mussten Untermieter aufnehmen, um die Mietkosten tragen zu können. Später wurde dieses Haus ein „Ghettohaus“, in dem im Oktober 1941 20 Personen auf engstem Raum leben mussten. Alle Bewohner des Hauses wurden nach Lodz deportiert.

Ruth emigrierte im Dezember 1938 in die USA; sie sollte die „Quartiermacherin“ für die Familie sein. Sie musste vorher noch die Zerstörung der Synagoge und die Verhaftung ihres Vaters erleben, der nach Buchenwald verschleppt wurde. Sie schrieb, dass er „wie ein verstörtes Tier“ von dort zurück kam. Ruth Pitt berichtete, dass sie Schiffskarten geschickt habe, aber es blieb unklar, ob die Emigration an der Quote oder dem Kriegseintritt der USA scheiterte.

Personen
Ludwig Nachmann
Geburtsdatum:27.5.1886
Deportation:19.10.1941 Lodz
Todesdatum:20.7.1942
Paula Ilse Nachmann, geb. Strumpf
Geburtsdatum:7.9.1886
Deportation:19.10.1941 Lodz, 1944 Auschwitz
Todesdatum:Januar 1945
Hertha Nachmann
Geburtsdatum:1.7.1922
Deportation:19.10.1941 Lodz, 1944 Chelmo
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Leunastraße 18 Ludwig Nachmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Leunastraße 18 Paula Ilse Nachmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Leunastraße 18 Hertha Nachmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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